Artikel 10
Von der
Eibildung zum Wellensittichküken
Hans-Jürgen
H. Lenk DSV 749 (2001)
Im Zuchtraum vor unseren
Augen geschieht immer wieder das große Wunder eines neu
entstehenden Lebens. Wir machen uns normaler weise kaum Gedanken
darüber wie das vonstatten geht und welche Voraussetzungen
erforderlich sind, bis das geschehen kann. Es wird immer wieder
Vordergründig über die Fruchtbarkeit bzw. Unfruchtbarkeit
von unseren Wellensittichen gesprochen. Welche Hintergründe
da für die Fruchtbarkeit beteiligt sind, wird in den meisten
Fällen nicht beachtet.
Im Nachfolgenden habe ich versucht, einige Zusammenhänge
aufzuzeigen, welche die Fortpflanzung erläutern und Einfluss
darauf haben und was alles ablaufen muss, damit ein Wellensittich
geboren werden kann. Es ist sicherlich nicht von Nachteil zu
wissen, welche Voraussetzungen und Zusammenhänge bei der
Zucht unserer Vögel, bezogen auf die Fortpflanzung, bestehen.
Vielleicht kann man dann einige Fehlschläge besser beurteilen
und seine Zuchtergebnisse verbessern. Die nachfolgenden angegebenen Erfahrungen
gelten überwiegend für Standardwellensittiche.
Allgemeiner
Hinweis für das Alter von Wellensittichen!
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Nicht
zur Zucht benutzte Wellensittiche erreichen ein Durchschnittsalter von
12 - 14 Jahren, wenn sie artgerecht gefüttert
werden. Als obere
Lebenserwartungsgrenze geben ROBILLER (1972) 18 und RADTKE (1968) 20 Jahre
an.
Der älteste
Wellensittich aus
meiner Zucht, gehalten in meiner Wohnung, kam durch einen Unfall mit 18
Jahren ums Leben. Von mir
in den letzten knapp 40 Jahren gezüchtete Wellensittiche sind schon mehrmals über 15
Jahre alt geworden. |
Die Funktion und der Aufbau der männlichen Geschlechtsorgane:
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(siehe auch schematische Darstellung)
Beim Hahn münden die Samenleiter (4) aus beiden Hoden
(1), die Harnleiter (3) und der Enddarm (5)
in die Kloake. Der Samen gelangt in die Nähe der zapfenförmigen
Wölbung, des Begattungsorgans. Der Brutrhythmus richtet
sich nach der Brutkondition. Die Hoden haben bei einem Hahn der
nicht in Brutkondition ist eine Größe von etwa 2-3
mm. Sie vergrößern sich auf etwa 13 mm, wenn die Brutkondition
erreicht wird. In diesem Zustand kann der Samen, wenn man den
Wellensittichhahn auf den Rücken legt, durch leichten Druck
im unteren Bauchbereich mit einem Glasröhrchen, mit welchem
ein Arzt eine Blutprobe für eine Blutzuckerermittlung aufnimmt,
entnommen werden. Vorher sollte man im Kloakenbereich die Federn
etwas entfernen, um die Kloake besser erkennen zu können.
Durch diesen Vorgang kann auch erkannt werden, ob ein Hahn zeugungsfähig
ist. Es ist möglich diesen Samen für eine künstliche
Befruchtung zu verwenden.
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Erstes
künstliches befruchtetes
WS- Küken!
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Das erste künstlich
befruchtete WS- Küken schlüpfte am späten Abend
des 2. Septembers 1986. Die Versuche wurden
von Dr. Jamie Samour
und Janet Markham, The Zoological Soc. of London, Regents Park
durchgeführt. Es wurden
sowohl mit frisch abgezapftem Samen,
als auch mit tief gefrorenem Samen (drei Wochen bei minus 196°
C gelagert)
Versuche durchgeführt. Mit beiden war man erfolgreich.
Der Versuch und die Bilder der Nachzuchten wurden in der
englischen
Budgerigar World November 1986 Seite 22 geschildert bzw. abgebildet.
Wer selber mal eine künstliche Befruchtung bei Wellensittichen durchführen
möchte, sollte sich meine beiden
Artikel
30
Künstliche
Befruchtung bei Wellensittichen
und
Artikel 42
Praktische
Hinweise für eine künstliche Befruchtung bei Wellensittichen
durchlesen. |
Allgemein kann man sagen,
dass die Geschlechtsorgane eines Hahnes weniger kompliziert sind
wie die einer Henne. Sie haben ja auch weniger Funktionen. Ein
Hahn ist von etwa 1/2 Jahr bis etwa 7 Jahren bei richtiger Haltung
fortpflanzungsfähig. Meine Erfahrung hat ergeben, dass Hähne
unter 1 Jahr schlechte Zuchtergebnisse erbringen. Ein Hahn ist
dann in guter Zuchtkondition, wenn seine Nasenhaut leuchtend
blau ist, und er sich lebhaft bewegt und balzt. Er muss nicht
ganz durchgemausert sein. Wichtig
ist, dass seine Schwanzfedern ausgewachsen sind. Bei Hähnen
mit halb ausgewachsenen Schwanzfedern habe ich schlechte Befruchtungsergebnisse
erhalten. Es scheint so, dass Hähne deren Schwanzfedern
noch im Blutkiel stecken, Schmerzen bei der Begattung haben und
diese deshalb nicht richtig durchführen. Bei Hähnen,
die eine braune Nasenhaut, ähnlich der Farbe der Hennen
über eine längere Zeit haben, hat die Funktion der
Hoden ausgesetzt. Solche Hähne sind nicht mehr zeugungsfähig.
Die Funktion und der Aufbau
der weiblichen Geschlechtsorgane.
(siehe auch schematische Darstellung)
Bei der Henne gelangen die Harnleiter (3) der linke Eileiter
(7-9) und der Enddarm (5) in die Kloake. Der Eileiter
hat eine Öffnung (Trichter (7) zum Eierstock (6).
Dieser vergrößert und verlängert sich um ein
Vielfaches, wenn die Henne in Brutkondition ist. Hier werden
die reifen Eifolliken (der Eidotter) aufgenommen. Im oberen Teil
des Eileiters erfolgt die Befruchtung. Im Anschluss danach wird
der Eidotter mit dem Eiweiß umschichtet, siehe (8).
Dann wird die Eihaut und die Kalkschale um das Eiinnere gebildet
(siehe 9). Durch die walkenden Bewegungen des unteren
Eileiters wird das Ei heraus geschoben. Die Kloake hat mehrere
Funktionen. Durch sie gelangt der Kot, der Harn, (als weißer
Punkt auf dem Kot gut zu erkennen) und darüber hinaus wird
sie auch noch als Scheide genutzt.
Das Einsetzen der Hennen in die
Brut ist wesentlich problematischer als beim Hahn. Wellensittiche
entwickeln sich unterschiedlich schnell, daher kann man kein
genaues Mindestalter für die Zuchtfähigkeit angeben.
In der heutigen Zeit sind manche Hennen schon mit etwa 7 Monaten
soweit, andere brauchen
9 - 12 Monate. Wenn man kein Risiko eingehen will, sollten Hennen
unter einem Jahr nicht benutzt werden, da man erst ab diesem
Alter sicher sein kann, dass sich die Geschlechtsorgane voll
ausgebildet haben. Es kommt besonders bei den Hennen auf eine
gute Ernährung an. Es ist wichtig, dass alle erforderlichen
Nährstoffe in das von der Henne zu legendes Ei eingebracht
wurden. Bei guter Haltung und nicht mehr als 2 Bruten im Jahr,
können Hennen bis zu 5 Jahren zur Brut verwendet werden.
Die Henne muss zur Brut stimuliert werden. Die Stimulation erfolgt
durch den Hahn, die Fütterung, den Nistkasten und die Licht-
und Temperaturverhältnisse, in Außenvolieren auch
durch die Wetterverhältnisse. In der Fachliteratur wird
an vielen Stellen angegeben, dass 14 Stunden Lichtdauer am günstigsten
für die Brut sind. Ich habe in meinem Zuchtraum im Winter
nur etwa 10,5 Stunden Licht, gerechnet ohne eine Ruhezeit von
2 Stunden in der Mittagszeit (13 -15 Uhr) an und damit auch gute
Zuchtergebnisse erreicht.
Hennen sind in guter Brutkondition, wenn sie eine weiße
bis braune Nasenhaut haben, nach den Hähnen rufen, Holz
benagen und munter hin und her fliegen. Es werden die meisten
Hennen nie die tief braune Nasenhaut erhalten, die von vielen
Autoren als Voraussetzung für eine gute Zuchtkondition angegeben
wird. Sollten sie tatsächlich eine tiefbraune Nasenhautfarbe
haben, ist der Höhepunkt der Zuchtkondition schon überschritten.
Hennen mit bläulichen Nasenhäuten sollten auf keinen
Fall eingesetzt werden. Die sind mit Sicherheit nicht brutbereit.
Kurz vor der Brutzeit bereitet sich die Henne auf die Eiablage
vor. Das bedeutet, dass der Eileiter sich von etwa 1 mm Durchmesser
auf etwa 10 mm Durchmesser vergrößert. Gut zu erkennen
ist dieser Vorgang auch an der Vergrößerung der Kloake
und des ausgeschiedenen Kotes. Man sagt, die Henne hat einen
Legebauch. Die Drüsen, die Eiweiß und Kalk bilden,
und die Muskeln im unteren Teil des Eileiters werden in funktionsfähigen
Zustand gebracht. Veränderungen am Eierstock, Eileiter und
Kloake werden durch Hormone bewirkt. Hat eine Henne über
einen längeren Zeitraum eine blaue Nasenhaut, ähnlich
der Farbe des Hahnes, ist damit zu rechnen, dass diese nicht
mehr zur Zucht verwendet werden kann.
Die Befruchtung
Ein neues Leben beginnt mit der Befruchtung der Eizelle (Keimscheibe).
Die Befruchtung erfolgt meistens auf einer Stange oder auf einem
Zweig. (siehe auch nachfolgendes Bild)
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Sie geht in der Weise vor sich, dass die Henne mit durchgebogenem
Rücken sitzt und der Hahn sich fest, unter zur Hilfename seines
ausgebreiteten Flügels, auf den Rücken krallt. Dabei
presst er seine Kloake mehrfach wechselnd von der einen zur anderen
Seite gegen die Kloake der Henne. Die Spermen werden vom Hahn
ausgestoßen, von der Kloake der Henne eingesogen und wandern den
Eileiter hinauf. Sie können den Ort der Befruchtung in weniger als 30
Minuten erreichen. Die Zeitdauer für die Bildung des Eis beträgt 24 -
48 Stunden zwischen Befruchtung und Eiablage. Der Tretakt muss etwa 50
Stunden vor dem Legen des ersten Eies erfolgen damit eine Befruchtung
sicher erfolgen kann. |
Ein Samenvorrat reicht für etwa 4 Tage. Es können
also 2 Eier damit befruchtet werden. Samen können bis 3 Wochen im Eileiter
der Henne am Leben bleiben. Das sollte
man bedenken, wenn die Geschlechter vor der Brut nicht getrennt gehalten
werden. Damit erklären sich manche theoretisch abweichende Farben in der
Nachzucht. Es besteht die Meinung, dass die Befruchtung bei Buff- Vögeln
wegen des starken Aftergefieders schlechter ist als bei Yellow -Vögeln.
Aus diesem Grund wird das Aftergefieder dieser Vögel von einigen Züchtern
beschnitten. Hierbei sollte man jedoch vorsichtig sein, da die Afterfedern
auch eine Führungsfunktion für den Samen haben.
v
Nach meiner Erfahrung ist das Beschneiden der Hennen nicht erforderlich.
Bei Bildung des so genannten Legebauches vergrößert sich die Gegend der
Kloake und öffnet die Federdichte in diesem Bereich.
|
v
In
der letzten Zeit wurden Wellensittiche gezüchtet, die neben weicheren
Federn auch eine größere Anzahl von
Körperfedern verbunden mit einer besonders
großen Anzahl von Daunen haben. Bei diesen WS ist die Anhäufung
von Federn und Daunen im Afterbereich so
groß das es sicherlich besser und vielleicht auch nötig ist, beide
Geschlechter (Hähne und Hennen) zu
beschneiden. |
Über die Fruchtbarkeit gab und gibt es sehr viele Meinungen.
Dr. Messent hat mit einer neuen Technik Untersuchungen angestellt,
frisch gelegte Eier auf Befruchtung zu überprüfen.
Dazu hat er wahllos einige Paare aus einer Zucht genutzt. Von
22 Eiern aus 4 Gelegen waren nur 2 unbefruchtet, 3 waren kurz
nach dem Legen abgestorben. Dieses Ergebnis zeigt, dass nicht
alle klaren Eier unbefruchtet waren, sie können auch aus
Nahrungsmangel (fehlende Vitamine) oder auch falsche Behandlung
durch die Henne, abgestorben sein. Den Linienzüchtern wird
der Vorwurf gemacht, sie würden wegen zu starker Inzucht
die Fortpflanzungsfähigkeit der Vögel verschlechtern.
Das ist in den Fällen mit Sicherheit nicht zutreffend, bei
welchen die Züchter, zu denen ich mich auch zähle,
bei ihren Verpaarungen auf die Vererbung von Fruchtbarkeit wert
legen.
Der Aufbau eines WS- Eies (siehe auch schematische Darstellung)
Eier können verschiedene Formen und Abmessungen haben. Aus
allen können gesunde WS- Küken schlüpfen. Das
kleinste Wellensittichei, aus welchem ein WS- Küken schlüpfte,
hatte eine Länge von 5mm. Die Eiabmessungen haben kaum Einfluss
auf die Größe des daraus geschlüpften und später
ausgewachsenen Wellensittichs. Die äußere Schicht des
normalen Eies ist immer eine feste, aber luftdurchlässige
Kalkschale. Darunter folgt die zweischichtige Schalenhaut, die
das Eiweiß umgibt. Am stumpfen Ende des Eies buchtet sich
die innere Schicht der Schalenhaut ein, wodurch eine Luftkammer
entsteht, die im Laufe der Brutdauer größer wird.
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In der Eimitte, vom Eiweiß
umgeben, liegt der Dotter in einer Dotterhaut. Auf dem Dotter
liegt als kleiner, weißlicher Fleck die Keimscheibe. Aus
dieser Keimscheibe entwickelt sich später der Embryo. Darüber
ist die Eihaut, welche die Keimscheibe mit dem Dotter vom Eiweiß
trennt. Von der Schalenhaut an beiden Eienden ziehen feste, gedrehte
Eiweißschnüre zur Eihaut. Mit diesen Schnüren
(Hagelschnüre) ist der Dotter federnd und beweglich mitten
im Ei aufgehängt. Die Hagelschnüre verhindern, dass
bei Bewegungen des Eies die Keimscheibe gegen die Kalkschale
geschlagen wird. Sie ermöglichen weiter, dass sich der Dotter
so drehen kann und dass die Keimscheibe immer oben liegt. |
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Die Bildung und Befruchtung eines
Eies
(siehe auch schematische Darstellung)
In einem Ei müssen alle Energieliefernden Substanzen, Vitamine
und Mineralien die für die Entwicklung eines WS- Kükens
benötigt werden vorhanden sein. Die Bildung eines WS- Küken
beginnt mit dem Ei, kurz nach der Befruchtung. Der männliche
Samen gelangt durch die Scheide (die Kloake der Henne) in den
unteren Teil des Eileiters und muss bis kurz vor den Eierstock
(in der Nähe des Trichters) hinauf klettern. Dort wo die Befruchtung
erfolgt.
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Es ist erforderlich, dass der Samen genau
zu dem Zeitpunkt an der genannten Stelle ist, wenn von dem Eierstock
das Eifollikel freigegeben wird. Also, noch ehe die Hüllschichten
gebildet wurden. Die Befruchtung muss sofort nach dem Eisprung
erfolgen. Wenn sich das Eidotter entwickelt hat und mit der Eihaut
umgeben ist, wandert es langsam den Eierstock hinunter, bis zu dem
Punkt, wo in einer Zeit von 12 Stunden der Eiweißstoff gebildet wird.
Der Dotter wird mit Eiweiß umhüllt, ein bisschen weiter unten werden
die äußeren Schalenhäute gebildet und geformt. Danach gelangt das fast
fertige Ei zum Eihalter, wo ein Vorrat an Calcium gelagert ist. Hier
wird die Eischale gebildet. Die Wanderung durch den Eileiter dauert 1
bis 2 Tage. Im Normalfall legt die Henne jeden 2. Tag ein Ei. Es kommt
aber auch vor, dass die Henne jeden 3. Tag oder auch unregelmäßig
legt. |
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Der englische Wissenschaftler Professor Dr. Baker (University
of Liverpool) hat die Follikeln bei mehreren in Zuchtkondition
befindlichen Hennen gezählt und festgestellt, dass Hennen
zwischen 400 bis 600 Eier in ihrem Leben legen können. Die
Anzahl der Eier pro Gelege liegt zwischen 3 und in Sonderfällen
18 Stück. Normal sind 5- 8 Eier. Ich hatte 2 Hennen, die
immer 16 bzw. 18 Eier legten, von denen etwa 90 % befruchtet
waren. Ich habe es einmal geschafft, durch Umlegen 16 Stück
von einem Gelege groß zu ziehen.
Die Bebrütung und das
Wachstum des WS- Küken
(siehe auch schematische Darstellung)
Damit sich in dem Ei ein kleines WS- Küken entwickeln kann,
braucht er Wärme. Diese wird von der Henne gespendet und
geregelt, die sich auf dem Gelege nach den Temperaturerfordernissen
nieder lässt und es mit ihrer Körperwärme ausbrütet.
Die Temperatur wird dadurch unabhängig von der Außentemperatur
sehr konstant gehalten. Um die hohe Körpertemperatur von
etwa 40 Grad C mit möglichst geringen Verlusten auf die
Eier wirken zu lassen, sind bei der Henne auf der Unterseite
Federn ausgefallen und dadurch nackte Stellen entstanden (die
Brutflecken).
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Das Ei muss regelmäßig
gewendet werden damit Verwachsungen mit den Schalenhäuten
nicht entstehen, welche die Rotationsbewegungen beim Schlupfvorgang
verhindern können. Dieser Instinkt ist der Henne angeboren.
Der Gasaustausch und die Feuchtigkeit im Ei müssen auch
geregelt werden. Die Eischale hat zahlreich Poren, die einen
Gasaustausch zu lassen.
Siehe nebenstehendes Bild,
welches eine Eierschale darstellt,
die mit einem Elektronenmikroskop mit einer 500 fachen Vergrößerung
von Außen aufgenommen wurde.
Das Wachstum des Embryos erfordert
Baustoffe und Energie. |
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Aus den Dotterbestandteilen müssen die
Organe erstellt werden. Dazu wird Energie erforderlich. Durch
Verbrennung von Fett aus dem Dotter wird diese gewonnen. Der Embryo
erzeugt während seines Wachstums ständig Wasser. Wenn keine
Verdunstung über die Schale erfolgen würde, müsste der Wassergehalt
kontinuierlich zu nehmen. Weil Poren in der Eierschale vorhanden sind,
kann Feuchtigkeit nach Außen gelangen. Bei dicken Eierschalen kann
Feuchtigkeit kaum entweichen. Bei dünnen Eierschalen entweicht die
Feuchtigkeit zu schnell. Beides führt zum absterben des WS- Kükens.
Der Luftraum im Ei vergrößert sich durch Verdunstung. Am Ende der
Brutzeit muss die Luftkammer zwischen der inneren und der äußeren
Schalenhaut etwa 15% des zu Beginn vorhandenen Eivolumen betragen.
Warum das so sein muss, wird beim Absatz "Der Schlupf des WS- Küken"
erläutert. Ist die Luftfeuchtigkeit im Zuchtraum bzw. im Nistkasten zu
hoch, kann das nicht geschehen. So erhalten wir entgegen der
allgemeinen Meinung ein Absterben im Ei wegen zu hoher
Luftfeuchtigkeit. |
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Die Embryoentwicklung
(siehe auch schematische Darstellung)
Die Zellteilungen im Bereich der kleinen Keimscheibe beginnen
schon im Eileiter. Nach wenigen Tagen sind alle Organe angelegt.
Wenn der Keim wachsen soll braucht er Nährstoffe. Daher
wächst vom Keim, der sich zum Embryo entwickelt, eine Hautfalte
über den ganzen Dotter. Dieses geschieht, bis dieser völlig
eingeschlossen ist. Im Innern werden die Blutgefäße
mit dem dazugehörigen Blut gebildet. Das Herz als Pumpe
dieses Kreislaufes arbeitet schon etwa 3 Tage nach Brutbeginn.
Damit ist die Funktion für den Transport der Ernährungsvorräte
zum Embryo gegeben. Ganz früh bilden sich auch schon die
Augen. Etwa am 5.Tag kann man den ganzen Vorgang auch beim Durchleuchten
eines Eies erkennen. Siehe hierzu die Bilder " Embryoentwicklung
a und b ". Der Embryo ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr
klein. Es ist der Dottersack entstanden. Desto mehr Nährstoffe
ihm entzogen werden, um so kleiner wird er. Zum Schluss wird
der Rest in die Leibeshöhle des WS- Kükens eingezogen.
Im Laufe des Wachstums wird auch das Eiweiß aufgenommen.
Der Schlupf des WS- Küken
Für die anstrengende Arbeit beim
Schlüpfen braucht
das WS- Küken mehr Sauerstoff, als durch die Poren
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der Eischale
gelangen kann. Deshalb durchstößt das WS- Küken
1-2 Tage vor dem Schlupf mit dem Schnabel die innere Schalenhaut,
im Bereich der Luftkammer. Die Lungenatmung kann beginnen. Wenn
dann das WS- Küken auch noch die Eischale geöffnet
hat, erhält es soviel Sauerstoff, dass es den anstrengenden
Schlupfvorgang beenden kann. WS- Küken denen es nicht gelingt
die Eischale zu durchdringen, müssen ersticken.
Da die WS- Küken eines Geleges zu unterschiedlichen Zeitpunkten
schlüpfen, ist es unvermeidbar, dass sie die später
gelegten Eier durch ihren Kot verschmutzen. Jungvogelkot von
gesunden WS- Küken bekommt beim Trocknen eine poröse
Konsistenz bei der ein Gasaustausch erfolgen kann. Ein Waschen
dieser Eier ist also nicht erforderlich.
Anders ist es mit dem Kot der Henne. Wenn eine Henne das Gelege
verschmutzt ist sie krank. In dem Kot sind dann zwangsläufig
viele Bakterien vorhanden. In einigen Fachberichten ist zu lesen,
dass verschmutzte Eier gewaschen werden sollten. Nach meinen
Erfahrungen ist das Waschen von Eiern sehr problematisch. Ich
wasche keine Eier mehr. Weil meistens der Erfolg ausbleibt. Es
ist nicht einfach die Wassertemperatur so zu erreichen, dass
wir dem Embryo nicht schaden. Sie müsste etwa 40°C betragen.
Das ist selbst mit einem Thermometer nicht so ohne weiteres möglich
zu überprüfen. Ist das Wasser um wenige Grad zu hoch,
stirbt der Embryo ab. Ist das Wasser um wenige Grad zu kalt,
besteht die Gefahr, das durch die Abkühlung sich das Volumen
verkleinert. Dadurch entsteht im Ei ein Unterdruck.
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Daraus ergibt sich die Möglichkeit dass Bakterien ein gesogen werden,
die zweifelsohne im Hennenkot vorhanden sind. Am 18. Tag ist es dann
soweit. Man hört das WS- Küken manchmal schon durch die Eischale
piepsen. Dies ist das Zeichen für die Henne. Ihre angeborene
Verhaltenweise, die Jungen zu füttern, wird ausgelöst. Die Fütterung
erfolgt mit Kropfmilch. Diese wird nicht im Kropf, sondern in dem
Bereich der den Kropf mit dem Magen verbindet, gebildet. Das WS- Küken
rotiert in dem Ei durch Abstemmen mit den Beinen, bis das Ei am
stumpfen Ende mit dem Eizahn, welcher in dem Bild deutlich zu erkennen
ist, aufgeschnitten ist. Wenn alles normal verläuft, haben wir dann
ein sehr schönes, rosiges WS- Küken vor uns liegen, dass sehr aktiv
ist und kräftig nach Nahrung schreit. Die rosa Farbe ist ein Indiz für
die gute Gesundheit und Lebenskraft eines WS- Kükens. Hat das WS-
Küken eine fahle Farbe und bewegt sich kaum, dann ist es nicht sehr
widerstandsfähig. |
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In den meisten Fällen wird es einige
Stunden nach dem Schlupf sterben.
Manchmal kommt es vor, dass wir WS- Küken platt gedrückt
in der Nestmulde vorfinden. In den meisten Fällen hat das
nicht die Henne getan. Die WS- Küken sind einfach kurz nach
dem Schlupf gestorben. Schlüpft am 18. Tag das WS- Küken
nicht, soll man ruhig ein paar Tage warten. Bis 20 Tage kann
man noch als normal ansehen. Ich habe in einem Jahr einige WS-
Küken verloren, weil ich die Eier nach 22 Tagen öffnete.
Dabei stellte ich dann fest, dass die WS- Küken noch lebten
aber noch nicht vollständig entwickelt waren. Die Henne
hatte nicht konstant gebrütet. In solchen Fällen können
auch 23 bis 24 Tage für die Brut erforderlich sein. Nach
dieser Erfahrung habe ich mir wieder einmal geschworen, keine
Eier mehr zu öffnen.
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