Artikel 21
Hybridzucht.
Hans
- Jürgen H. Lenk DSV 749 (neu überarbeitet 2003)
Ich habe
diesen Beitrag für uns Wellensittichzüchter zusammengestellt,
um das Hybridsystem allgemein bekannt zu machen. Es wird viel
darüber gesprochen, doch die Wenigsten wissen, wie es sich
auswirkt. Ich möchte schon zu Beginn betonen, dass das Hybridzuchtsystem
für einen normalen Wellensittichzüchter nicht zu empfehlen
ist. Nur wer sicher damit umgehen kann, begibt sich nicht in
die Gefahr seinen mühsam aufgebauten Wellensittichstamm
zu verlieren. In der Tiernutzzucht sind die über Hybridzucht
gezüchteten Tiere Endprodukte. Sie werden wegen der starken
Mischerbigkeit nicht mehr zur Zucht weiter verwendet. Manchmal
ergibt sich durch Zukauf von Wellensittichen für einen Linienzüchter
jedoch auch eine Paarzusammenstellung, welche einer Hybridzucht
ähnlich ist und zu ungewollten Ergebnissen führt. Damit
das beurteilt werden kann, sollte man über die Wirkungsweise
der Hybridzucht informiert sein. Hybridzucht kann also nicht
unser Ziel sein. Sie ist auch eine teure Angelegenheit. Man muss
entweder mehrere, mindestens zwei Inzuchtstämme aufbauen
und funktionsfähig behalten, oder die für dieses Zuchtsystem
geeignete Wellensittiche bei anderen Züchtern kaufen.
Zuchtmethoden
Züchten bedeutet nicht nur vermehren, sondern unter einzelnen
Individuen einer Rasse auszuwählen, um wünschenswerte
Merkmale und Eigenschaften von den Eltern auf die Nachkommenschaft
zu übertragen.
Die Tierzucht bedient sich heute weitgehend Methoden, deren Anwendung
noch vor Kurzem ausschließlich in der Pflanzenzucht möglich
erschien. Langjährige und zielstrebige Zuchtarbeit in riesig
großen amerikanischen Geflügelzuchtbetrieben hat es
ermöglicht, ausgehend von der bekannten, alt bewährten
Reinzucht über Linienzucht / Inzucht und Kreuzungszucht
hinweg, zur Hybridzucht zu gelangen.
Reinzucht
Unter Reinzucht in der praktischen Tierzucht versteht man die
Paarung von Individuen, die sich dem Aufbau der Gene nach sehr
nahe stehen, zumindest aber ein- und derselben Rasse / Mutation
angehören. So kann unter Reinzucht auch Rassenzucht / Mutationszucht
verstanden werden, wobei die Gemeinsamkeit durch so genannte
Rassen-, Mutationsmerkmale gekennzeichnet wird. Im Reinzuchtverfahren
wird die Züchtung innerhalb der Rasse / Mutation auf bestimmte
Einzeleigenschaften ausgerichtet, die in reinerbiger (homozygoter)
Form zu erreichen angestrebt werden, während alle übrigen
Anlagen in mischerbigem (heterozygotem) Zustand nebeneinander
bestehen können. Eine Reihe von Arbeitsprogrammen, wie Massen-,
und Individualauslese, Selektion einzelner Tiere aus großer
Population und das Zusammenstellen einzelner Zuchtstämme,
kennzeichnet die Reinzucht. Gezielte Leistungssteigerungen konnten
aber durch diese nur auf Reinzucht abgestimmte Methode nicht
mehr erzielt werden, so begann man andere Zuchtmethoden zu versuchen.
Linien-,
und Hybridzucht
Die Linienzucht, manche nennen es auch Inzucht ist beim Wellensittich
auf die Herauszüchtung der Eigenschaften wie Gesundheit,
Kopfform, Größe, Haltung, Farbe, Zeichnung, Befruchtungsfähigkeit,
Brutfähigkeit und Schauverhalten ausgerichtet. Je weniger
Eigenschaften gleichzeitig in ein Zuchtprogramm aufgenommen werden,
umso besser ist zu übersehen ob der Züchter das erstrebte
Ziel erreicht. Es ist deswegen ratsam das Endziel in mehreren
Stufen an zu streben.
Hervorragende
Erfolge durch beträchtliche Steigerung der Erträge
bei der Kreuzung selektierter Inzuchtlinien auf dem Gebiet der
Maiszucht gaben in Amerika Anreiz, sich auch beim Geflügel
diesem Zuchtverfahren zu bedienen. So ging man daran, durch Kreuzung
von Inzuchtlinien ein Hybridhuhn zu schaffen, welches in seinen
Leistungen die Ausgangsstämme weit zu übertreffen imstande
war.
Die Vorbedingung für diese Zuchtarbeit war damals und ist
auch heute noch der Aufbau einer entsprechend großer Anzahl
von Inzuchtlinien aus reinrassigen Stämmen mit hoher Schlupffähigkeit
und Lebenskraft. Innerhalb der Inzuchtgeneration, müssen
alle Individuen, bei welchen sich ein Rückgang in der Leistungsfähigkeit,
Formausbildung und Vitalität bemerkbar macht, rücksichtslos
ausgemerzt werden.
Bei uns Wellensittichzüchtern
bedeutet das bei allen Zuchtsystemen, dass solche Wellensittiche
nicht zur Zucht verwendet werden sollten.
Die Intensität
der Inzucht hängt nämlich nicht allein vom Grad der
Verwandtschaft, sondern weitaus mehr von der Zeit, wie lange
derartige Paarungen vorgenommen werden, ab. Je länger Inzucht
betrieben wird, desto höher steigen erfahrungsmäßig
die Mängel und Ausfallserscheinungen. Durch die zuchtmäßige
Eingrenzung der Erbmassenvielfalt kommen sowohl positive als
auch negative Eigenschaften zu Tage.
Als Inzuchtlinie darf aber erst jener Stamm bezeichnet werden,
der mindestens drei Generationen lang in Geschwisterpaarung gehalten
wurde. Nur mit reinerbigem, auserlesenem Tiermaterial darf weiter
gezüchtet werden.
Hat man einmal die Inzuchtlinien erreicht, so ist der nächste
Schritt in der Hybridzucht, jenen optimalen Passeffekt herauszufinden
und zu nützen, der in der Lage ist, den erwarteten Heterosäeffekt,
das florieren der Bastarde, voll zur Entfaltung zu bringen. Durch
die Kombination von Inzuchtlinien gleicher oder verschiedener
Stämme jedoch weitgehend homozygoter Gruppen werden je nach
dem Ausgangsmaterial Inzuchtrassen oder Linienzuchthybriden erzielt.
Wie uns bekannt,
hat diese Zuchtmethode auch bei einigen Wellenzüchter große
Erfolge gebracht. Da sich der Heterosäeffekt nicht nur auf
die Leistung, sondern auch auf das äußere Erscheinungsbild,
der Körperform, auswirkt. Leider waren diese Superwellensittiche
Endprodukte einer Linie und deshalb für einen weiteren Zuchteinsatz
nicht mehr geeignet. Solche Wellensittiche konnten also ohne
Konkurrenz befürchten zu müssen, verkauft werden.
Meister auf diesem Gebiet scheint der weltbekannte englische
Züchter Harry Bryan gewesen zu sein. Der hatte neben der
Fähigkeit Wellensittiche zuchtmäßig zu beurteilen,
sicher auch das nötige Geld diese aus entsprechenden Zuchten
zu kaufen um sie im Sinne des Hybridzuchtsystems zu verpaaren.
Derartige Tiere zeigen hohe biologische Aktivität, die sich
in gesteigerter Lebenskraft, in spezifisch hohem Leistungsvermögen
und besonderem Wachstum äußert.
Für das Zustandekommen dieses Heterosimseffektes gibt es
bis heute noch keine definitive Erklärung wissenschaftlicher
Art. Von Bedeutung ist es jedoch, dass es mit Hilfe der Blutgruppenforschung
gelungen ist, Tiere, die einen geeigneten Paarungseffekt zeigen,
durch Blutgruppenbestimmung festzustellen, wodurch langwierige
Testkreuzungen erspart werden können.
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Bild Nr.
1
Bildschema von einer Hybrid-, Linie, erstes Inzucht-Hybrid-System.
Hybridzuchtsystem
Nach mehreren Jahren engster Inzucht, um zu so genannten reinerbigen
Linien zu gelangen. Kreuzt man nach Durchführung entsprechender
Testungen zwei dieser reinen Linien und erhält die so genannte
"Einfache Kreuzung" (Single Cross)
Die aus dieser Kreuzung hervorgegangenen Endtiere sind zur Weiterzucht
nicht mehr geeignet.
Ein Zuchtsystem
welches bei Mais und Hühnern angewendet werden kann, funktioniert
auch mit Wellensittichen. |
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