Artikel 20
Meine Erfahrungen in der Zucht von Lutinos
Hans-Jürgen H. Lenk DSV 749 (2003)

Lutinos sind eine Mutation, die schon eine Herausforderung für einen Züchter bedeuten, wenn sie für Ausstellungszwecke gezüchtet werden. Der Hauptgrund, warum ich anfing Lutinos zu züchten war, ich wollte die in meiner Zucht manchmal auftretenden Wellensittiche mit schmutzigen Köpfen, die ansonsten aber sehr gute Schauwellensittiche waren, züchterisch besser verwerten können. Dafür boten sich Lutinos an. Bei ihnen sind schmutzige Köpfe nicht zu sehen. Ich will aber nicht verschweigen, dass mir Lutinos auch gut gefallen.

Information über die ersten Lutinos.
Die ersten Lutinos wurden um 1870 bekannt. Sie sind also schon eine sehr frühe Mutation, verschwanden dann jedoch wieder, wahrscheinlich, weil man die Erbvorgänge nicht kannte. Zwischen 1930 und 1940 wurden dann aber ernsthaft Lutinos gezüchtet.

Wie Percy J. Norman im Dezember 1949 in der Englischen Verbandszeitung schreibt, gab es in der Anfangszeit der Lutinozucht eine rezessive und eine geschlechtsgebundene Mutation.
Wenn ein rezessiver Lutino und ein geschlechtsgebundener Lutino oder ein rezessiver Lutinos mit einem Normalen verpaart wurden, der Erbgang war zu der Zeit ja noch nicht bekannt, gab es zunächst große Verwirrung, weil aus visuellen Lutinos, fast nur normale Wellensittiche fielen. Man fand dann jedoch heraus, warum das so war. Es lag an der rezessiven Vererbung.
Da die Nachzuchten von den geschlechtsgebundenen Lutinos besser waren, wurde die Zucht auf diese Mutation konzentriert. Heute ist von den rezessiven Lutinos nichts mehr zu hören.

In der Zeit, als ich Herrn Herman Kern DSV Nr. 803 in seiner Farbwellensittichzucht behilflich war, züchteten wir aufgehellte Zimtfalben, die äußerlich von Lutinos nicht zu unterscheiden waren. Einige von ihnen hatten keinerlei Zeichnung. Verpaart unter einander, erzeugten sie Wellensittiche die im Erscheinungsbild wie ihre Eltern aussahen . Wenn ich heute darüber nachdenke, kommt mir die Idee, dass die damaligen rezessiven Lutinos vielleicht auch aufgehellte Zimtfalben waren.

Qualzuchten § 11 b Tierschutzgesetz
Dem BNA (Bundesverband für den fachgerechten Natur- und Artenschutz ) mit seinen angeschlossenen Wellensittichverbänden und einem Teil deren Mitgliedern ist es zu verdanken, das die so genanten Wellensittich- Inos von dem Makel der Qualzucht befreit wurden. Durch die kooperative Zusammenarbeit zwischen Züchtern und Wissenschaftlern wurde 1997 ein wichtiger Beitrag in der Grundlagenforschung für den Tierschutz geleistet.
An Hand von mikroskopisch- anatomischen Untersuchungen wurde nachgewiesen, dass bei den geschlechtsgebundenen Lutinos und Albinos, Melanin in den Augen vorhanden ist. Dadurch sind sie im wissenschaftlichen Sinn keine echten Albinos. Und es erklärt sich auch die Aussage vieler Züchter, dass sie keine Unterschiede im normalen Verhalten ihrer rotäugigen Inos zu den normal pigmentierten Wellensittichen feststellen konnten. Dies ergab sich auch aus einer von Dr. Thomas Bartels, Tierärztliche Hochschule Hannover, durch geführte Untersuchung. Es ist jetzt auch allgemeiner Wissensstand, dass Ino- Wellensittiche weder in der Zucht noch in der Haltung, Qualen erleiden müssen. Deshalb kann jeder Züchter Inos züchten ohne von Behörden bestraft oder von den so genannten Tierschützern als Tierquäler beschimpft zu werden.

Wie erklärt sich die Farbe bei den Lutinos?
Die Lutinos entstehen durch Fehlen des Ausfärbungs- Gens für das Melanin, das heißt, das Gen für Melanin ist vorhanden, das Melanin wird aber nicht ausgebildet, weil das dazu nötige Ausfärbungs- Gen fehlt. Dieses Ausfärbungs- Gen liegt offenbar auf den Geschlechtschromosomen, fehlt es, so haben wir Lutinos, eine Mutation, die den geschlechtsgebundenen Vererbungsgang hat.
Wir unterscheiden zwischen hellen und dunklen Farben, der Braunfaktor ist also vom Fehlen des Ausfärbungs- Gens nicht betroffen. Dasselbe gilt vom Farbstoff-Faktor, ist er vorhanden, ist der Wellensittich ein Lutino. Sein Auge ist rot, da auch das Auge nicht ausgefärbt wird und die Blutgefäße rot durchscheinen. Dasselbe gilt für die hellen Füße und rosa Nasenhaut der Hähne.
 

Vererbung
Alle Lutino- Mutationen vererben Geschlechtsgebunden. Bei der Keimzellenbildung eines Hahnes hat jede Keimzelle ein X- Chromosom.
Bei der Keimzellenbildung einer Henne hat eine Keimzelle ein X- Chromosom oder ein Y- Chromosom.

Die Buchstaben X und Y stehen für die Geschlechts- kennzeichnung. Der Buchstabe i steht für Ino. Allgemein hat ein Lutino- Hahn die Erbformel Xi Xi.
Allgemein hat eine Lutino- Henne die Erbformel Xi Y

Es kann keine Henne spalterbig in Lutino sein.

Für einen Lutino- Hahn ohne Dunkelfaktor schreibt man zum Beispiel die
Erbformel Xi Xi FF bb.
Für eine Lutino- Henne ohne Dunkelfaktor die
Erbformel Xi Y FF bb.

Wer Verpaarungsberechnungen durchführen will, der muss die vorstehende Erbformelart einsetzen. Wer ohne zu rechnen wissen will, wie seine Lutinos sich vererben, der kann das problemlos mit dem Bild Nr. 1 herausfinden.

Federstruktur

Unterschiede in der Federstruktur bewirken auch Schwankungen in der Farbe.
Feine, dünne Federn haben schwache Federäste mit komprimiertem, innerem Kern. Dies bewirkt ein intensives Gelb. Gröbere Federn mit dickeren Federästen und aufgelockertem Kern ein blasses Gelb. Darüber hinaus erhält man durch die Einkreuzung des Graufaktors ein stumpfes, glanzloses Gelb.

    Bild Nr. 1

Durch die Federstruktur wird auch das Aussehen stark beeinflusst. Es gibt wie bei allen anderen Mutationen auch hier die Buff- und Yellow- Wellensittiche.

Berechnungsbeispiel (mögliche Verpaarungsergebnisse)    

  YY YY     =    0% Buff =Yellow
  YY BY     =  25% Buff =Yellow/Medium
 
YY YB     =  25% Buff =Yellow/Medium
 
YY BB    =   50% Buff = Medium
 
YB YB    =   50% Buff = Medium
 
YY BB    =   50% Buff = Medium
 
BB YB    =   75% Buff = Medium / Buff
 
YB BB    =   75% Buff = Medium / Buff
  BB BB    = 100% Buff

      

            Bild Nr. 2

 

 

 

   Y Y  Y B  B B
 Y Y  YY YY  YY YB  YY BB
 Y B  YY YB  YB YB  YB BB
 B B  YY BB  BB YB  BB BB

Die Vererbung der Federstruktur kann man aus Bild Nr. 2 ersehen.
Wenn ein Lutino eine verwaschene Farbe hat, kommt das nicht durch die Federstruktur.
Je gröber die Federstruktur ist, je größer wirkt der entsprechende Vogel. Für Ausstellungszwecke sind die Vögel, die zwischen Buff und Yellow im Gefieder sind, am geeigneten, da die anderen sehr schlecht in Ausstellungskondition zu bringen sind und speziell bei den Lutinos sie keine leuchtende Farbe haben.
Als Ausstellungswellensittich hat der Lutino eine ganze Reihe von Vorteilen. Er braucht nicht frisiert zu werden, kann nicht kurz vor dem Richten einen oder mehrere Kehltupfen verlieren. Ob er große oder kleine Kehltupfen hat, ist nicht feststellbar. Die Maskentiefe kann man allerdings sehen. Auch hat er sichtbar keine Kopfflecken. Er verdeckt alle genannten Fehler. Da die meisten Lutinos heute in Innenflügen und Kellerräumen gehalten werden, wird er in einer vernünftig betriebenen Zucht auch nicht schmutzig. Ein Lutino muss aber doch ein glattes und überwiegend lückenloses Gefieder haben, um wirklich schön auszusehen.

Lutinos werden bei der DSV in der Farbgruppe 10 auf Bundesschauen ausgestellt.
Die Abkürzung für die Farbe lautet: Lut

Da bei den Lutinos besonders viele Punkte für die Farbe vergeben werden können, will ich den Standard (2002) der DSV zitieren und ihn den Standards anderer Verbände gegenüberstellen.

Wenn man die Farbbeschreibung der DSV mit der englischen Farbbeschreibung BS (März 1994) und der Farbbeschreibung AZ DWV (November 1999) vergleicht, so unterscheidet sich der BS- Standard durch die in den (-) Klammern stehenden Daten. Der AZ DWV- Standard entspricht bis auf Kleinigkeiten dem BS- Standard.

Farbbeschreibung der Lutino.
Körperfarbe und Maske:
Gelb (tief butterblumengelb) rein und frei von jedweder Zeichnung.
Zeichnung: keine
Nasenhaut: Fleischfarbig rosa bei Hähnen, braun bei Hennen
Augen: rot mit weißer Iris
Wangenflecken: weiß (silberweiß)
Schwungfedern: weiß (blass gelb überhaucht) AZ DWV mit gelblich überhauchten Rand
lange Schwanzfedern: weiß (blass gelb überhaucht)
Füße und Beine: Fleischfarbig rosa.

Punktebewertung:
Bei der Punktebewertung ist der Unterschied zwischen der BS und
DSV aus den in (-) Klammern stehenden Zahlen zu ersehen. In der dritten Reihe ist die Punktebewertung von der AZ DWV dargestellt.

35 (35) 45
 . Punkte für Kondition, Größe, Typ, Ausgewogenheit,
............... . Haltung und Flügelstellung
15 (25*) 20
.Punkte für Größe und Form des Kopfes
..                (einschließlich Maske und Kehltupfen)
10 ( -)
..Punkte für Maske und Kehltupfen
30 (40*) 35
..Punkte für Farbe (* Farbtiefe und Reinheit)
10 ( -)
..       Punkte für Farbschlagmerkmale und -zeichnung

* Die Punkte für Größe und Form des Kopfes und Maske und Kehltupfen
  . wurden bei der BS zusammengefasst.

Bild Nr. 3 .Standardbild  
  


Aus den beiden ersten Reihen ist ersichtlich, dass man mehr die Mutationstypischen Merkmale fördern will.
Wenn bei der DSV und bei der BS für Maske und Kehltupfen Punkte angegeben sind, sieht das etwas merkwürdig aus. Da ja Kehltupfen bei einem Lutino nicht zu sehen sind. Die Darstellung hat jedoch etwas mit dem Aufbau der Tabelle zu tun, welche für alle Mutationen gilt. Eine Maske ist aber zweifellos beim Lutino vorhanden. Sie hat auch einen großen Einfluss auf sein Erscheinungsbild.

Richten von Lutinos
Was das Richten anbelangt, so glaube ich, ist ein Preisrichter, der noch nie Lutinos gezüchtet hat und in seiner Voliere die verschiedenen möglichen Farbnuancen vergleichen konnte, etwas überfordert. Es ist gar nicht so einfach, wenn keine Vergleichmöglichkeit besteht zu entscheiden, was ein farblich sehr guter Lutino ist. Eines kann jedoch jeder feststellen und das ist die Reinheit der Farbe. In jedem Fall sollte ein Lutino zunächst wie ein "Normaler" gerichtet werden, was den Typ und seine sonstige Schauqualität anbelangt. Danach sollte man sich mit der Farbe beschäftigten und festlegen, welches Prädikat oder welchen Platz der Wellensittich verdient hat. Die Wertung speziell für Farbfehler ist sehr abhängig von dem geltenden Standard eines Verbandes.
 

Bild Nr. 4 1,0 Lutino
 

Für die Körpereigenschaften gibt es kaum gegenteilige Bewertungsrichtlinien bei den einzelnen Verbänden.
Bei dieser Gelegenheit muss auch festgestellt werden, dass besonders Mutationen, wie Lutinos, nur in einem sauberen und farblich korrekten Käfig richtig zur Geltung kommen. Es ist leider oft so, dass Lutino Spezialisten, die sich wirklich Mühe geben gute Lutinos zu züchten und sicher in ihrer Voliere eine große Menge gleichwertig gute Lutinos haben, auf Schauen von Züchtern besiegt werden, die ganz zufällig einen Lutino gezogen haben. Damit müssen aber sie leben.

Wie gut im Typ heute schon Lutinos sein können, ist aus dem Bild Nr. 4 zu erkennen.
Hier kann man auch die Tiefe der Maske sehen. Der Lutino würde sicher nicht so rassig aussehen, wenn die Maske höher angesetzt wäre. Die Farbe könnte jedoch noch etwas intensiver und leuchtender sein. Viel wichtiger ist jedoch, dass kein Grünschimmer auftritt und das ist bei diesem Lutino nicht der Fall. Die Farbe eines Lutinos wie in Bild Nr. 3 zu sehen, wird wohl nicht erreicht werden können.


Was muss ich bei der Zucht von Lutinos beachten?

Es ist für die Lutinozucht schädlich, wenn von so genannten Spezialisten Ratschläge für die Lutinozucht gegeben werden, die in vielen Fällen nicht förderlich sind, gute Lutinos zu züchten.
Wenn jemand behauptet, dass ein Lutino mit einem Graufaktor keine abgestumpfte Farbe hat, diese nur bei 2 Graufaktoren auftritt, dann kann er sicher eine Lutinofarbe nicht richtig beurteilen und kennt die Zusammenhänge nicht, die sich bei der Vererbung von Graufaktoren ergeben. Wenn ein Lutino graugrün verdeckt, hat er in jedem Fall, unabhängig ob er einzel- oder doppelfaktorig für Grau ist, eine abgestumpfte Farbe. Es ist, wenn man so will, sogar von Vorteil, Graugrüne mit Doppelfaktor zu verwenden, denn nur dann kann man sicher sein, dass die Lutinonachzucht keinen grünen Schimmer hat. Es fallen nur Graugrüne oder verdeckt Graugrüne, also Lutinos welche eine senfgraue Farbe haben, bei der ein Grünschimmer nicht auftreten kann. Dies ist aber vom Standard nicht gefragt.
Mit Graugrünen kann man nicht die Farbe verbessern, auch nicht mit Lutinos, die graugrün verdecken. Für die Schauqualitätsverbesserung ist das Einkreuzen von Graugrünen auch nicht erforderlich, da besser geeignete andere Farben mit mindestens gleicher Schauqualität auch zu haben sind. (z.B. grüne Wellensittiche mit schmutzigen Köpfen.) Theoretisch müssten Wellensittiche mit zwei Dunkelfaktoren die Farbintensität am besten beeinflussen. Es gibt da bei den Züchtern jedoch unterschiedliche Beobachtungen, was das Erscheinen des Grünschimmers anbelangt.
Wie Sie erkennen können, sind Graugrüne für eine überlegte und in die Zukunft geplante Zucht nicht die besten Partner für Lutinos. Sie sollten höchstens im Notfall einmal verwendet werden, wenn man keinen anderen Wellensittich hat um Körpereigenschaften zu verbessern.

Genau so falsch ist es, wenn behauptet wird, dass Opaline nicht geeignet sind, in Lutinos einzukreuzen. Mit der Begründung, dass sie deswegen nicht eingekreuzt werden sollen, weil die Grundfarbe gegenüber den Normalen, (was ja nicht unbedingt stimmen muss) aufgehellt ist. Gelbe, deren Grundfarbe mit Sicherheit heller als die der Opaline ist, werden jedoch als Einkreuzungspartner empfohlen.

Lutinos sind nach den Opalinen und den Australischen Schecken die dritte Mutation, die mich züchterisch besonders interessierte und ich auch immer noch züchte. Ich hatte in all den Jahren nur einen Lutino, der über Normale gezogen wurde, und der hatte sehr starke Geisterzeichnung. Alle anderen Lutinos von mir wurden, wenn ich nicht Lutino x Lutino- Verpaarungen durchgeführt habe, über Opaline und früher auch Gelbe gezüchtet. Dass die Ergebnisse dieser Verpaarungen gar nicht so schlecht waren, konnte man in früheren Jahren aus meinen Schauergebnissen in der Zeit von 1983 bis 1986 ersehen. Auf der DSV-Bundes 1986 erhielt ich mehrere Gold- Medaillen für Lutinos und stellte auch den besten Ino (Lutino) der Schau.
Auch auf heutigen Schauen erhalten meine Lutinos immer noch gute Bewertungen. Ich züchte zur Zeit jedoch nur mit maximal zwei Paaren im Jahr. Gerade soviel Junge um sie als Mutation zu erhalten. Natürlich versuche ich sie von Jahr zu Jahr zu verbessern, indem ich gute dunkelgrüne Opaline einpaare. Ein leichter Grünschimmer in der Grundfarbe bei den Lutinos aus diesen Verpaarungen, verliert sich bei der später Lutino mal Lutino Verpaarung.

Der beste Einkreuzungsvogel für die Farbverbesserung von Lutinos ist ein Lutino ohne Graufaktor.

Dies ist auch eine langjährige Erfahrung der englischen Lutino- Spezialistin, Miss Margery Kirkby- Mason. Sie wurde in England auch Lutino- Königin genannt. Sie hatte einen Stamm von Lutinos, der was die Farbe anbelangte einmalig auf der Welt war. Mit den körperlichen Qualitäten konnten sie jedoch in den letzten Jahren, dem Trend der bei den Normalen sich ergab, nicht mithalten. Leider hat sie Ihren Weltbekannten K41- Lutinostamm aus gesundheitlichen Gründen verkaufen müssen. Die Käuferin war eine Miss Hazel Treby, die hat es nicht geschafft den Stamm zu erhalten. Miss Margery Kirkby- Mason verstarb am 6. September 1993 mit einem Alter von 87 Jahren.
Ich lernte Miss Margery Kirkby- Mason auf einer Party anlässlich des "The Budgerigar Society Convention '90" in Scarborough vom 14 bis 17. Juni 1990, zu welcher ich von Barbara und Stan Moizer (zu der Zeit Convention Coordinators) eingeladen wurde, persönlich kennen. Es war eine sehr lustige und harmonische Party, die bis in die frühen Morgenstunden dauerte. Eine ganze Reihe bekannter englischer und Internationaler Züchter, nahmen daran teil und es wurde viel gefachsimpelt. Dabei hatte ich auch Gelegenheit mich mit Miss Margery Kirkby- Mason über Lutinos zu unterhalten.

Der zweitbeste Einkreuzungsvogel ist der Gelbe. Dann kommen Grüne in Normal oder nach meinen Erfahrungen besser in Opalin, mit oder ohne Dunkelfaktoren. Hier meinte allerdings Miss Margery Kirkby- Mason, dass sie keine Vögel mit Dunkelfaktoren verwendet, für mich nicht ganz verständlich wie sie dann den tiefen goldenen Ton in der Farbe ihrer Lutinos erreichen konnte.

In vielen Veröffentlichungen wird vor der Einkreuzung von Zimtern in Lutinos gewarnt. Man sagt, die Farbe wird schmutzig und die Lutinos erhalten eine Flügelzeichnung ähnlich der, der Lacewings. Das kann nach meiner Meinung nur bei einer Faktorenkoppelung dem so genannten "Crossing over" passieren. Ein "Crossing over" geschieht jedoch nur bei etwa bei 3% der Nachzuchten.

Hier sagte Miss Kirkby- Mason, dass sie Gelbe in ihre Lutinos einpaart, die fast keine Zeichnung haben, weil sie über Zimter gezogen sind. Solche Wellensittiche habe ich auch schon in meine Lutinos eingekreuzt ohne eine Verschlechterung der Farbe bei ihnen feststellen zu können. Was soll man also von den Aussagen halten? Bezogen auf normale Zimter kann ich die vorstehende Warnung weder bestätigen noch verneinen, da ich solche Verpaarungen noch nicht durch führen musste. Ich würde mich aber nicht scheuen, wenn ich einen von Typ hervorragenden Zimter für meine Lutinos übrig hätte, diesen auch zu nutzen. Er dürfte jedoch keinen Graufaktor haben.

Australische Schecken sollten auf keinen Fall in Lutinos eingekreuzt werden. Da alle Lutinos, die australische Schecken verdecken, gelbe Schwung- und Schwanzfedern haben. Dies entspricht nicht den meisten Standardbeschreibungen und wird auf Schauen mit Punktabzug bestraft.

Große Lutino- Züchter, wie der Engländer Ray Steele, welchen ich durch einen sehr guten Bekanten und hervorragenden Wellensittichzüchter, Herrn John Heald BS Nr. 2222 persönlich 1985 kennen lernte, haben einen Stamm Normale mit denen sie die Gelben verbessern, die sie dann zur Verbesserung ihrer Lutinos verwenden.

Ray Steele züchtete zu der Zeit etwa 400 Lutinos pro Jahr; das konnte er sicherlich nur mit einer großen Anzahl von Lutino x Lutino- Verpaarungen. Was zu der Zeit noch nicht alltäglich war. Heute ist er auch sehr durch seine Schaugewinne mit anderen Mutationen bekannt. Er züchtet jetzt bis zu 1000 Wellensittiche pro Jahr.

Australische Gelbgesichter einfaktorig, könnten auch eine Farbtiefenverbesserung der Körperfarbe bringen. Es kann allerdings auch hier passieren, dass die daraus fallenden Lutinos gelbe Schwingen erhalten. Da ich auch gute Australische Gelbgesichter besitze, habe ich mir in diesem Jahr vorgenommen, eine entsprechende Verpaarung durch zu führen um herauszufinden ob das stimmt. Mit einem einfaktorigen australischen gelbgesichtigen violetten Hahn den ich einsetzen will, steht ein Ergebnis leider frühestens erst in zwei Jahren zur Verfügung.

Wie Sie aus dem Vorhergesagten ersehen können, gehört ein gewisses "Know-how" dazu, Farbverbesserungen in der Lutinozucht zu erreichen. Es ist mit Sicherheit einfacher, den Typ zu verbessern, als die gewünschte tiefe goldgelbe Farbe ohne jeglichen Grünschimmer zu erreichen.
Trotzdem sollte man keine Verpaarung durchführen, die eine Verschlechterung im Typ bringt.

Da in der heutigen Zeit viele Lutinos gut durchgezüchtet sind, gibt es überhaupt keinen Grund, Lutinos miteinander zu verpaaren, wenn man die richtigen Vögel zur Verfügung hat.

Wir als Standardzüchter wollen ja nicht viele schlechte oder mittelmäßige, sondern soviel wie möglich
gute Lutinos züchten, auch wenn wir keine Lutino- Spezialisten sind.


Einige Lutinos aus meiner Zucht:

An den folgenden Bildern kann man erkennen, dass meine Lutinos schon ganz gut sind. Es
bleibt mir aber sicher noch ein gutes Stück Arbeit, sie auf den Qualitätsstand meiner anderen Wellensittiche zu bringen.
 

Bild Nr. 5
1,0 Lutino
Ring Nr. 032-01-749

Bild Nr. 6
0,1 Lutino, 2,5 Monate
Ring Nr. 036-02-749

Bild Nr. 7
0,1Lutino
Ring Nr. 049-05-749

Bild Nr. 8
1,0 Lutino
Ring Nr. 062-06-749

 

   
Bild Nr. 8
1,0 Lutino
Ring Nr. 037-07-749
Bild Nr. 9
1,0 Lutino
Ring Nr. 017-08-749 
   

 

Weitere Bilder von meinen Wellensittichen siehe auf den Seiten Zuchtvögel und Jungvögel

 

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