Artikel 24
Neues von meinen Anthrazitwellensittichen
Hans - Jürgen H. Lenk DSV 749 (2003)

In diesem Jahr war ich in meiner Zucht und Schauvorbereitung, wegen Umbauarbeiten im Haus (Wärmedämmung, auch in meinem Zuchtraum) sehr stark behindert. Ich musste sehr früh mit der Zucht aufhören, da die Arbeiten zu einer bestimmten Zeit beginnen sollten. So konnte ich deshalb auch nicht alle Paare ansetzen, von denen ich in diesem Jahr gerne Nachzucht gehabt hätte. Trotzdem habe ich aber einige Junge gezogen, die ich für den Bestand meines Stammes gut gebrauchen kann. Wie sich später leider heraus stellte, gab es eine große Terminverzögerung, ich hätte meine Zucht also in der gewohnten Weise durchführen können. Jetzt fallen die Arbeiten in meinen Zuchtraum später an, was mich auch hindert, an der diesjährigen Ausstellungssaison teilzunehmen. Nächstes Jahr kann hoffentlich alles wieder normal verlaufen.

Nicht erwartete Farbe bei den Anthrazit
Bezogen auf die Vererbung meiner Anthrazits, habe ich in diesem Jahr wieder etwas dazu gelernt.
Wie schon erwähnt, war ich in der Zucht dieses Jahr stark eingeschränkt. Das war auch der Grund warum ich nur ein Paar einsetzte, von denen Anthrazits zu erwarten waren. Es handelte sich um die folgende Verpaarung:

 1,0 Anthrazit x 0,1 Opalin dunkelgrün/ Anthrazit

Sehen Sie hierzu auch die Bilder Nr. 1 und 2, welche die Wellensittiche des genannten Paares darstellen.

Mit diesen Paar konnte ich zwei Bruten durchführen.

Es wurden  13 Eier gelegt.
................in 4 Eiern starben die Jungen ab
.................. 2 Junge wurden nicht gefüttert und starben                                    .so dass nur 7 Junge groß werden konnten.

.Sie hatten folgende Farben:
......................................Zwei waren .....0,1 graugrün
......................................Einer war eine 1,0 graugrün Bild Nr. 3
......................................Einer war eine 0,1 olivgrün Bild Nr. 4
......................................Einer war eine 0,1 dunkelgrün Bild Nr. 5
......................................Einer war ein ..1,0 Anthrazit
......................................Einer war ein ..1,0 dunkelblau

 

 

 

Bild Nr. 1 

 Bild Nr. 2

Da war eine Farbe aufgetaucht, mit der ich nicht gerechnet hatte. Ich meine die Graugrüne. Als bei den Jungen, den so genannten Graugrünen die Federn wuchsen, sah es noch am Anfang so aus, als würden sie alle Anthrazits werden. Doch je älter sie wurden, um so mehr glichen sie den Graugrünen. Wenn man sie richtig betrachtet, dann sind doch schon Unterschiede zu den normalen Graugrünen vorhanden. Die Wangenflecke und die Körperfarbe sehen etwas anders aus. Die Wangenflecke sind etwas stumpfer in der Farbe. Die Körperfarbe hat einen grün glänzenden Überhauch.

 

 

Leider ist das auf den Bildern nicht so gut zu erkennen. Auch hatte ich diesmal erhebliche Schwierigkeiten, die Jungen zu fotografieren. Deswegen sehen sie nicht so gut aus. Durch den zu erwartenden Umbau in der Zuchtanlage habe ich mich nur sehr wenig um die Jungen kümmern können. Ich musste sie sofort nach dem sie Selbständig wurden, in den Flug setzen. Entsprechend wild sind sie jetzt. Die auf den Bildern abgebildeten jungen Wellensittiche sind alle aus der zweiten Brut und zur Zeit der Aufnahme etwa 2,5 Monate alt.

 Bild Nr. 3

Bild Nr. 4  

Bild Nr. 5  

 


Alle Nicht- Anthrazits (Spalt- Anthrazits) die ich bis jetzt gezüchtet habe, waren entweder dunkelblau, dunkelgrün oder grau und sicher spalterbig. Es gab auch einige Opaline darunter. Einen Opalin- Anthrazit habe ich bis jetzt aber noch nicht gezüchtet. Die Spalt- Anthrazits hatten alle eine etwas hellere Farbe. Sie sehen den Wellensittichen ohne Dunkelfaktor mit einem Violettfaktor, ähnlich. Auch hatte ich aus diesen Verpaarungen noch nie einen Olivgrünen (zwei Dunkelfaktoren) gezogen. Zu bemerken ist auch noch, dass alle Spalt- Anthrazit bessere Typwellensittiche nach der Mauser sind, als die Anthrazit. Was sehr deutlich an dem in Bild Nr. 6 dargestellten dunkelblauen Hahn/ Anthrazit zu erkennen ist. Auf dem Bild sieht er mehr als ein Hellblauer aus. In Natur steht er aber einem Dunkelblauen farblich näher. Nach meiner Vererbungstheorie (rezessiver Erbgang) müssten die in diesem Jahr erschienenden so genannten Graugrünen, die Grünreihe der Anthrazits sein. Wenn diese Annahme richtig ist, sollten bei einer Verpaarung eines der so genannten Anthrazitgrünen mit Anthrazit oder Spaltanthrazit in der Blaureihe, sofort wieder Anthrazitwellensittiche erscheinen. Das werde ich im nächsten Jahr überprüfen.

 Bild Nr. 6

 

Neues von meinen Anthrazits!
(01.2005)
Ich habe alle Verpaarungen mit den Anthrazit nicht zur Massenvermehrung zusammengestellt. Mein Interesse war und ist immer noch, diese Mutation Typmäßig zu verbessern, was mir zum Teil schon gut gelungen ist, wie Sie aus den folgenden Bildern Nr. 7 - 10 erkennen können und dabei auch heraus zu finden wie sie vererbt.

 

 

 

 

Bild Nr.7
1,0 (Anthrazit 1F, Grünreihe)
Graugrün
Ring Nr. 037-03-749
 

Bild Nr.8
1,0 (Anthrazit 2F, Grünreihe ) Olivgrün, 5 Monate
Ring Nr. 016-04-749

Bild Nr.9
0,1 Op Anthrazit 2 F
6,5 Monate
Ring Nr. 013-04-749

Bild Nr.10
0,1 Anthrazit 2F
4,5 Monate
Ring Nr. 039-04-749


Neue Erkenntnisse haben mich veranlasst, den vorstehenden Artikel zu ergänzen.
Diese Erkenntnisse ergaben sich aus den Verpaarungen in 2004 und der ersten Verpaarung 2005.
Bisher glaubte ich, dass der im Jahr 2003 erstmalig aufgetretene Graugrüne (Bild Nr. 7) die Grünreihe, der Anthrazit sei. Aus der Verpaarung 1 aus dem Jahr 2005 geht jedoch jetzt eindeutig hervor, dass der Graugrüne Hahn nicht die Grünreihe der Anthrazit sein kann. Er ist, und das ergibt sich auch aus den folgenden Verpaarungen (2004) 1 Faktorig in Anthrazit. Es scheint jetzt eher wahrscheinlich, dass der Olivgrüne (Bild Nr.8) die Grünreihe der Anthrazit ist.

Bestärkt wurde ich dafür auch durch die Gegebenheit, dass die so genannten Olivgrünen bei Sonneneinstrahlung auf dem Volierenboden farblich kaum von einem Anthrazit der Blaureihe zu unterscheiden sind. 

Besonderheit bei der Ausbildung der Federn von optisch sichtbaren Anthrazitwellensittichen.

 

Eine Besonderheit habe ich auch noch bei meinen Anthrazit feststellen können. Junge welche kurz nach dem Ausfliegen sichtbare Anthrazit sind (auch die so genannten Olivgrünen), haben bei der Ausbildung ihrer Federn (auch der Schwung-, und Schwanzfedern) eine abnormal lange Ummantelung, welche sich erst sehr späht öffnet.  

Dieses Phänomen ist auf den beiden nebenstehenden Bildern deutlich zu erkennen.


Bei dieser Besonderheit ergibt sich auch ein Hinweise, dass der so genannte Olivgrüne, die Grünreihe der Anthrazit ist.

Verpaarungen 2004
Verpaarung 1

 1,0 Anthrazit
 Ring Nr. 078- 00- 749
 

x 0,1 Olivgrün (Grünreihe Anthrazit?)
Ring Nr. 035- 03- 749

Junge:

 

 0,1 Anthrazit

Ring Nr. 016- 04 - 749

 1,0 Olivgrün (Grünreihe Anthrazit?)

Ring Nr.019- 04 - 749

Verpaarung 2  

 1,0 Dklblau / Anthrazit
 Ring Nr. 071- 00- 749

x Graugrün/ Anthrazit
Ring Nr. 035- 03- 749

Junge:

 

 0,1 Op Anthrazit

Ring Nr. 007- 04- 749

Verpaarung 3  

 1,0 Graugrün/ Anthrazit
 Ring Nr. 037- 03- 749

x 0,1Dklblau / Anthrazit
Ring Nr. 073- 00- 749

Junge:

 

 0,1 Dklblau / Anthrazit

Ring Nr. 014- 04- 749

 0,1 Grau / Anthrazit?  

Ring Nr. 036- 04- 749

 0,1 Op Dklgrün / Anthrazit

Ring Nr. 049- 04- 749

 0,1 Op Hellgrün / Anthrazit?

Ring Nr. 050- 04- 749

Verpaarung 4  

 1,0 Anthrazit
 Ring Nr. 030- 02- 749

x 0,1 Olivgrün (Grünreihe Anthrazit?)
Ring Nr.035- 03- 749

Junge:

 

 0,1 Anthrazit

Ring Nr. 039- 04- 749 

 1,0 Olivgrün (Grünreihe Anthrazit?)

Ring Nr. 041- 04- 749


Verpaarungen 2005

Verpaarung 1  

 1,0 Graugrün/ Anthrazit
 Ring Nr. 037- 03- 749

x 0,1 Op Anthrazit 
Ring Nr. 007- 04- 749

Junge:

 

 1,0 Dklgrün / Anthrazit 

Ring Nr. 009- 05- 749

 0,1 Hellgrün/ Anthrazit?

Ring Nr. 011- 05- 749

Eine neue Vererbungstheorie?
Schon seit längerer Zeit diskutieren Gerd Bleicher und ich über die mögliche Vererbung der Anthrazits. Er glaubt an eine andere Theorie als ich. (Vererbung über Faktoren).

Gerd Bleicher ist seit dem 09. 02. 2003 im Besitz
von drei 1,0  2F Anthrazits und einer 0,1  1 F Anthrazit- graugrün.
Er kann jetzt also selbst ihre Vererbungsmöglichkeit praktisch überprüfen.

Gerd Bleicher hat bei seinen Verpaarungen mit den
Anthrazits in der Folgezeit seine Theorie (Vererbung über Faktoren) bestätigt gefunden. Die Ergebnisse seiner durchgeführten Verpaarungen hat er in 4 Thesen wie folgt zusammengefasst:
These Nr. 1
Der Anthrazitfaktor ist ein eigenständiger Faktor. Als Einzelfaktor wirkt er ähnlich wie ein Dunkelfaktor und verändert die Körperfarbe von hellblau
nach dunkelblau.
These Nr. 2
Der Doppelfaktoranthrazit wird zum sichtbar anthrazitfarbigen Wellensittich.
These Nr. 3
Ein doppelfaktoriger Anthrazit ist dominant über Grau.
These Nr. 4
Der Anthrazitfaktor ist unabhängig vom Graufaktor.

 

 

 

 

 

 

 


Bild:

Gerd Bleicher
zu Besuch bei mir am Tage
(
09. 02. 2003) der Übernahme  der Anthrazit.

Mir erscheinen diese Thesen auch logisch. Da man etwas Ähnliches auch aus den von mir durchgeführten  Verpaarungen schließen kann. Wenn man jedoch das Zuchtergebnis (Verpaarung 1, 2005) betrachtet, passt die Op Hellgrün Henne / Anthrazit nicht in dieses Schema. Sicherlich wird es möglich sein in der Zukunft auch diese Unstimmigkeit auf zuklären.
Fest steht
schon Heute, dass sich ein Anthrazit auch über die Grünreihe vermehren lässt.

 

Der folgende Artikel wurde am 23. März 2006 in der Cage Birds einer in England wöchentlich erscheinende Vogelzeitschrift veröffentlicht.

FEATURE
German breeder makes a colour breakthrough

Anthracite budgerigars

MICK WATTON specialist in the rarer colour forms of budgerigars. Here he introduces the latest colour to be selectively bred: the intriguing anthracite 

 

Anthracite budgie: the darkest colour yet seen. Will it lead to new composite varieties ? 

 

 

(anderes Bild als im Originalartikel)

Bild:  1,0 Anthrazit

         Ring Nr. 010-08-749 

Hans - Jürgen H. Lenk

 

  
     LAST year, a photograph was published of a new colour of budgerigar that had been named the  anthracite. This is an excellent description of the darkest- ­coloured budgerigar I have ever seen; even darker than a violet grey.

     This brought back memories of the speculation that was raging 50 years ago about whether a black or near-black budgerigar would ever be bred. I remember one prominent author expressing confidence that it would, eventually, be done.

     Now the top German breeder, Hans­ - Jürgen H. Lenk, has proved him right. His keen eye spotted an unusually coloured youngster in one of his nests and selective breeding by him and his close associate Gerd Bleicher (the top budgerigar breeder from Berlin) established this new dark colour form.

    One can now envisage the mouth-watering prospect of new composite varieties being created from the anthracite - such as white wing anthracites, golden - faced anthracites and rainbow anthracites. All will be darker examples than have been seen before.

    There is even the prospect of anthracite albinos, carrying no lipochrome shading whatsoever, that would display the pure whiteness of the recessive white canary.

    Some newcomers may be wondering how these different colours occur. In an effort to explain simply, I will concentrate just on body plumage. To understand the structure of a feather it helps to compare it with a pine tree. The shaft of the feather is the equivalent of the trunk of the tree. The barbs are the branches ­growing out at intervals in a downward direction. Lastly, the barbules are like the side shoots from which cones grow. It is these barbules that carry the colour.

    A typical cross - section through a barbule would reveal an axial cell at its centre, containing melanin particles. Around this are grouped polygonal cells. There is then an outer layer contained by the sheath. The colour of any budgerigar is determined by variations in those basic parts.

    The difference between a green-series and blue-series budgerigar is that the outer layer of a green contains a yellow pigment that is missing from that of a blue.

    There is no blue pigment in a budgerigar's feathers. The appearance of blue is caused by a scattering of the short wave length components of ordinary white light. (This is known as Tyndall's phenomenon and is also responsible for the sky appearing to be blue.) It is this blue light passing through the yellow pigment that makes a green budgerigar appear to be green.

    The shape of the section through a barbule affects the colour that is perceived but, in the main, it is the thickness of the layer of polygonal cells that determines how dark a colour appears to be. I find it easier to understand if I imagine the polygonal cells being like small, broken pieces of glass. You do not get a clear image of what is behind them but, instead, a general impression of colour.

    The thinner the polygonal cells, the more clearly the dark melanin particles show through. This means that, in the blue series, the sky blue has the thickest layer and so appears lighter than a cobalt, which has a thinner layer, or a mauve which, until the appearance of the anthracite, had the thinnest layer of all. The claim to the thinnest polygonal cells has now passed to the anthracite.

    If anyone is thinking of trying to breed a new budgerigar mutation, I am afraid they can forget it. It is all down to pure chance - and several millions to one chance, at that. At about the time when there was speculation about black budgerigars, 50 or so years ago, there was a lot of publicity given to a prize that was being offered to the breeder of the first PINK budgerigar - one that had not been artificially coloured. Although a claim was made, it was not accepted.

   There can be no doubt that new mutations have been lost because of a lack of observation on the part of breeders. A different - Looking chick in a nest may be ignored by many. Then, one day, an observant breeder, such as Hans - Jürgen H. Lenk not only spots it, but does something about it.

 

Anthrazitverpaarungen mit anderen Mutationen  (05.2008)
Am 25.01.2006 kaufte Herr Gilbert Leenders aus Belgien bei mir ein Pärchen Anthrazit. Herr Leenders ist ein so genannter Farbenzüchter der weniger Wert auf Ausstellung - Qualität legt.

 

In der Zwischenzeit hat er eine ganze Reihe von Anthrazit nachgezogen und diese mit einer Reihe von anderen Mutationen wie A- Schecken, Spangle und Hellflügel  verpaart.

Er ist meines Wissend der Erste der das gemacht hat. 

Am 5.5.2008 schickte er mir von der Nachzucht, einige Bilder von den A- Schecken und Spangle. Leider ist von diesen Bildern nur ein Bild von den Spangle so gelungen, dass ich es hier zeigen kann. Es handelt sich um einen Anthrazit 2 Faktorien Spangle Hahn kurz nach dem Selbständigwerden. Dieser WS hat schon in seinem Nestgefieder eine schöne Farbe und eine sehr gute Spanglezeichnung. Wenn man wie ich weiß, das die Anthrazitfarbe erst nach der ersten Mauser richtig zur Geltung kommt, kann man sich vorstellen, wie schön so ein Wellensittich später aussehen kann.

Ich werde, wenn sich weitere Erkenntnisse ergeben, darüber berichten.

 

Die neuesten Informationen über den Stand der Zuchtergebnisse sind in Artikel 43  an gegeben.

 

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