Artikel 11
Besuch
des Vogel- und Pflanzenmarktes in Peking / China.
Hans - Jürgen H. Lenk DSV 749 (2001)
In meinem Berufsleben hatte
ich über einen Zeitraum von 35 Jahre sehr oft Gelegenheit
andere Länder zu besuchen. Es gibt kaum ein Land, in dem
ich noch nicht gewesen bin. Meine Reisen dauerten im Normalfall
etwa eine Woche. Es kam aber auch schon mal vor, das es, wenn
die Besprechungen nicht so zügig wie erwartet vonstatten
gingen, ein Aufenthalt von sechs Wochen nötig wurde. An
den Wochenenden hatte ich dann Gelegenheit mich über das
jeweilige Land und die dort lebenden Leute zu informieren.
Oft wurde ich auch von unseren
Kunden zu Besichtigungen und einheimischen Essen eingeladen.
Das war nicht nur interessant, ich musste mich auch einige Male
sehr stark überwinden, die mir angebotenen Speisen. (z.
B. Seidenraupenlarven, Seegurken, alle Arten von Schnecken, Schlangen,
rohen Fisch usw.) zu essen. Das war besonders in China, Taiwan
und Korea der Fall. Ich muss heute gestehen, dass alles einen
ausgezeichneten Geschmack hatte und das ich mit der Zeit weniger
empfindlich geworden bin, mir unbekannte Speisen zu probieren.
Natürlich war auch immer bald bekannt, dass ich Vogelliebhaber
bin. Das hatte zur Folge, dass ich in alle zu erreichende Zoos
geführt wurde in welchen ich aber nur selten Wellensittiche
sah. So schön sich das auch anhört, es war für
einen Wellensittichzüchter wie ich es bin, in manchen Zeiten
schon eine harte Bestrafung, wenn man Wochen lang keine Wellensittiche
zu Gesicht bekam und das ganz besonders in der Brutzeit. Deswegen
gehörten auch immer zu meinem Reisegepäck einige Bücher,
welche mit Wellensittichen oder deren Vererbung etwas zu tun
hatten. Ein fast täglicher Anruf zu Hause, wo ich mich nicht
nur nach dem Wohlergehen meiner Familie erkundigte, gehörte
auch dazu. Auf den teilweise sehr langen Flügen, oft länger
als 12 Stunden, hatte ich die Zeit und Ruhe mich mit der theoretischen
Zucht von Wellensittichen intensiv und ohne wesentliche Störung
zu beschäftigen. Natürlich versuchte ich in jedem Land,
dass ich besuchte auch etwas über Wellensittiche zu erfahren.
Im Nachfolgenden möchte ich über den Vogelmarkt in
Peking, China berichten.
Jetzt bin ich fast ein Jahr Rentner und habe die Zeit auch einmal
einen Bericht über einen Ort zu schreiben, den ich schon
vor einiger Zeit aufsuchte. Ich bin sicher, dass die zu dem damaligen
Zeitpunkt gemachten Bilder, heute auch nicht anders aussehen
würden und dass es für manche Züchter auch interessant
ist, zu erfahren was sich auf einem chinesischen Vogel-/Tiermarkt
abspielt.
Bei einem meiner Besuche in Peking hatte ich im Stadtplan gesehen,
dass es einen Vogel- und Pflanzenmarkt gibt und mir vorgenommen
diesen an einem Sonntagmorgen zu besuchen. (Leider stand mir
kein Dolmetscher zur Verfügung.) Nun ist das einfacher vorgenommen,
als ausgeführt. Peking ist groß und der Stadtplan
war in englischer Sprache und deswegen nicht geeignet einem chinesischen
Taxifahrer zu zeigen, wo man hin will. Einige Taxifahrer sprechen
nur dürftig englisch. Alle sagen immer ja, aber man ist
nie sicher ob man verstanden wird. Nach der Darstellung im Stadtplan
sollte der Vogel- und Pflanzenmarkt etwa eine halbe Stunde mit
dem Taxi von meinem Hotel entfernt liegen. Ich war auf jeden
Fall wild entschlossen den Vogelmarkt aufzusuchen. Es ist gar
nicht so einfach einem chinesischen Taxifahrer klar zu machen,
wohin man will.
Ich will es kurz machen. Nach etwa 45 Minuten Fahrzeit und vielen
Fragen nach dem Weg, erreichten wir tatsächlich den Stadtteil
in dem der Vogelmarkt war. Eine etwa 1000 m lange Straße
war zur einer Hälfte als Vogel-/Tiermarkt und zur anderen
als Pflanzenmarkt eingerichtet. Beim Vogel-/Tiermarkt saßen
auf beiden Seiten die Händler mit ihren aufgebauten Käfigen,
in welchen die einzelnen Vögel angeboten wurden. Mann konnte
auch alle bei uns bekannten Vogelarten kaufen. Darüber hinaus
gab auch es jede Menge andere Tiere wie Hühner, Tauben,
Katzen, Hunde und sehr preiswertes und gutes Zubehör. Mein
Interesse galt natürlich besonders den Wellensittichen und
dem Zubehör für sie.
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Bild 1:
Fliegender Händler am Eingang zum Vogelmarkt. Das Fahrrad ist ein so
genanntes Lastenfahrrad. Allerdings eine relativ kleine Ausführung.
Oft sind in dem Bereich, wo auf dem Bild die Käfige abgestellt sind,
Sitzgelegenheiten angeordnet auf denen Familien- angehörige
transportiert werden. Bei großen Lastenfahrädern ist die hier zu
sehende Ladefläche etwa drei mal so groß . |
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In China werden, obwohl es in den Städten eine sehr
große Verkehrsdichte mit Autos gibt (überwiegend Lastwagen und Taxis) ein
für uns unvorstellbarer Teil von Lasten mit Fahrrädern, so genannten
Lastfahrrädern transportiert.
Eine ganze Wohnzimmerklubgarnitur hat auf einem Lastfahrrad Platz.
Die Fahrräder werden aber auch sehr stark als Personentransportmittel
genutzt. Deswegen sind an markanten Plätzen der Stadt auch
überdimensionale Fahrradparkplätze angelegt. In Peking,
in der Nähe der "Verbotenen Stadt", ist mir das
besonders auf gefallen. Dort standen tausende Fahrräder,
obwohl es auch einige moderne Fahrräder gab, sahen zu etwa
90% für mich alle gleich alt aus. Ich habe mich gefragt,
wie man da sein Fahrrad wieder finden kann. Es ist deshalb auch
nicht verwunderlich, dass auch Wellensittiche mit dem Fahrrad
transportiert werden. Häufig sieht man auch, dass lebende
Hühner an den Beinen zusammengebunden über die Lenkstange
eines Fahrrades gehängt, transportiert werden.
Viele asiatische Länder haben ein anderes Empfinden was
den Tierschutz anbelangt, als wir Europäer. Dafür sind
Schmierereien and den Wänden, wie sie bei uns in allen Städten
zu sehen sind, überhaupt nicht vorhanden.
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Bilder 2 und 3
Typische Anordnung der Verkaufstände für Vögel,
im Hintergrund sind Holzbuden in welchen die am Straßenrand
tagsüber aufgebauten Käfige und der Zubehör zur
Nacht verstaut werden.
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Bild 4:
Bei diesem Bild wird deutlich was ich mit der anderen Auffassung
der asiatischen Länder meine. Die Kisten waren so dicht
mit Wellensittichen besetzt, das sie kaum umfallen konnten. Ich
denke, das unsere so genannten Tierschützer hier mit recht
einen Herzinfarkt bekommen würden, wenn sie das zu sehen
bekommen hätten. Ich muss gestehen, dass besonders diese
Unterbringung, aber auch die sehr dichte Besetzung in allen anderen
Käfigen mir nicht gefallen haben. China ist zur Zeit noch
sehr weit von dem was wir unter Tierschutz verstehen entfernt. |
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Bild 5:
In einem der Käfige sah ich 4 Wellensittiche die nach unserer
Definition Standardwellensittiche waren. Leider konnte ich wegen
Sprachschwierigkeiten nicht erfahren woher diese kamen und ob
sie in China gezielt gezüchtet werden. Es handelt sich um
einen Hellblauen, zwei Graugrüne und einen Aufgehellten,
abgebildet in dem nebenstehenden Bild.
Genauso erfolglos waren meine Bemühungen zu erfahren wie
teuer die einzelnen Vögel waren. Die Chinesen haben eben
andere Schriftzeichen auch für Zahlen. |
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Bild 6:
In dem Käfig waren kaum befiederte chinesische Nachtigallen
auch so dicht besetzt, dass sie sich kaum bewegen konnten. Sie
wurden gerade von dem vor dem Käfig sitzendem Mann von Hand
gefüttert. Einige, in der Bildmitte, recken ihre Hälse
schreiend nach Futter heraus. Vögel in diesem Alter werden
in Asien oft verkauft. Ähnliches habe ich auch schon in
Taiwan festgestellt. Dort wurden auch junge Wellensittiche halb
befiedert an Vogelhalter verkauft, weil diese durch die enge
Bindung an die Person die sie von Hand füttert, besonders
zahm werden. |
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Bild 7:
Es konnten auch Kaninchen (siehe Bild), Tauben, Katzen und Hunde
gekauft werden. Kaninchen werden in China normalerweise nicht
als Hautiere gehalten. Wenn man durch die Straßen fährt,
fallen Taubenschläge auf, die relativ klein sind und vor
die Fenster oder die Balkone von den Wohnungen in Hochhäusern
gebaut wurden. Obwohl es in China auch einen Brieftaubensport
gibt, werden die meisten Tauben zur Nahrungserzeugung gehalten.
Die Wohnungen in China sind im Verhältnis zu unseren sehr
klein. Sie werden überwiegend von einer großen Zahl
von Personen bewohnt. Leider sind die typischen chinesischen
Wohneinheiten für Großfamilien in den Städten
kaum noch zu sehen. |
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Bild 8:
Wenn man vom Eingang zum Vogel -/Tiermarkt zur der entgegen liegenden
Seite ging, waren auf einer ähnlichen Straßenlänge (etwa 500 m) auf
beiden Seiten Stände angeordnet. Hier konnte man Blumen, Pflanzen und
Zubehör wie Erde, Blumentöpfe, Dünger, Steinfiguren und
Unterstelltischchen für Blumen kaufen. Verständlicher Weise habe ich
mich hier nicht so lange aufgehalten wie auf dem Vogel-/Tiermarkt.
Interessant war die enorme Vielzahl der angebotenen Pflanzen. |
Ich verbrachte nahezu einen halben Tag in dem
Marktbereich und kann nur jedem empfehlen, wenn er die Gelegenheit dazu
hat diesen Markt aufzusuchen, es auch zu tun. Es sind sehr starke Eindrücke,
die man dort erfahren kann. Wenn auch einiges Zubehör sehr
modern ist und auch bei uns angeboten wird, so entsprechen doch
manche Gegebenheiten, besonders die Besetzung der Käfige
und die Behandlung der Tiere nicht unserem Verständnis vom
Umgang mit Tieren.
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