Artikel 16
Mögliche Probleme und deren Beseitigung bei der Aufzucht und bei flügge werden den Wellensittichen.
Hans - Jürgen H. Lenk DSV 749 (2002)

Der Wellensittich ist nicht an einen bestimmten Fortpflanzungsrhythmus gebunden. Er brütet, soweit die Nahrungsgrundlage gesichert ist, zu jeder Jahreszeit. Deswegen ist es im Normalfall auch nicht besonders schwierig Wellensittiche zu züchten. Leider schaffen sich einige Züchter selber Probleme indem sie ihre Möglichkeit, Beeinflussungen in der Zucht, nicht richtig wahr nehmen. Für ein erfolgreiches Wachstum junger Wellensittiche ist es besonders wichtig, das die Elternvögel fit (in Brutkondition) und an die spezielle Nahrung gewöhnt sind die wir ihnen für die Aufzucht ihrer Jungen zusätzlich geben. Sie sollte das Aufzuchtfutter kennen und gerne fressen. Auch bei der Paarbildung sollte man an das, was das Brut- und Fütterverhalten anbelangt, denken. Alles was in der Zeit vor der Brut auf vorher angesprochenem Gebiet nicht bedacht wird, beeinflusst eine erfolgreiche Aufzucht negativ.

Anfänger in der Wellensittichzucht sollten sich nicht scheuen, bei Problemen die sie nicht selbst lösen können, einen erfahrenen Züchter zu Rate zu ziehen. Ich kenne keinen Züchter, der ihnen bei der Lösung eines Problems nicht helfen würde.
Meine Wellensittiche werden nach einem bestimmten Schema auf die Brutperiode vorbereitet. Wer dazu in der Lage ist, kann diesen Vorgang auf meiner Homepage
http://www.standardwellensittichzucht-lenk.de/ unter Fachartikel, Artikel 5 nachlesen.
Wenn ich Paare zusammen setze, versuche ich sie so zu verpaaren, dass an einen Altvogel ein junger Vogel gepaart wird. Ganz selten kommt es bei mir vor, dass ich zwei Jungvögel verpaare. Wichtig ist es, dass mindestens vier Paare gleichzeitig angesetzt werden. Warum werden Sie später noch erkennen. Es ist nach meinen Erfahrungen am besten die Paarungen so zu bilden, dass mindestens einer von den Vögeln zuvor schon einmal Junge aufgezogen hat. Dann gibt es später bei der Aufzucht weniger Schwierigkeiten. Junge Hennen haben manchmal Schwierigkeiten ihre ersten Jungen zu füttern. Da kann ein erfahrener Hahn schon hilfreich sein.

Im Nachfolgenden werde ich einige Probleme, die während der Brut und Aufzucht auftreten können, behandeln und versuchen aufzuzeigen, wie man sie beheben kann.


Die Zuchtbox.

Wellensittiche brüten, wenn sie in Brutkondition sind, in allen Zuchtboxengrößen. Die Zuchtboxen sollten jedoch weder zu groß noch zu klein sein. Nach meiner Recherche können für Wellensittiche als Idealmaße zwei Zuchtboxenabmessungen genutzt werden. Diese sind auf ihre Bedürfnisse optimal abgestimmt.

 

 1. Zuchtbox, Nistkasten innen angeordnet
     Länge 80 cm Höhe 40 cm, Breite 35 cm

 

 2. Zuchtbox, Nistkasten außen angeordnet
     Länge 60 cm Höhe 40 cm, Breite 35 cm


Wer sich detaillierter über Zuchtboxenabmessungen informieren möchte, sollte sich das, was ich über dieses Thema ermittelt habe, auf meiner Homepage http://www.standardwellensittichzucht-lenk.de/
 unter Fachartikel, Artikel 9 durchlesen.
Ich züchte meine Standardwellensittiche erfolgreich in gekauften Kunststoffboxen mit den folgenden Abmessungen:
Doppelbox mit Schubladen und Trennschieber 2 x 61,5 x 42,5 x 35,5 cm.

Bild Nr.1

 

Kunststoffboxen haben den großen Vorteil, dass sie sehr gut sauber zu halten und zu desinfizieren sind. Meine Zuchtboxen haben eine Sandeinstreu, zusätzlich gebe ich an einer Stelle, die nicht verkotet wird, einen Napf voll Vogelgrit auf den Schubladenboden der natürlich immer wieder erneuert werden muss. In Naschnäpfen füttere ich Mineralien und Kalk und an das Gitter habe ich Mineralblöcke angebracht. Während der Zucht werden die Kothaufen und das nicht aufgefressene Keimfutter bei den täglichen Kontrollen (2x täglich) mit einem Kunststoffzahnspachtel, wie er zum Kuchenbacken verwendet wird, zusammen gekehrt und von mir entfernt.
Siehe Bild Nr. 1. Die in dem Bild in der ausgezogenen Schublage zu sehende weiße Schale benutze ich als Auffang- und Transportbehälter für entfernte Kothaufen und nicht gefressenes Keimfutter. Normales Körnerfutter gebe ich in Vorratsbehältern mit Auffangschalen. Aufzuchtfutter gebe ich in glasierten Tonschalen.

Wasser in Trinkröhrchen, welches jeden zweiten Tag gewechselt wird. Siehe auch Bild Nr. 8. Die Trinkröhrchen, in welche ich auch Zusätze gebe, werden bei jedem Wasserwechsel gesäubert und desinfiziert. Als Desinfizierungsmittel nutze ich Vanodine V 18. Dieses Mittel reinigt und desinfiziert in einem Arbeitsgang. Es wurde von einer englischen Firma speziell für Desinfizierung und Reinigung von Futtergefäßen, Trinkgefäßen, Sitzstangen usw. entwickelt.


Der Nistkasten.

Wenn Hennen brüten wollen, nehmen sie jede Art von Nistkasten an. Aus Gründen der besseren Übersicht, Reinigung, der täglichen Kontrolle und der Austauschbarkeit, ist es vorteilhaft, Nistkästen gleicher Größe und Form zu verwenden. Die Grundkonzeption für einen Nistkasten ist eine im Boden befindliche Nestmulde, die so tief sein sollte, dass sie ein Auseinanderrollen des Geleges verhindert. Die gebräuchlichsten sind Horizontal- und Vertikalnistkästen. Die Abmessungen sind für Standardwellensittich ähnlich.

Ein 4 cm im Durchmesser betragendes Einflugloch soll im oberen Drittel und beim horizontalen Kasten entgegen der Nestmulde angeordnet sein. Eine Anflugstange muss bei der Nutzung in oder an Zuchtboxen nicht vorhanden sein. Die Nistkästen sollen durch eine Klappe oder Tür zur Kontrolle zugänglich sein. Die Mehrzahl der Züchter, so auch ich, verwendet außen an die Zuchtbox angehängte horizontal Nistkästen. Ich habe meine als Bausatz gekauft. Sie haben die Abmaße 23,5 x 16 x 22,5 cm. (Bild Nr. 2 und Nr.1) Holz und Hartfaserplatten stellen das bevorzugte Material zur Fertigung der Nistkästen dar. Es ist wichtig dass die Abstände des im Nistkasten angeordneten Aufspringklotzes und der Nestmulde zu den Kastenwänden groß genug sind. Ist das nicht der Fall, verklemmen sich diese. Durch die von manchen Paaren stark verursachte Feuchtigkeit vergrößern sich die Innenteile und sind nicht mehr auswechselbar.
Die meisten Züchter streuen Sägemehl, Hobelspäne oder Torfmull in die Nistkästen, damit die Feuchtigkeit des abgesetzten Kotes zum Teil aufgesogen werden kann. Wichtig ist, staubfreies sterilisiertes Material zu verwenden. Die Nestwärme und die Feuchtigkeit können, wenn die Nistkästen nicht in bestimmten Abständen gesäubert werden, zu einem

     Bild Nr. 2
 

intensiven Schimmelpilzwachstum führen, was zu Erkrankungen der Jungen führen kann. Oft ist die Folge der Tod der betroffenen Jungen.

Bild Nr. 3

 

Ich setze zur Säuberung von Keimen und Ungeziefer zwei Verfahren ein.
Zur Grundsäuberung nach der Zucht, verwende ich nach dem ich den Nistkasten mechanisch gesäubert habe, eine so genannte elektrische Heißluft- Pistole wie sie auf Bild Nr. 3 zu sehen ist. Diese ist recht preiswert in einigen Supermärkten zu kaufen. Die Heißluft- Pistole hat zwei Schaltstufen. Dabei werden folgende Anwendungswerte Erreicht:

Temperatur / Luftdurchsatz Stufe I
. 300° C 500 L / Minute
........................................Stufe II 600° C 650 L / Minute
Von den 4 mitgelieferten Vorsatzdüsen verwende ich die Flächendüse. Mit ihr können alle Flächen als auch die Ritzen ausgebrannt werden.

Die Nutzung garantiert das Abtöten jeglichem Ungeziefer und deren Eier. Es ist jedoch darauf zu achten, dass man mit der Düse nicht zu nahe an das Holz gelangt.

Bei erforderlichen Reinigungen in der Zuchtperiode verwende ich das nach neuesten Erkenntnissen hergestelltes Insektizid "Ardap" als Spray. Es ist einfach zu handhaben, wird von den Jungen vertragen und tötet alle Parasiten auch in den Ritzen der Nistkästen ab. Läuse, Flöhe und Federlinge können, wenn sie vorhanden sind, den jungen Wellensitten aber auch den Alten arg zu schaffen machen.
Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass ich in meiner Zuchtanlage zusätzlich auch noch das Fliegen- Strip "Blattanex" einsetze. Der in diesem Strip gespeicherte Wirkstoff wird kontinuierlich in einer gleichmäßigen Dosierung in die Raumluft abgegeben und wirkt mehrere Monate. Richtig dosiert trägt es stark dazu bei, dass das Ungeziefer in dem Zuchtraum in Grenzen gehalten wird. Vorsichtig muss man mit der Nutzung in der Brutfase, sein. Frisch eingesetztes Blattanex kann in geschlossen Räumen für gerade geschlüpfte Wellensittiche stark schädlich eventuell auch tödlich sein.


Wie bereitet man einen Nistkasten auf die Brut vor?
Es gibt unterschiedliche Meinungen unter den Züchtern, ob zu erst die Henne und nach einer bestimmten Zeit, später den Hahn oder ob von Beginn an beide gleichzeitig eingesetzt werden sollen. Und ob der Nisten erst nach einer bestimmten Zeit nach dem man ein Paar eingesetzt hat, zum Beispiel nach einer Woche freigeben werden soll, oder er direkt nach dem Einsatz des Paares, der Nistkasten zugänglich sein soll. Ich habe alle Möglichkeiten ausprobiert und im Ergebnis keinen Unterschied festgestellt. Deswegen setze ich Beide zusammen ein und gebe den Nistkasten schon von Anfang an frei. Zu Beginn der Brut gebe ich in meine Nistkästen eine Handvoll staubfreie sterilisierte Hobelspäne in die Nestmulde. An der Verteilung dieser Hobelspäne kann ich erkennen, wann die Henne zum ersten Mal in dem Nistkasten war. Manche Hennen leeren den Nistkasten wieder komplett aus. Wenn auf den Sauberkeitsfimmel dieser Hennen nicht eingegangen wird und immer wieder neue Hobelspäne in den Nistkasten gegeben werden, kann es passieren, dass diese Hennen kurz nach jeder Ablage auch ihre Eier heraus werfen.
Deshalb ist es in einem solchen Fall am besten, wenn man die Henne in dem gesäuberten Nistkasten, ihre Eier ablegen lässt. Nachdem sie dann eine Zeit lang gebrütet hat, nimmt sie es nicht mehr so genau mit dem Inhalt ihres Nistkastens. Jetzt können zur Vorsicht mehrmals hinter einander kleine Mengen Hobelspäne eingebracht werden. Dies ist nach meiner Meinung erforderlich, damit nach dem Schlupf der ersten Jungen, die verbleibende Eier nicht zu stark verkotet werden. Bei dem geschilderten Hennentyp, ist bei einer späteren Säuberung des Nistkastens darauf zu achten, dass nur etwa die Hälfte der verschmutzten Hobelspäne ausgewechselt und durch neue ersetzt wird. Hier sollte man auch kein Desinfektionsspray verwenden. Der verbliebene Anteil sollte mit dem Neuen gut vermischt werden. Wegen des annähernden gleich Geruches empfindet die Henne die Auswechselung der Einlage nicht so stark. Es ist auch hilfreich, wenn einige Federn von der Henne im Nistkasten verbleiben. Bei nicht Beachtung kann es passieren, dass sie den Nistkasten ganz ausräumt und auch die Jungen attackiert und rausschmeißt. Oft hilft in solchen Fällen auch, wenn anstatt Hobelspäne, Schlauben von dem Körnerfutter als Einstreu verwendet werden. Schlauben werden von den meisten Hennen nicht als so störend empfunden. Sie sind auch nicht so einfach zu entfernen. Sie halten die Verkotung der Eier und der Jungen in Grenzen.

Nach der Ablage des ersten Eies im Nistkasten lege ich ein großes Gipsei dazu, 20 mm dick, siehe Bild Nr. 4. Neuere Erfahrungen haben gezeigt, dass es besser ist das Gipsei erst nach dem 3ten Ei, dazuzulegen. Mache Hennen sind so empfindlich, dass sie dieses Ei als Fremdkörper betrachten und alle Eier raus werfen. Nach dem 3ten Ei haben auch diese Hennen sich so an das Brutgeschäft gewöhnt, dass es nicht mehr als störend empfinden wenn man ihnen ein Gipsei unterlegt.

Das hat folgende Vorteile:
1. Das Gipsei wird durch die Henne aufgewärmt und dient wegen dem kompakten Volumen als Wärmespeicher für die
    anderen Eier. Das kann von Vorteil sein, wenn die Henne den Nistkasten für längere Zeit verlässt.
2. Die größere Höhe von dem Gipsei hält die Henne gerade etwas über den eigenen Eiern und hilft, dass die zuerst
    ausschlüpfenden Jungen von festsitzenden Hennen nicht erdrückt werden.
3. Das Gipsei hilft auch den zuletzt ausschlüpfenden Jungen, nicht von ihren Geschwistern erdrückt zu werden. Ohne
    diese Maßnahme sterben häufig die zuletzt geschlüpften Jungen.

 Bild Nr. 4

 

Bild Nr. 4 zeigt einen Blick in einen Nistkasten meiner Zucht, mit 4 befruchteten Eier und 3 Jungen in der Nistschale. Das fünfte größere Ei ist ein volles Kunstoffei. Es hat die Abmessungen 25 x 20 mm. Zu sehen ist auch, wie ich die Eier markiere.
Die Nistkästen sollten wenigstens einmal pro Tag, besser ist zweimal pro Tag überprüft werden. Man kann schneller auf Probleme reagieren. Bei der Prüfung sollten dort, wo erforderlich die Schnäbel und Füße der Jungen gereinigt werden. Die Hennen und später auch die Jungen gewöhnen sich an diese Kontrollen und werden zahm. Es erleichtert auch das spätere Schauträning, weil die Jungen durch das tägliche anfassen relativ einfach an uns gewöhnt werden und dadurch weniger scheu sind. Die Reinigung der Schnäbel kann mit einem Zahnstocher oder mit einem angespitzten Streichholz erfolgen. Unruhige, meist junge Hennen, aber auch manchmal Hähne, beschädigen nicht selten mit zu langen Krallen die Eier.
 

Zu lange und spitze Krallen beim Hahn kann auch ein Grund sein, warum sich die Henne nicht treten läst. Deswegen ist es erforderlich, wenn die Krallen zu lang sind, sie wie in Bild Nr. 5 angegeben, zu beschneiden.
Geringfügig beschädigte oder angeknickte Eier kann man mit durchsichtigem Nagellack "reparieren". Dadurch wird ein Austrocknen des Eies und eine Keimeinwanderung in das Ei verhindert.

Wie kann man eine junge Henne beeinflussen ihre Jungen zu füttern?
Wichtig für ein erfolgreiches Zuchtleben einer Henne ist es, das man ihr von Beginn an hilft eine möglichst normale, störungsfreie Brut zu vollziehen. Sie sollte auf jeden Fall Gelegenheit erhalten, schon bei ihrem ersten Bruteinsatz Junge aufzuziehen. Das kann manchmal nur geschehen, in dem man ihr, befruchtete Eier von einem anderen Paar unterlegt und sie Ausbrüten und die Jungen aufziehen

 

 Bild Nr. 5

lässt. Eier sollten entweder kurz nach dem Legen oder kurz vor dem Schlupf umgelegt werden. Da sie sonst nach meinen Erfahrungen absterben. Der Grund dafür scheint der unterschiedliche Brutrittmuss bei den einzelnen Hennen zu sein. Wenn eine junge Henne nicht von alleine anfängt ihr erstes Junge zu füttern, müssen wir alle möglichen Hilfen anbieten, um sie auf den richtigen Weg zu bringen. Eine junge Henne der man in diesem Stadium nicht hilft, wird alle ihre Jungen verhungern lassen und ist in den meisten Fällen für eine Zucht nicht mehr geeignet. Diese schmerzlichen Tatsachen habe ich, als ich noch beruflich öfters Verreisen musste, erfahren müssen.
Jetzt wo ich im Ruhestand bin, überprüfe ich meine Nistkästen am Vormittag (10 Uhr) und am Abend (18 Uhr). Zu den gleichen Zeiten erhalten die Paare die in der Brut sind auch ihr Aufzuchtfutter. Als ich noch im Beruf stand, konnte ich diese Tätigkeiten nur am Abend durchführen. Die Aufzuchtfutter- Portionen waren da doppelt so groß. Das hatte an sehr warmen Tagen den Nachteil, dass wegen der längeren Verweildauer (das Futter wurde nicht so schell aufgefressen) das Aufzuchtfutter verderben konnte. Da ich jedes Ei durch eine fortlaufende Zahl (siehe Bild Nr. 4) pro Nistkasten, beginnend mit 1, mit einem Filzstift kennzeichne und das Legedatum für jedes Ei auf einem Formular (siehe Bild Nr.1) am Nistkasten angeordnet, aufschreibe, weiß ich welches Ei befruchtet ist und wann die einzelnen Jungen Schlüpfen müssten.

.Bild Nr. 6

 

Die Befruchtung der Eier überprüfe ich durch Durchleuchtung mit einer kleinen Lampe. Einer so genannten Eier Durchleuchtungs- Lampe zu sehen in Bild Nr. 6. In der zu erwartenden Schlupfzeit kontrolliere ich die betroffenen Nistkästen häufiger.
Ob die WS- Hennen ihren Jungen beim Schlupf helfen, darüber streiten sich die Gelehrten. Ich habe in meiner fast 40 Jährigen Zuchtpraxis mit Wellensittichen bis heute nicht feststellen können ob einem Jungen beim Schlupf von einer Henne geholfen wurde. Mir selber aber abgewöhnt den Jungen beim Schlüpfen aus dem Ei zu helfen. Man macht mehr falsch als richtig. Ich habe auch festgestellt, dass, wenn Junge nicht kräftig genug

sind, normal zu schlüpfen, sie für ein gesundes Leben nicht geeignet sind und deshalb in den meisten Fällen später konditionelle oder gesundheitliche Probleme haben. Nicht schlüpfende Junge, sind zum überwiegen Teil ein Anzeichen für nicht optimale Haltungsbedingungen und oder eine falsche Vorbereitung der Zuchtvögel auf die Brut.

Hilfe für frisch geschlüpfte Junge.

Wenn ich feststelle, dass ein Junges geschlüpft ist und nach dem der Dottersack aufgebraucht ist, nicht gefüttert wird, lege ich es nicht sofort in einen anderen Nistkasten. Ich warte etwa ein bis zwei Stunden. Ist es dann immer noch nicht gefüttert, lege ich es in einen Nistkasten, in welchem schon Junge angefüttert wurden. Problematisch wird es, wenn so ein Nistkasten nicht zur Verfügung steht. Mit einem Tropfen lauwarmer Kondensmilch, den man sich auf den Finger tropft, an den das Junge mit dem Schnabel so gehalten wird, dass es die Milch aufnehmen kann, besteht die Möglichkeit, dass nicht gefütterte Junge eine Zeit lang (etwa drei Stunden) am Leben zu halten. Beginnt die Henne jedoch danach immer noch nicht zu füttern, ist das Junge verloren. Jetzt kann man erkennen, wie wichtig es ist, dass mehrere Paare gleichzeitig angesetzt werden. Da nicht zu erwarten ist, dass alle Hennen gleichzeitig nicht füttern, schaffen wir uns die Möglichkeit Junge zu anderen Paaren um zu legen. Wir haben auch später bessere Möglichkeiten gleichaltrige Junge in einem Nest unter zu bringen.


Wie kann man die Bildung der Kropfmilch beeinflussen?

Wenn alles gut geht, werden normaler weise die frisch geschlüpften Jungen auf dem Rücken liegend von der Henne gefüttert. In den ersten Tagen füttert sie einen gelblich aussehenden Nahrungsbrei, die so genannte Kropfmilch. Erst ab etwa dem vierten bis fünften Tag bekommen die Jungen festere Nahrung, vorverdautes Aufzuchtfutter, Keimfutter und Körner. Das gleichzeitige selektive Füttern frisch geschlüpfter und älterer Jungen stellt eine hohe Leistung der Wellensittichhenne dar. Bereitet aber gesunden Hennen keine Probleme. Manche Hennen sind sehr eigen und lassen den Hahn erst sehr spät die älteren Jungen selbst füttern. Nährwertreiche Kropfmilch ist für junge Wellensittiche erforderlich, wenn sie sich gut entwickeln sollen. Erste Voraussetzung für die Produktion dieser Kropfmilch ist, dass die zur Zucht eingesetzten Wellensittiche gesund sind und optimal vorbereitet wurden. Nach meiner Erfahrung ist es auch wichtig, dass mit der Fütterung von Keimfutter und Aufzuchtfutter etwa zwei Tage vor dem Schlupf des jeweiligen ersten Jungen begonnen wird. (Die Gewöhnung an Aufzuchtfutter wurde schon in der Flugvoliere erreicht. Wellensittiche fressen das Aufzuchtfutter auch lieber, wenn sie damit als Jungvögel aufgezogen wurden.) Da mit schafft man eine zusätzliche Voraussetzung für die Henne, nährwertreiche Kropfmilch produzieren zu können. Durch die starken Pieplaute der Jungen im Ei, wird bei der Henne die Produktion der Kropfmilch ausgelöst.
Junge Hennen haben manchmal Schwierigkeiten Kropfmilch für das erste Küken bereit zu stellen. Es scheint bei manchen länger zu dauern, bis sie zur Kropfmilchproduktion in der Lage sind. Deshalb kann es passieren, dass sie ganze Körner an das erste Junge verfüttern. Dieses führt zu einer Katastrophe für das Junge. Die ganzen Körner sind in dem Kropf des Jungen sichtbar. Es ist noch nicht in der Lage ganze Körner zu verdauen auch dann nicht, wenn sie schon teilweise vorverdaut sind. Wenn dies erkannt wird, muss das Junge schnellsten zu einem Paar gelegt werden, wo die Henne Kropfmilch füttert. Der Henne, die noch keine Kropfmilch produziert, sollte ein älteres Junges das etwa fünf bis sieben Tage alt und gut gefüttert ist, untergelegt werden. Dieses hält es eine Zeitlang aus bis es neues Futter braucht. Es stimuliert durch starkes und lautes Betteln die Henne, Kropfmilch zu produzieren. In den meisten Fällen führt das zum Erfolg. Dem Jungen schadet es nicht so sehr, wenn es schon vorverdautes Futter erhalten hatte und dann für eine Zeit lang auch noch in diesem Alter nur Kropfmilch erhält. Sobald sie richtig füttert, kann das eigene Jungen zurückgelegt werden.


Was sollte man beim Umlegen von Jungen in einen anderen Nistkasten beachten?

Eine Henne nimmt ein fremdes Junge ohne Schwierigkeiten an, wenn sie schon Junge hat und es nicht älter als 3 Wochen alt ist. Bei älteren Jungen als 1 Woche, hilft es dem umzulegenden Jungen besser angenommen zu werden, wenn einige Holzspäne aus dem Nistkasten in den man es gelegt hat über ihm verteilt werden. Es nimmt dann den Geruch des neuen Nistkastens an. Beim Umlegen ist darauf zu achten, dass die Abstammung sichergestellt ist. So lange das Junge noch nicht beringt werden kann, besteht die Möglichkeit es auf dem Rücken mit einem farbigen Filzstift zu markieren. Farbige Filzstifte, haben den Vorteil, dass man mehrere Möglichkeiten für eine Kennzeichnung hat. Zum Beispiel, wenn man mehrere Junge aus unterschiedlichen Nistkästen, einem Paar unterlegen muss. Es ist darauf zu achten, dass die Markierung sichtbar bleibt. Notfalls ist sie zu erneuern. Es ist sinnvoll junge Wellensittiche zwischen dem 8 und 10 Lebenstag zu beringen. Wer Wellensittiche zum

Ausstellen züchtet, darf nur geschlossene Ring verwenden. Damit wird die Selbstzucht nach gewiesen. Auf den geschlossenen Ringen sind die erforderlichen Daten für eine Identifizierung, wie Züchter Nr. Verbands Nr., Geburtsjahr und Laufende Nr. eingeprägt. 


DSV-Ringe für das Jahr 2009

siehe nebenstehendes Bild                      
             (Bild ohne Beschriftung, von Gerd Bleicher)


Für einen bestimmten Jahreszyklus ist vom Weltverband WBO (World Budgerigar Organisation), für alle angeschlossenen Verbände die Farbe der Ringe weltweit, festgelegt. Auch besteht eine Festlegung für die Ringabmessungen.

Ringfarben

Farbe

Pantone Code

Jahr

Jahr

Jahr

Jahr

Schwarz

 2U2 X

2002

2007

2012

2017

Dunkelblau

301 U

2003

2008

2013

2018

Gold

Gelb U

2004

 

 

 

Violet

249 U

 

2009

2014

2019

Dunkelgrün

363 U

2005

2010

2015

2020

Rot

1797 U

2006

2011

2016

2021

               Ringabmessungen

minimaler Innendurchmesser

4.20 mm

maximaler Innendurchmesser

4.40 mm

Wanddicke

0.60 – 0.90 mm

Ringhöhe

3.85 – 4.00 mm

 

 

 


 

  

  

 

 

WBO Ringfarbfolge vom Jahr 2009 aufwärts

Die vorstehende Tabelle ist nur noch für die davor liegenden Jahre gültig. Ab dem Jahr 2009 erfolgt eine
neue Ringfarbenfolge und Ringfarbe.
Die Ringfarbenfolge hat jetzt einen Zyklus von 6 Jahren.
 

Year
Jahr

Colour name

Farbbezeichnung

Colour
Farbe 

RAL-
Standard 

Pantone-
Code

2009

2015

Volet 
Violet   

 


4008
  


 249 U

2010

2016

Orange
Orange

 

 

2003   


1505 U

2011

2017

Dark Blue
Dunkelblau
  

 


5019 
 


 301 U

2012

2018

Red 
Rot

 


3002 
 


1797 U

2013

2019

Black
Schwarz

 


8005
    


 2U2 X

2014

2020

Pastel Green
Pastell Grün

 


6019    

(ähnlich)
 344 U

 

Die angeschlossenen Verbände und die meisten nicht angeschlossenen Verbände halten sich an diese Festlegung. Der große Vorteil besteht darin, dass durch die unterschiedlichen Farben in der Flugvoliere, beim Richten auf Ausstellungen auch im Ausland ohne einen Vogel in die Hand zu nehmen, einfach festgestellt werden kann, wer ein Jungvogel ist oder aus welchem Jahr er stammt. Bekanntlich werden Jung- und Altvögel in unterschiedlichen Richtgruppen ausgestellt.

 Bild Nr. 7

Beim Aufziehen des Ringes ist darauf zu achten (siehe Bild Nr. 7), dass er zuerst über die drei längsten Zehen und danach auch über die vierte kleinere gestreift wird. Notfalls muss die vierte Zehe mit einem spitzen Gegenstand (Holzzahnstocher oder angespitztem Streichholz) durch den Ring gezogen werden. Der Zeitpunkt der Beringung richtet sich neben dem Alter auch nach der Form der Zehen. Manche Junge haben dicke, fleischige, andere ganz schlank ausgebildete Zehe die unterschiedlich schnell wachsen.


Mit Gewalt darf kein Ring übergestreift werden. Da die Zehen sonst verletzt werden.
Ich notiere die Ringnummer auf dem schon erwähnten, am Nistkasten angebrachtem Formular, neben dem Legedatum des entsprechenden Eies. Wenn alle Daten ausgefüllt sind, übertrage ich sie in meinen Computer. Ist das geschehen gibt es keine Verwechslungsmöglichkeit mehr. Da ich meine Wellensittiche mit einem Computerzuchtprogramm verwalte, ist die Abstammung relativ einfach nach zu vollziehen.
Am besten versorgt werden die Jungen in einem Nistkasten, der nicht mit mehr als 4 Jungen belegt ist. Günstig ist es, wenn alle etwa das selbe Alter haben. Das erreicht man durch Zusammenlegen der Jungen von verschiedenen Paaren. Bei dieser Methode sind alle etwa zu dem gleichen Zeitpunkt selbständig. Es macht weniger Probleme beim Selbständig werden der Jungen und ist deshalb einfacher, wenn das Paar mit einer neuen Brut beginnt. Alle Jungen können zum gleichen Zeitpunkt abgesetzt werden. Natürlich werden von einem Paar auch mehr als 4 Junge aufgezogen. Dann wird es jedoch sehr stark belastet und ist nicht mehr gut geeignet eine weitere Brut groß zu ziehen. Die Mindestzahl eines Geleges sollte 2 Junge nicht unterschreiten. Ein einzelnes Junges in einem Nistkasten wird nicht richtig und ausreichend gefüttert.


Erkenntnisse und Ergebnisse im Zuchtjahr 1981
(06.2009)

 Ich halte es für sinnvoll, einen Teil des Berichtes, welchen ich im dem Jahr 1981 in den DSV- Nachrichten veröffentlicht
 habe, einzufügen.(2009) Zeigen die Ergebnisse doch auf, das es sicher auch bessere Daten über die Fruchtbarkeit von
 Wellensittichen gibt, wie die, welche man heute in manchen Fachzeitschriften lesen kann. Leider muss ich gestehen,
 dass auch bei mir und das besonders in der Zuchtsaison 2009 das Ergebnis sehr schlecht war. Das war das
 schlechteste Zuchtergebnis in der ganzen Zeit, in der ich Wellensittiche züchte. Was aber sicherlich weniger mit der
 allgemeinen Fruchtbarkeit meiner Wellensittiche zu tun hat.  


In diesem Jahr (1981) habe ich 13 Zuchtpaare eingesetzt. Bei einem Paar war wie auch schon im Jahr davor das erste Gelege unbefruchtet. Dieses Paar habe ich aus der Brut genommen. Ich will es im späten Herbst damit noch einmal versuchen. Es handelte sich um Lutinos, von welchen ich gerne Junge hätte.
In den folgenden Betrachtungen ist dieses Paar deshalb nicht berücksichtigt. Mit den restlichen 12 Paaren habe ich folgende Bruten gemacht.

  1 Paar    = 3 Bruten
10 Paare  =  2 Bruten
  1 Paar    =  1 Brut

Interessant ist wohl auch zu erwähnen, dass die Wellensittiche, die auf der Bundesschau waren, am ersten anfingen zu brüten und mir keine Probleme machten. Im letzten Jahr habe ich einige Gelege durch die Silvesterknallerei verloren, deshalb habe ich in diesem Jahr meine Paare erst im Januar eingesetzt.  

Wie der Brutverlauf ausging, kann man aus der nebenstehenden  Grafik erkennen.
 

             Linie 1 zeigt die Anzahl der gelegten Eier pro Paar 
 Aus der Linie 2 kann man die Anzahl der befruchteten
                         Eier erkennen
.
              Linie 3
zeigt auf, wie viele Junge geschlüpft sind.

 

Von den geschlüpften Jungen sind dann leider noch einige gestorben, überwiegend weil ein paar junge Hennen am Anfang nicht gefüttert haben.

Positiv beeinflussen kann man junge Hennen, die nicht füttern wollen, wenn man ihnen etwas ältere Junge (Alter bis zu 5 Tagen) unterlegt. Diese schreien kräftiger und veranlassen dadurch die jungen Hennen zur Fütterung.

Bei einigen jungen Hähnen waren die Gelege erst ab dem 2ten bis 3ten Ei befruchtet.

 

Im Schnitt wurden 8 Eier pro Paar gelegt. Wenn ich das Zuchtergebnis in Prozenten angebe, so lauten die Zahlen wie

folgt:

       75 % der gelegten Eier waren befruchtet
aus 57
% der gelegten Eier sind Junge geschlüpft
aus 45
% der gelegten Eier  wurden die Jungen groß und kamen auf die Stange

 

Das waren statistisch gesehen auf 2 Bruten mit einem Paar 6,75 Junge pro Paar. Dieses Ergebnis ist für eine Standard- WS- Zucht nicht schlecht, es kann aber sicherlich noch verbessert werden, wenn man in einer Linienzucht besonderen Wert auf die Fruchtbarkeit legt.

 

Bei dem Wiegen und Messen (mit einer Schiebelehre) der in diesem Jahr gelegten Eier ergaben sich folgende Daten:  

Abmessung minimal  16 x 21 mm,  Gewicht minimal   2,5 g
Abmessung maximal 17 x 24 mm,  Gewicht maximal  4,0 g

 

Ich habe in den letzten Jahren von meinen Vögeln schon Eier gehabt, die wesentlich größer und sicher schwerer waren. Es gab auch eine ganze Reihe von Doppeleier, die meisten waren befruchtet aber nie sind daraus Junge geschlüpft. Leider habe ich diese nicht gewogen und nachgemessen.

 

Die Entwicklung von Jungvögeln kann man am besten an ihrer Gewichtszunahme erkennen.

 

Um mir darüber ein genaues Bild zu verschaffen, habe ich in diesem Jahr alle meine Jungvögel jeden zweiten Tag gewogen.

In der nebenstehenden Grafik sind die maximalen, minimalen und ein paar dazwischen liegende Wachstumskurven der Wellensittichküken dargestellt.

Bei der Beurteilung des Wachstums bestätigte sich auch die Erkenntnis, dass 3 bis 4 Junge pro Paar am besten gedeihen.

Man kann erkennen, dass etwa zwischen dem 25ten und 30ten Lebenstag der überwiegende Teil der Jungen eine Gewichtabnahme hat. Es scheint, dass die Fütterung der Altvögel darauf abgestimmt ist, dass die Jungvögel bei ihren ersten Flugübungen nicht so viel Gewicht zu bewegen haben.

 

Mein schwerster Jungvogel in diesem Jahr wog 70 g
Der schwerste Altvogel eine Opalin dunkelgrüne Henne wog 86 g
Das Normalgewicht meiner Standardwellensittiche liegt bei etwa 60 bis 70 g

Die Gewichtangabe wird dann interessant, wenn ein Wellensittich medikamentös behandelt werden muss, da die Dosierungen der Medikamente auf das Körpergewicht bezogen werden muss.

Was ist zu tun, wenn Junge gerupft werden?

Schon mancher viel versprechende Jungvogel wurde von seinen Eltern durch rupfen so verunstaltet, dass er für eine Ausstellung nicht genutzt werden kann. Manche Hennen zupfen ihren Jungen den Flaum aus. Das ist zwar nicht besonders schön hat aber nur einen sehr geringen Einfluss auf die Entwicklung der Jungen. Der Flaum ist bis zum Ausfliegen wieder nachgewachsen. Problematisch wird es, wenn eine Henne beginnt die Federn so zu rupfen dass der Vogel blutet und das ziemlich schnell geschieht. Diese Federn wachsen nicht mehr nach. Hier kann den Jungen Linderung verschafft werden, wenn die wunden Stellen mit "Penaten Baby Puder" überstreut. Wenn man Glück hat und es früh genug erkennt, kann das Schlimmste verhindert werden in dem man die Jungen entfernt und in einen anderen Nistkasten legt. Sind die Jungen über drei Wochen alt ist es besser die Henne zu entfernen und den Hahn zu nutzen die Jungen aufzuziehen. Wie schon erwähnt, werden Junge in diesem Alter selten von einen anderen Paar ohne Komplikationen angenommen. Sollte der Hahn der Übeltäter sein, was seltener vorkommt, dann muss man ihn entfernen.
Um das Rupfen abzustellen wurden schon die dollsten Sachen ausprobiert. Einige Züchter waren davon überzeugt, dass, wenn sie ihren Wellensittichen Salz ins Trinkwasser geben, das Rupfen eingestellt wird. Andere schmierten die Jungvögel mit Niveakreme ein, oder besprühten sie mit stark duften Tees. Auch der Handel bietet Sprays an (zum Beispiel Papick Spray von der Firma Beaphar), die manchmal helfen, weil sie schlecht riechen und schmecken. Es wurden sogar spezielle Nistkasten erfunden, welche einen zusätzlichen Raum mit großmaischiechem Draht abgeteilt hatten, durch den die Jungen gefüttert werden konnten. Ich ereichte gute Erfolge in dem ich einen Mineralpickstein und Stücke Kolbenhirse in den Nistkasten legte. Einige Hennen rupfen nur aus Langeweile. Es ist kurios, das gerade rupfende Hennen besonders gut füttern. Ich bin überzeugt, dass manche Hennen die Tendenz zum Rupfen an ihre Töchter vererben. Deshalb habe ich Hennen, die ihre Jungen rupften, nicht mehr zur Zucht verwendet. Gott sei Dank sind in den letzten Jahren bei mir keine rupfenden Hennen mehr aufgetreten.

Was kann man tun, dass die jungen ohne Probleme aufwachsen können?

Unsere heutigen Standardwellensittichjungen verlassen den Nistkasten etwa 35 - 42 Tage nach ihrem Schlupf aus dem Ei je nach Gefiederstruktur. In dieser Zeit ist wichtig das Verhalten ihrer Eltern besonders gut zu beobachten um auf Unregelmäßigkeiten schnell reagieren zu können. So mancher viel versprechender Jungvogel ist in dieser Fase der Zucht verloren  gegangen. Bild Nr. 8 zeigt ein Paar mit Jungen, bei dem ich gerade den Nistkasten entfernt habe um zu

verhindern, dass sie erneut anfangen zu legen. Zwei Junge sind im Hintergrund zu sehen. Die anderen zwei Junge befinden sich unter dem auf der linken Seite, angeordneten aus Holz angefertigten Schutzkasten.

Wenn ein Paar eine neue Brut beginnt, besteht die Möglichkeit, dass es aggressiv gegen über ihren Jungen wird. Erstes Indiz für einen neuen Brutbeginn ist: wenn das Aufzuchtfutter nicht mehr ganz aufgefressen wird. Ein weiteres wenn die Henne anfängt den Nistkasten leer zu räumen. Manchmal werden die Jungen auch nur von dem Hahn angegriffen nach dem sie den Nistkasten verlassen haben. Für beide Fälle habe ich aus

     Bild Nr. 8

Holz gebaute Schutzkästen vorgesehen, in Bild Nr. 8 links unten angeordnet, welche ich vorsichtshalber in die Zuchtboxen einbringe in denen sich Junge kurz vor dem Ausfliegen befinden. Unter denen können sich die Jungen verstecken. Sie dienen als Schutz vor aggressiven Altvögeln. Es kann auch vorkommen, dass eine Henne relativ früh mit der nächsten Eiablage beginnt und einen Teil der Jungen aus dem Nistkasten wirft, oder sie angreift. In diesem Fall entferne ich auch den Rest der Jungen aus dem Nistkasten und setze ich sie auf den Zuchtboxenboden. Sie halten sich dann auch in dem vorher beschriebenen, Schutzkasten auf und werden von dem Hahn weiter gefüttert. Wenn ich verhindern will, dass das Paar eine weitere Brut beginnt, entferne ich den Nistkasten und verfahre auch wie vorher beschrieben. Lasse jedoch auch die Henne in der Zuchtbox, bis die Jungen selbstständig geworden sind. Manchmal macht es jedoch Sinn auch in diesem Fall die Henne zu entfernen, da der Hahn dann besser die Jungen versorgt. Eine erzwungene Unterbrechung der Eiablage, kann zu Erkrankungen der weiblichen Fortpflanzungsorgane (Eileiterentzündung usw.) führen. Deswegen entferne ich schon frühzeitig den Nistkasten und unterbinde damit, das die Henne sich für eine weitere Eiablage vorbereitet.
Manchmal ist es erforderlich den Hahn oder die Henne zu entfernen, weil sie trotz der geschilderten Maßnahme die Jungen weiter attackieren. Damit die Jungen schneller selbstständig werden können, stelle ich zusätzlich zu dem Aufzuchtfutter eine Schale mit Körnerfutter auf. (Das Körnerfutter wird in meinen Zuchtboxen normalerweise in Futterspendern gereicht, an welche die Jungen nicht so einfach herankommen.) Wenn ich erkenne, dass die Jungen sich selbständig ernähren können, setze ich sie in eine speziell vorbereitete Doppelzuchtbox. In eine so genannte Absetzbox, Bild Nr. 9.
 

 

Bild Nr. 9
Diese Absetzbox habe ich mit zusätzlichen tief angeordneten Sitzstangen versehen um den Jungvögeln dass auf der Stange sitzen zu erleichtern. Bevor ich die ersten Junge einsetze, setze ich einen alten Hahn in die Absetzbox. Er zeigt den Jungen, wo sie das Futter und Wasser finden können. Manchmal werden stark bettelnde Junge von ihm auch gefüttert. Futter in einem Futtervorratsbehälter und in offenen Schalen sollte reichlich vorhanden sein. Wasser ist sehr wichtig für die jungen Wellensittiche. Deswegen habe ich Trinkröhrchen in der oberen und unteren Sitzstangenreihe angeordnet, damit es von ihnen einfach zu erreichen ist. Jedes Junge, dass ich in diese Absetzbox setze tauche ich mit dem Schnabel in den Trinknapf. Das hilft ihnen, zu erkennen, wo und wie Wasser zu erreichen ist. Es ist ratsam diesen Vorgang öfters zu wiederholen.

Wenn junge Wellensittiche nicht trinken kann das schnell zum Tode führen. Frisch abgesetzten Jungen sollte abends der Kropf kontrolliert werden. Ist er leer muss der Jungvogel noch mal zu seinen Eltern zurück gesetzt werden. Zum Glück füttern sich die Jungen auch untereinander, so dass man nur selten einen Jungen wieder zurück setzen muss. Werden die zurückgesetzten Junge von ihren Eltern nicht mehr angenommen, bleibt keine andere Möglichkeit, als diese Jungen mit einer Spritze zu füttern. Am günstigsten ist es, wenn man sich eine 20 ml große Spritze aus der Apotheke besorgt, diese mit einem Ventilgummi versieht und mit Futter füllt. Zum Füttern wird das Ventilgummi durch den Schnabel in den Kropf des Jungvogels eingeführt. Dann kann das Futter durch vorsichtiges drücken, in dem Kropf platziert werden. Der Fachhandel bietet entsprechend geeignetes Futter an. Man sollte sich vor Zuchtbeginn mit einer kleinen Menge versorgen. Um für alle Fälle gerüstet zu sein. Ich halte nichts davon, Junge die von einem Paar normal gefüttert werden auch noch zusätzlich mit einer Spritze zu füttern. Die Jungen werden zu phlegmatisch, sie betteln dann nicht mehr stark genug nach Futter. Was das Elternpaar aus ihrem Futterrittmuss bringt.
Meine Absetzboxen haben eine Länge von 125 cm. Sie werden mit etwa 20 Jungen besetzt. Bei Beobachtungen habe ich festgestellt, dass Junge Wellensittiche es lieben eng beieinander zu sitzen und miteinander zu spielen. Sie fühlen sich sichtlich wohl, wenn sie eng beieinander sind. Deswegen habe ich für mich die relativ große Jungvogelzahl für eine Absetzbox festgelegt und damit gute Erfahrungen gemacht. Die bei vielen Züchter zu sehende zerstoßene Schwänze und Schwungfederspitzen der Jungvögel, kommen bei mir kaum vor. An die Absetzbox habe ich zum Träning für spätere Ausstellungen, einen Ausstellungskäfig angehängt. Er ist so präpariert, dass er von der Zuchtbox für die Jungvögel erreichbar ist und von Außen von mir das Futter eingebracht werden kann. Siehe Bilder Nr. 9 und
Nr. 10. In diesen Käfig füttere ich Kolbenhirse, kleine gesteifte Sonnenblumenkerne und auch Körnerfutter. Diese Ausstellungskäfige tragen erheblich dazu bei, dass sich meine Wellensittiche auf späteren Ausstellungen ohne Stress bewegen.

Was kann man tun, wenn Junge von ihren Eltern nicht mehr gefüttert werden?
Es kommt auch bei mir manchmal vor, dass ein Paar ihre Jungen nicht mehr füttern will. Ein erstes Anzeichen dafür ist gegeben, wenn das Aufzuchtfutter nicht mehr in gewohnter Art aufgenommen wird. Es wird weniger gefressen. Ich habe in einem solchen Fall gute Erfahrungen gemacht, indem ich dann die Henne entfernt und für etwa 14 Tage in den Flug gegeben habe. (Will man die Henne noch für eine weitere Brut nutzen, hat das für sie gleichzeitig den Vorteil, dass sie sich für die nächste Runde noch etwas regenerieren kann.) Der Hahn wird durch die Henne nicht mehr abgelenkt und kümmert sich wieder um die Jungen. Bis zu etwa 4 Jungen ist das für ihn ohne Problem zu bewältigen. Er braucht ja auch in dieser Zeit die Henne nicht mehr zu füttern. Normalerweise füttere ich in den Zuchtboxen in Futterspendern. Etwa zwei Wochen vor dem Ausfliegen gebe ich Kolbenhirsestücke in den Nistkasten. Daran beginnen die Jungen zu fressen. Nach dem die Jungen den Nistkasten verlassen haben, stelle ich eine offene Schale mit zusätzlichem Futter in die Zuchtbox. Der Hahn füttert weiter und zeigt den Jungen wie sie fressen sollen. Die Ursache für das Verhalten eines Zuchtpaares ihre Jungen, nicht durchgehend ausreichend zu füttern, ist oft auf eine falsche Vorbereitung auf die Brut zurück zu führen.


Umsetzen der Jungen in den Jungvogelflug.

Wen meine Jungvögel mit der Kopfmauser beginnen, das geschieht etwa mit einem Alter von 2,5 Monaten, setze ich sie von der Absetzbox Bild Nr. 9 in den Jungvogelflug Bild Nr. 10. Wichtig ist speziell in dieser Zeit, wo, wie und welches Futter angeboten wird und das ihnen die Möglichkeit für viel Bewegung gegeben wird. Meine Jungen Wellensittiche erhalten ihr Futter auf dem Käfigboden. Wie die Futternäpfe angeordnet sind, ist in Bild Nr. 11 zu sehen. Diese Anordnung zwingt sie zu den Sitzstangen hinauf und zu den Futternäpfen herab zu fliegen. Ein Bewegungsrad animiert sie zu weiteren Flugaktionen. Bewegung ist in der Wachstumsfase besonders wichtig. Sie fördert die Muskelbildung, eine korrekte Haltung und allgemein die Widerstandskraft. Auch erfolgt die Jugendmauser schneller. Bei Wellensittichen, die in geschlossenen Räumen gehalten werden, spielt das Geburtsdatum für ihre Entwicklung keine große Rolle. Die zum Jahresende geborenen, mausern und wachsen etwa in dem gleichen Zeitraum heran, wie die im Frühjahr geborenen. Sie haben mit etwa 6,5 Monaten ihre Jugendmauser abgeschlossen. Frühestens mit etwa 9 Monaten haben sie Ihre endgültigen Körpermaße erreicht. So genannte Spätentwickler brauchen allerdings über 12 Monate um ganz ausgewachsen zu sein. Wegen der Mauser ist es erforderlich, dass sie nahrhaftes Futter erhalten. Als Futter erhalten meine jungen Wellensittiche neben der normalen Körnermischung, welche ich das ganze Jahr über füttere, Geschälten- oder Nackthafer, kleine gestreifte Sonnenblumenkerne, das mit Aufzuchtfutter überstreute Keimfutter, rote Mineralien, Futterkalk, viel Grit in einer großen Schale und die Überreste aus den Zuchtboxen, der in der Zucht nicht aufgefressenen Mineralpicksteine. Darüber hinaus erhalten sie auch noch Vitamine über das Trinkwasser. Mit einem auf dem Boden angeordnetem Baumstumpf beschäftigen sich besonders die jungen Weibchen. Das verhindert auch ein starkes Benagen der Voliere.
Nach dem Umsetzen in den Jungvogelflug beginnt für mich die schönste und spannendste Zeit der Zuchtsaison. Jetzt geben sich die Jungvögel, die im Nistkasten gut waren wieder zu erkennen. Leider stellt man in dieser Zeit auch fest, dass einige Opaline mit den besten Schauqualitäten, wegen ihrer schmutzigen Köpfe und Mäntel, dem Ideal nicht entsprechen. Kurz nach dem Beginn der Kopfmauser, mausert auch das Maskengefieder. Jetzt kann man erkennen ob die gewünschten Ergebnisse auch erreicht wurden. Hat ein Wellensittich ein langes Kopfgefieder mit einer zur Seite und nach oben gerichteten Federwuchsrichtung, der richtigen Federqualität und eine tiefe Maske mit großen runden Kehltupfen, dann ist für mich schon ein erheblicher Teil meines Zuchtzieles erreicht. Ein Wellensittich ohne einen guten Kopf gepaart mit einer tiefen Maske mit großen runden Kehltupfen, kann bei der heutigen Konkurrenz auf den Schauen, nicht mehr gewinnen. Natürlich sind da noch einige andere Merkmale erforderlich, die einen guten Wellensittich ausmachen.

Es macht in dieser Zeit Spaß zu beobachten, wie sich die Jungvögel von Tag zu Tag verändern. Da es dem Zuchtende zugeht und deshalb die Anzahl der Zuchtpaare immer weniger werden, hat man auch mehr Zeit für diese Beobachtungen zur Verfügung.
Wie Ihnen bekannt ist, bin ich schon seit Jahren ein Verfechter und Anwender der kompensierten Linienzucht. Ich bin keineswegs der Ansicht einiger Autoren die schreiben, dass, wenn man 10% gute für Ausstellungen geeignete Wellensittiche in einem Zuchtjahr gezüchtet hat, zufrieden sein kann. Für diesen kleinen Anteil treibe ich nicht solch einen Aufwand. Nach meinen Erfahrungen kann und muss ein wesendlich größerer Anteil von guten Wellensittichen gezüchtet werden, wenn man sich intensiv bei der Zusammenstellung der Paare mit seinen Wellensittichen befasst. Nun bin ich nicht gerade ein fleißiger Aussteller. Mir macht das Ausstellen in den letzten Jahren nicht besonders viel Spaß. Wellensittiche züchte ich hauptsächlich für mich. Ich empfinde eine große Genugtuung, wenn ich gut gelungene Exemplare jeden Tag in meiner Zuchtanlage betrachten kann. Ich stelle normaler weise nur auf der Niederberg- Schau und auf der DSV- Bundesschau aus. Und das auch nur um meine Wellensittiche neben anderen beurteilen zu können. Nur bei einem echten Vergleich, kann man seine Wellensittiche richtig einschätzen. Ich denke, wenn man auf diesen Schauen Farbgruppensieger stellt, ist das schon eine Aussage für die Qualität die man gezüchtet hat. Zu einem Schausieger gehört neben besonders guten Wellensittichen auch eine Menge Glück. Wer schon länger dieses schöne Hobby betreibt, wird sich sicher erinnern, dass ich dieses Glück auch auf großen Schauen schon mal hatte.

Auf dem Bild Nr. 10 sind zur Zeit der Aufnahme noch verhältnismäßig wenige Jungvögel zu sehen.
(Der Jungvogelflug ist für maximal 110 Wellensittiche ausgelegt.) Das ändert sich natürlich mit fortschreitendem Zuchtverlauf. Doch selbst bei einem besonders guten Zuchtverlauf höre ich bei maximal 100 jungen Wellensittichen auf zu züchten. Damit ich nicht in Versuchung komme mehr zu züchten, bestelle ich jedes Jahr nur 100 Ringe.


Bild Nr. 10

 

 

Auf Bild Nr.10 sind auch zum Teil meine Absetzboxen mit den angehängten Träningskäfigen zusehen. Auf Bild Nr. 11 sieht man die Anordnung der Futternäpfe. Ein großer Napf für den Grit ist, weil er in einer Ecke angeordnet ist, leider nicht zu sehen. Darüber hinaus ist der Fußboden des Jungvogelfluges zu erkennen.

Bild Nr. 11

Hier wurden mit Kunststoff überzogene Platten 6 mm dick, auf 6 cm hohe Leisten genagelt, angeordnet. Die Abmessungen sind so gehalten, dass bei der Anordnung auf dem Boden ein Spalt vorhanden ist in welchem sich Federn und Schlauben sammeln können und die Platten leicht zu Händeln sind. Dadurch ist die Bodenoberfläche immer relativ sauber. Die Platten werden von mir einmal in der Woche mit einem Spachtel gesäubert. Das gleiche System verwende ich auch in meinem daneben liegenden Altvogelflug.

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