Artikel 10
Von der Eibildung zum Wellensittichküken
Hans-Jürgen H. Lenk DSV 749 (2001)
 

Im Zuchtraum vor unseren Augen geschieht immer wieder das große Wunder eines neu entstehenden Lebens. Wir machen uns normaler weise kaum Gedanken darüber wie das vonstatten geht und welche Voraussetzungen erforderlich sind, bis das geschehen kann. Es wird immer wieder Vordergründig über die Fruchtbarkeit bzw. Unfruchtbarkeit von unseren Wellensittichen gesprochen. Welche Hintergründe da für die Fruchtbarkeit beteiligt sind, wird in den meisten Fällen nicht beachtet.
Im Nachfolgenden habe ich versucht, einige Zusammenhänge aufzuzeigen, welche die Fortpflanzung erläutern und Einfluss darauf haben und was alles ablaufen muss, damit ein Wellensittich geboren werden kann. Es ist sicherlich nicht von Nachteil zu wissen, welche Voraussetzungen und Zusammenhänge bei der Zucht unserer Vögel, bezogen auf die Fortpflanzung, bestehen. Vielleicht kann man dann einige Fehlschläge besser beurteilen und seine Zuchtergebnisse verbessern.
Die nachfolgenden angegebenen Erfahrungen gelten überwiegend für Standardwellensittiche.
 

Allgemeiner Hinweis für das Alter von Wellensittichen!

 Nicht zur Zucht benutzte Wellensittiche erreichen ein Durchschnittsalter von 12 - 14 Jahren, wenn sie artgerecht gefüttert
 werden. Als obere  Lebenserwartungsgrenze geben ROBILLER (1972) 18 und RADTKE (1968) 20 Jahre an.
Der älteste
 Wellensittich  aus  meiner Zucht, gehalten in meiner Wohnung, kam durch einen Unfall mit 18 Jahren ums Leben. Von mir
 in den letzten knapp 40 Jahren gezüchtete Wellensittiche sind schon mehrmals über 15 Jahre alt geworden.


Die Funktion und der Aufbau der männlichen Geschlechtsorgane:

(siehe auch schematische Darstellung)
Beim Hahn münden die Samenleiter (4) aus beiden Hoden (1), die Harnleiter (3) und der Enddarm (5) in die Kloake. Der Samen gelangt in die Nähe der zapfenförmigen Wölbung, des Begattungsorgans. Der Brutrhythmus richtet sich nach der Brutkondition. Die Hoden haben bei einem Hahn der nicht in Brutkondition ist eine Größe von etwa 2-3 mm. Sie vergrößern sich auf etwa 13 mm, wenn die Brutkondition erreicht wird. In diesem Zustand kann der Samen, wenn man den Wellensittichhahn auf den Rücken legt, durch leichten Druck im unteren Bauchbereich mit einem Glasröhrchen, mit welchem ein Arzt eine Blutprobe für eine Blutzuckerermittlung aufnimmt, entnommen werden. Vorher sollte man im Kloakenbereich die Federn etwas entfernen, um die Kloake besser erkennen zu können. Durch diesen Vorgang kann auch erkannt werden, ob ein Hahn zeugungsfähig ist. Es ist möglich diesen Samen für eine künstliche Befruchtung zu verwenden.

 

 

 

Erstes künstliches befruchtetes WS- Küken!

 Das erste künstlich befruchtete WS- Küken schlüpfte am späten Abend des 2. Septembers 1986. Die Versuche wurden
 von Dr. Jamie Samour und Janet Markham, The Zoological Soc. of London, Regents Park durchgeführt. Es wurden
 sowohl mit frisch abgezapftem Samen, als auch mit tief gefrorenem Samen (drei Wochen bei minus 196° C gelagert)
 Versuche durchgeführt. Mit beiden war man erfolgreich. Der Versuch und die Bilder der Nachzuchten wurden in der
 englischen Budgerigar World November 1986 Seite 22 geschildert bzw. abgebildet.
 Wer selber mal eine künstliche Befruchtung bei Wellensittichen durchführen möchte, sollte sich meine beiden

 Artikel 30
 Künstliche Befruchtung bei Wellensittichen  und
 Artikel 42
 Praktische Hinweise für eine künstliche Befruchtung bei Wellensittichen
durchlesen.


Allgemein kann man sagen, dass die Geschlechtsorgane eines Hahnes weniger kompliziert sind wie die einer Henne. Sie haben ja auch weniger Funktionen. Ein Hahn ist von etwa 1/2 Jahr bis etwa 7 Jahren bei richtiger Haltung fortpflanzungsfähig. Meine Erfahrung hat ergeben, dass Hähne unter 1 Jahr schlechte Zuchtergebnisse erbringen. Ein Hahn ist dann in guter Zuchtkondition, wenn seine Nasenhaut leuchtend blau ist, und er sich lebhaft bewegt und balzt. Er muss nicht ganz durchgemausert sein. Wichtig ist, dass seine Schwanzfedern ausgewachsen sind. Bei Hähnen mit halb ausgewachsenen Schwanzfedern habe ich schlechte Befruchtungsergebnisse erhalten. Es scheint so, dass Hähne deren Schwanzfedern noch im Blutkiel stecken, Schmerzen bei der Begattung haben und diese deshalb nicht richtig durchführen. Bei Hähnen, die eine braune Nasenhaut, ähnlich der Farbe der Hennen über eine längere Zeit haben, hat die Funktion der Hoden ausgesetzt. Solche Hähne sind nicht mehr zeugungsfähig.


Die Funktion und der Aufbau der weiblichen Geschlechtsorgane.

(siehe auch schematische Darstellung)
Bei der Henne gelangen die Harnleiter (3) der linke Eileiter (7-9) und der Enddarm (5) in die Kloake. Der Eileiter hat eine Öffnung (Trichter (7) zum Eierstock (6). Dieser vergrößert und verlängert sich um ein Vielfaches, wenn die Henne in Brutkondition ist. Hier werden die reifen Eifolliken (der Eidotter) aufgenommen. Im oberen Teil des Eileiters erfolgt die Befruchtung. Im Anschluss danach wird der Eidotter mit dem Eiweiß umschichtet, siehe (8). Dann wird die Eihaut und die Kalkschale um das Eiinnere gebildet (siehe 9). Durch die walkenden Bewegungen des unteren Eileiters wird das Ei heraus geschoben. Die Kloake hat mehrere Funktionen. Durch sie gelangt der Kot, der Harn, (als weißer Punkt auf dem Kot gut zu erkennen) und darüber hinaus wird sie auch noch als Scheide genutzt.

Das Einsetzen der Hennen in die Brut ist wesentlich problematischer als beim Hahn. Wellensittiche entwickeln sich unterschiedlich schnell, daher kann man kein genaues Mindestalter für die Zuchtfähigkeit angeben. In der heutigen Zeit sind manche Hennen schon mit etwa 7 Monaten soweit, andere brauchen
9 - 12 Monate. Wenn man kein Risiko eingehen will, sollten Hennen unter einem Jahr nicht benutzt werden, da man erst ab diesem Alter sicher sein kann, dass sich die Geschlechtsorgane voll ausgebildet haben. Es kommt besonders bei den Hennen auf eine gute Ernährung an. Es ist wichtig, dass alle erforderlichen Nährstoffe in das von der Henne zu legendes Ei eingebracht wurden. Bei guter Haltung und nicht mehr als 2 Bruten im Jahr, können Hennen bis zu 5 Jahren zur Brut verwendet werden. Die Henne muss zur Brut stimuliert werden. Die Stimulation erfolgt durch den Hahn, die Fütterung, den Nistkasten und die Licht- und Temperaturverhältnisse, in Außenvolieren auch durch die Wetterverhältnisse. In der Fachliteratur wird an vielen Stellen angegeben, dass 14 Stunden Lichtdauer am günstigsten für die Brut sind. Ich habe in meinem Zuchtraum im Winter nur etwa 10,5 Stunden Licht, gerechnet ohne eine Ruhezeit von 2 Stunden in der Mittagszeit (13 -15 Uhr) an und damit auch gute Zuchtergebnisse erreicht.
Hennen sind in guter Brutkondition, wenn sie eine weiße bis braune Nasenhaut haben, nach den Hähnen rufen, Holz benagen und munter hin und her fliegen. Es werden die meisten Hennen nie die tief braune Nasenhaut erhalten, die von vielen Autoren als Voraussetzung für eine gute Zuchtkondition angegeben wird. Sollten sie tatsächlich eine tiefbraune Nasenhautfarbe haben, ist der Höhepunkt der Zuchtkondition schon überschritten. Hennen mit bläulichen Nasenhäuten sollten auf keinen Fall eingesetzt werden. Die sind mit Sicherheit nicht brutbereit. Kurz vor der Brutzeit bereitet sich die Henne auf die Eiablage vor. Das bedeutet, dass der Eileiter sich von etwa 1 mm Durchmesser auf etwa 10 mm Durchmesser vergrößert. Gut zu erkennen ist dieser Vorgang auch an der Vergrößerung der Kloake und des ausgeschiedenen Kotes. Man sagt, die Henne hat einen Legebauch. Die Drüsen, die Eiweiß und Kalk bilden, und die Muskeln im unteren Teil des Eileiters werden in funktionsfähigen Zustand gebracht. Veränderungen am Eierstock, Eileiter und Kloake werden durch Hormone bewirkt. Hat eine Henne über einen längeren Zeitraum eine blaue Nasenhaut, ähnlich der Farbe des Hahnes, ist damit zu rechnen, dass diese nicht mehr zur Zucht verwendet werden kann.


Die Befruchtung

Ein neues Leben beginnt mit der Befruchtung der Eizelle (Keimscheibe). Die Befruchtung erfolgt meistens auf einer Stange oder auf einem Zweig. (siehe auch nachfolgendes Bild)

Sie geht in der Weise vor sich, dass die Henne mit durchgebogenem Rücken sitzt und der Hahn sich fest, unter zur Hilfename seines ausgebreiteten Flügels, auf den Rücken krallt. Dabei presst er seine Kloake mehrfach wechselnd von der einen zur anderen Seite gegen die Kloake der Henne. Die Spermen werden vom Hahn ausgestoßen, von der Kloake der Henne eingesogen und wandern den Eileiter hinauf. Sie können den Ort der Befruchtung in weniger als 30 Minuten erreichen. Die Zeitdauer für die Bildung des Eis beträgt 24 - 48 Stunden zwischen Befruchtung und Eiablage. Der Tretakt muss etwa 50 Stunden vor dem Legen des ersten Eies erfolgen damit eine Befruchtung sicher erfolgen kann.

Ein Samenvorrat reicht für etwa 4 Tage. Es können also 2 Eier damit befruchtet werden. Samen können bis 3 Wochen im Eileiter der Henne am Leben bleiben. Das sollte man bedenken, wenn die Geschlechter vor der Brut nicht getrennt gehalten werden. Damit erklären sich manche theoretisch abweichende Farben in der Nachzucht. Es besteht die Meinung, dass die Befruchtung bei Buff- Vögeln wegen des starken Aftergefieders schlechter ist als bei Yellow -Vögeln. Aus diesem Grund wird das Aftergefieder dieser Vögel von einigen Züchtern beschnitten. Hierbei sollte man jedoch vorsichtig sein, da die Afterfedern auch eine Führungsfunktion für den Samen haben. v Nach meiner Erfahrung ist das Beschneiden der Hennen nicht erforderlich. Bei Bildung des so genannten Legebauches vergrößert sich die Gegend der Kloake und öffnet die Federdichte in diesem Bereich.

 

 v In der letzten Zeit wurden Wellensittiche gezüchtet, die neben weicheren Federn auch eine größere Anzahl von
       Körperfedern verbunden mit einer besonders großen Anzahl von Daunen haben. Bei diesen WS ist die Anhäufung
       von Federn und Daunen im Afterbereich so groß das es sicherlich besser und vielleicht auch nötig ist, beide
       Geschlechter (Hähne und Hennen) zu beschneiden.

 

Über die Fruchtbarkeit gab und gibt es sehr viele Meinungen. Dr. Messent hat mit einer neuen Technik Untersuchungen angestellt, frisch gelegte Eier auf Befruchtung zu überprüfen. Dazu hat er wahllos einige Paare aus einer Zucht genutzt. Von 22 Eiern aus 4 Gelegen waren nur 2 unbefruchtet, 3 waren kurz nach dem Legen abgestorben. Dieses Ergebnis zeigt, dass nicht alle klaren Eier unbefruchtet waren, sie können auch aus Nahrungsmangel (fehlende Vitamine) oder auch falsche Behandlung durch die Henne, abgestorben sein. Den Linienzüchtern wird der Vorwurf gemacht, sie würden wegen zu starker Inzucht die Fortpflanzungsfähigkeit der Vögel verschlechtern. Das ist in den Fällen mit Sicherheit nicht zutreffend, bei welchen die Züchter, zu denen ich mich auch zähle, bei ihren Verpaarungen auf die Vererbung von Fruchtbarkeit wert legen.

Der Aufbau eines WS- Eies (siehe auch schematische Darstellung)
Eier können verschiedene Formen und Abmessungen haben. Aus allen können gesunde WS- Küken schlüpfen. Das kleinste Wellensittichei, aus welchem ein WS- Küken schlüpfte, hatte eine Länge von 5mm. Die Eiabmessungen haben kaum Einfluss auf die Größe des daraus geschlüpften und später ausgewachsenen Wellensittichs. Die äußere Schicht des normalen Eies ist immer eine feste, aber luftdurchlässige Kalkschale. Darunter folgt die zweischichtige Schalenhaut, die das Eiweiß umgibt. Am stumpfen Ende des Eies buchtet sich die innere Schicht der Schalenhaut ein, wodurch eine Luftkammer entsteht, die im Laufe der Brutdauer größer wird.

In der Eimitte, vom Eiweiß umgeben, liegt der Dotter in einer Dotterhaut. Auf dem Dotter liegt als kleiner, weißlicher Fleck die Keimscheibe. Aus dieser Keimscheibe entwickelt sich später der Embryo. Darüber ist die Eihaut, welche die Keimscheibe mit dem Dotter vom Eiweiß trennt. Von der Schalenhaut an beiden Eienden ziehen feste, gedrehte Eiweißschnüre zur Eihaut. Mit diesen Schnüren (Hagelschnüre) ist der Dotter federnd und beweglich mitten im Ei aufgehängt. Die Hagelschnüre verhindern, dass bei Bewegungen des Eies die Keimscheibe gegen die Kalkschale geschlagen wird. Sie ermöglichen weiter, dass sich der Dotter so drehen kann und dass die Keimscheibe immer oben liegt.

 

Die Bildung und Befruchtung eines Eies
(siehe auch schematische Darstellung)
In einem Ei müssen alle Energieliefernden Substanzen, Vitamine und Mineralien die für die Entwicklung eines WS- Kükens benötigt werden vorhanden sein. Die Bildung eines WS- Küken beginnt mit dem Ei, kurz nach der Befruchtung. Der männliche Samen gelangt durch die Scheide (die Kloake der Henne) in den unteren Teil des Eileiters und muss bis kurz vor den Eierstock (in der Nähe des Trichters) hinauf klettern. Dort wo die Befruchtung erfolgt.

Es ist erforderlich, dass der Samen genau zu dem Zeitpunkt an der genannten Stelle ist, wenn von dem Eierstock das Eifollikel freigegeben wird. Also, noch ehe die Hüllschichten gebildet wurden. Die Befruchtung muss sofort nach dem Eisprung erfolgen. Wenn sich das Eidotter entwickelt hat und mit der Eihaut umgeben ist, wandert es langsam den Eierstock hinunter, bis zu dem Punkt, wo in einer Zeit von 12 Stunden der Eiweißstoff gebildet wird. Der Dotter wird mit Eiweiß umhüllt, ein bisschen weiter unten werden die äußeren Schalenhäute gebildet und geformt. Danach gelangt das fast fertige Ei zum Eihalter, wo ein Vorrat an Calcium gelagert ist. Hier wird die Eischale gebildet. Die Wanderung durch den Eileiter dauert 1 bis 2 Tage. Im Normalfall legt die Henne jeden 2. Tag ein Ei. Es kommt aber auch vor, dass die Henne jeden 3. Tag oder auch unregelmäßig legt.

 


Der englische Wissenschaftler Professor Dr. Baker (University of Liverpool) hat die Follikeln bei mehreren in Zuchtkondition befindlichen Hennen gezählt und festgestellt, dass Hennen zwischen 400 bis 600 Eier in ihrem Leben legen können. Die Anzahl der Eier pro Gelege liegt zwischen 3 und in Sonderfällen 18 Stück. Normal sind 5- 8 Eier. Ich hatte 2 Hennen, die immer 16 bzw. 18 Eier legten, von denen etwa 90 % befruchtet waren. Ich habe es einmal geschafft, durch Umlegen 16 Stück von einem Gelege groß zu ziehen.


Die Bebrütung und das Wachstum des WS- Küken

(siehe auch schematische Darstellung)
Damit sich in dem Ei ein kleines WS- Küken entwickeln kann, braucht er Wärme. Diese wird von der Henne gespendet und geregelt, die sich auf dem Gelege nach den Temperaturerfordernissen nieder lässt und es mit ihrer Körperwärme ausbrütet. Die Temperatur wird dadurch unabhängig von der Außentemperatur sehr konstant gehalten. Um die hohe Körpertemperatur von etwa 40 Grad C mit möglichst geringen Verlusten auf die Eier wirken zu lassen, sind bei der Henne auf der Unterseite Federn ausgefallen und dadurch nackte Stellen entstanden (die Brutflecken).

Das Ei muss regelmäßig gewendet werden damit Verwachsungen mit den Schalenhäuten nicht entstehen, welche die Rotationsbewegungen beim Schlupfvorgang verhindern können. Dieser Instinkt ist der Henne angeboren. Der Gasaustausch und die Feuchtigkeit im Ei müssen auch geregelt werden. Die Eischale hat zahlreich Poren, die einen Gasaustausch zu lassen.

Siehe nebenstehendes Bild, welches eine Eierschale darstellt, die mit einem Elektronenmikroskop mit einer 500 fachen Vergrößerung von Außen aufgenommen wurde.
Das Wachstum des Embryos erfordert Baustoffe und Energie.

 

Aus den Dotterbestandteilen müssen die Organe erstellt werden. Dazu wird Energie erforderlich. Durch Verbrennung von Fett aus dem Dotter wird diese gewonnen. Der Embryo erzeugt während seines Wachstums ständig Wasser. Wenn keine Verdunstung über die Schale erfolgen würde, müsste der Wassergehalt kontinuierlich zu nehmen. Weil Poren in der Eierschale vorhanden sind, kann Feuchtigkeit nach Außen gelangen. Bei dicken Eierschalen kann Feuchtigkeit kaum entweichen. Bei dünnen Eierschalen entweicht die Feuchtigkeit zu schnell. Beides führt zum absterben des WS- Kükens. Der Luftraum im Ei vergrößert sich durch Verdunstung. Am Ende der Brutzeit muss die Luftkammer zwischen der inneren und der äußeren Schalenhaut etwa 15% des zu Beginn vorhandenen Eivolumen betragen. Warum das so sein muss, wird beim Absatz "Der Schlupf des WS- Küken" erläutert. Ist die Luftfeuchtigkeit im Zuchtraum bzw. im Nistkasten zu hoch, kann das nicht geschehen. So erhalten wir entgegen der allgemeinen Meinung ein Absterben im Ei wegen zu hoher Luftfeuchtigkeit.

 

 

Die Embryoentwicklung
(siehe auch schematische Darstellung)
Die Zellteilungen im Bereich der kleinen Keimscheibe beginnen schon im Eileiter. Nach wenigen Tagen sind alle Organe angelegt. Wenn der Keim wachsen soll braucht er Nährstoffe. Daher wächst vom Keim, der sich zum Embryo entwickelt, eine Hautfalte über den ganzen Dotter. Dieses geschieht, bis dieser völlig eingeschlossen ist. Im Innern werden die Blutgefäße mit dem dazugehörigen Blut gebildet. Das Herz als Pumpe dieses Kreislaufes arbeitet schon etwa 3 Tage nach Brutbeginn. Damit ist die Funktion für den Transport der Ernährungsvorräte zum Embryo gegeben. Ganz früh bilden sich auch schon die Augen. Etwa am 5.Tag kann man den ganzen Vorgang auch beim Durchleuchten eines Eies erkennen. Siehe hierzu die Bilder " Embryoentwicklung a und b ". Der Embryo ist zu diesem Zeitpunkt noch sehr klein. Es ist der Dottersack entstanden. Desto mehr Nährstoffe ihm entzogen werden, um so kleiner wird er. Zum Schluss wird der Rest in die Leibeshöhle des WS- Kükens eingezogen. Im Laufe des Wachstums wird auch das Eiweiß aufgenommen.

Der Schlupf des WS- Küken

Für die anstrengende Arbeit beim Schlüpfen braucht
das WS- Küken mehr Sauerstoff, als durch die Poren

 

der Eischale gelangen kann. Deshalb durchstößt das WS- Küken 1-2 Tage vor dem Schlupf mit dem Schnabel die innere Schalenhaut, im Bereich der Luftkammer. Die Lungenatmung kann beginnen. Wenn dann das WS- Küken auch noch die Eischale geöffnet hat, erhält es soviel Sauerstoff, dass es den anstrengenden Schlupfvorgang beenden kann. WS- Küken denen es nicht gelingt die Eischale zu durchdringen, müssen ersticken.
Da die WS- Küken eines Geleges zu unterschiedlichen Zeitpunkten schlüpfen, ist es unvermeidbar, dass sie die später gelegten Eier durch ihren Kot verschmutzen. Jungvogelkot von gesunden WS- Küken bekommt beim Trocknen eine poröse Konsistenz bei der ein Gasaustausch erfolgen kann. Ein Waschen dieser Eier ist also nicht erforderlich.
Anders ist es mit dem Kot der Henne. Wenn eine Henne das Gelege verschmutzt ist sie krank. In dem Kot sind dann zwangsläufig viele Bakterien vorhanden. In einigen Fachberichten ist zu lesen, dass verschmutzte Eier gewaschen werden sollten. Nach meinen Erfahrungen ist das Waschen von Eiern sehr problematisch. Ich wasche keine Eier mehr. Weil meistens der Erfolg ausbleibt. Es ist nicht einfach die Wassertemperatur so zu erreichen, dass wir dem Embryo nicht schaden. Sie müsste etwa 40°C betragen. Das ist selbst mit einem Thermometer nicht so ohne weiteres möglich zu überprüfen. Ist das Wasser um wenige Grad zu hoch, stirbt der Embryo ab. Ist das Wasser um wenige Grad zu kalt, besteht die Gefahr, das durch die Abkühlung sich das Volumen verkleinert. Dadurch entsteht im Ei ein Unterdruck.

Daraus ergibt sich die Möglichkeit dass Bakterien ein gesogen werden, die zweifelsohne im Hennenkot vorhanden sind. Am 18. Tag ist es dann soweit. Man hört das WS- Küken manchmal schon durch die Eischale piepsen. Dies ist das Zeichen für die Henne. Ihre angeborene Verhaltenweise, die Jungen zu füttern, wird ausgelöst. Die Fütterung erfolgt mit Kropfmilch. Diese wird nicht im Kropf, sondern in dem Bereich der den Kropf mit dem Magen verbindet, gebildet. Das WS- Küken rotiert in dem Ei durch Abstemmen mit den Beinen, bis das Ei am stumpfen Ende mit dem Eizahn, welcher in dem Bild deutlich zu erkennen ist, aufgeschnitten ist. Wenn alles normal verläuft, haben wir dann ein sehr schönes, rosiges WS- Küken vor uns liegen, dass sehr aktiv ist und kräftig nach Nahrung schreit. Die rosa Farbe ist ein Indiz für die gute Gesundheit und Lebenskraft eines WS- Kükens. Hat das WS- Küken eine fahle Farbe und bewegt sich kaum, dann ist es nicht sehr widerstandsfähig.

 

In den meisten Fällen wird es einige Stunden nach dem Schlupf sterben.
Manchmal kommt es vor, dass wir WS- Küken platt gedrückt in der Nestmulde vorfinden. In den meisten Fällen hat das nicht die Henne getan. Die WS- Küken sind einfach kurz nach dem Schlupf gestorben. Schlüpft am 18. Tag das WS- Küken nicht, soll man ruhig ein paar Tage warten. Bis 20 Tage kann man noch als normal ansehen. Ich habe in einem Jahr einige WS- Küken verloren, weil ich die Eier nach 22 Tagen öffnete. Dabei stellte ich dann fest, dass die WS- Küken noch lebten aber noch nicht vollständig entwickelt waren. Die Henne hatte nicht konstant gebrütet. In solchen Fällen können auch 23 bis 24 Tage für die Brut erforderlich sein. Nach dieser Erfahrung habe ich mir wieder einmal geschworen, keine Eier mehr zu öffnen.
 

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