Artikel 26
Systematischer Zuchtaufbau für einen Wellensittichstamm.
Hans - Jürgen H. Lenk DSV 749 (10. 2003)

In der heutigen Zeit klagen viele Standard- Wellensittichzüchter über eine nachlassende Fruchtbarkeit bei Ihren Wellensittichen. In den meisten Fällen sind sie daran nicht ganz unschuldig. Denn dieses Problem kann durch eine systematisch geplante Zucht von vornherein ausgeschlossen, zu mindestens eingeschränkt werden, wenn bei den Verpaarungen darauf Rücksicht genommen wird. Was ist eine systematisch geplante Zucht? Man kann eine systematisch geplante Zucht als solche bezeichnen, wenn sie nach einem System durch geführt wird. Fast alle Autoren beschreiben den Vorgang für den Aufbau eines Wellensittichstammes in Anlehnung des Einsatzes von einem Stammwellensittich. In ähnlicher Form, wie ich es auch in meinem Artikel "Aufbau eines Wellensittichzuchtstammes" getan habe. Nachzulesen auf meiner Homepage: Artikel Nr. 2, wo auch die Fruchtbarkeit als eines der Zuchtziele angegeben wird. Das ist sicherlich nicht falsch, sogar für verschiedene Zuchtziele nötig, zeigt aber nicht auf, wie der Genpool in einem Stamm angesiedelt ist, und welche Möglichkeiten man zur Bekämpfung, zum Beispiel der Unfruchtbarkeit, noch heran ziehen kann. Im Folgenden will ich erläutern was ich darunter verstehe.
 

Erstellung eines systematischen Zuchtprogramms.
Manchmal lese ich in Veröffentlichungen, dass eine Zucht von Standardwellensittichen nach einem System nicht möglich sei. Diese globale Aussage ist mit Sicherheit nicht zutreffend und widerspricht total meinen Erfahrungen. Natürlich kann man nicht alle theoretischen Erkenntnisse, welche zum Teil auch nur Hilfsinformationen sind, praktisch umsetzen. Auch spielen örtliche Verhältnisse und Natureinflüsse eine große Rolle, aber man kann ganz sicher Tendenzen festlegen durch welche eine Zucht positiv beeinflusst wird. Deswegen ist davon auszugehen, dass wer gute Standardwellensittiche züchten will, das nachhaltig nur über die Befolgung von systematisch erstellten Abläufen in der Zucht erreichen kann. Wobei eine gewisse Begabung für die Zucht zusätzlich immer erforderlich ist. Fruchtbarkeit zahlt sich nur dann aus, wenn sie im Ergebnis viele gute, gesunde Wellensittiche bringt die sich auch in den folgenden Generationen in guter Qualität reichlich vermehren. Zu einem erfolgreichen Zuchtsystem gehört natürlich auch eine korrekte Zuchtbuchführung, ohne die ein ernsthafter Züchter nicht auskommt. Eine Zuchtbuchführung von Hand ist möglich doch sehr arbeitsaufwendig, einfach zu bedienende Computerprogramme haben uns diesen Teil der Zucht erheblich vereinfacht und sollten, wo möglich auch genutzt werden.

Das ich mit der Nutzung von Systemen züchte, können Sie sich bestimmt vorstellen.
Damit Sie sich damit auch anfreunden können, möchte ich Sie jetzt mit einigen Gegebenheiten, Voraussetzungen und Zuchtzielen für einen systematischen Zuchtaufbau eines Wellensittichstammes bekannt machen.
Ganz pragmatisch habe ich die nach folgend aufgeführten Gegebenheiten als wichtig erkannt und in meiner Zucht zu erreichen versucht.
 

Vererbungsmodus
Eine Vererbung kann Additiv oder nicht Additiv (Heterosis) ablaufen.
 

 ° Kennzeichnung von Additiv ist das:

                                          Brutverhalten
                                          Aufzuchtverhalten
......................................... Wachstumsverhalten
..........................................Schauverhalten

 

 

 ° Kennzeichnung von nicht Additiv (Heterosis) ist die:
                                                                   Vitalität
...................................................................Fruchtbarkeit
...................................................................Lebenskraft
...................................................................Gesundheit
...................................................................Belastungsfähigkeit
...................................................................Regenerationsfähigkeit


Allgemein können durch richtig angewandte Linienzucht, gewünschte Eigenschaften mittels so genannter additiver Vererbung herausgezüchtet und gefestigt werden. Nicht Additive Eigenschaften können, wenn sie nicht besonders beachtet werden darunter leiden.
 

Kreuzungszucht im Hinblick auf eine Zuchtverbesserung.
Hat sich ein bestimmtes negatives Merkmal welches zu späht erkannt wurde in einem Stamm gefestigt, dann kann dieser Fehler nachhaltig nur durch eine spezielle Kreuzungszucht behoben werden. Für diese Kreuzungszucht benötigte Voraussetzungen sind:

° Abstammung der eingesetzten Wellensittiche aus einer verwandten, richtig angewandten Linienzucht.
° Ergänzung durch Einsatz von Wellensittichen bezüglich nicht additiver vererbten Eigenschaften.

Durch eine Einkreuzung wird im Rahmen der so genannten nicht additiven Vererbung die Vitalität schlagartig verbessert. (Heterosimseffekt) Die durch eine Linienzucht angehäuften positiven Eigenschaften können, bei entsprechender Zuchtplanung, in gewünschter Weise erhalten bleiben.

Additive Vererbung bedeutet hier, dass eine Wellensittichbrut bezüglich dieser vererbten Eigenschaft (Brutverhalten, Aufzuchtverhalten, Wachstumsverhalten, Schauverhalten) statistisch zwischen seinen Eltern liegen wird.

Nicht additive Vererbung in der die positive Heterosis entstehen kann, bedeutet hier dass eine Wellensittichbrut aus der Zucht zweier nicht verwandter Eltern bezüglich der Vitalität (auch anderer Eigenschaften) besser dasteht als seine Eltern. Die Heterosis ist um so größer, je weniger verwandt die Ausgangswellensittiche sind. Dieses Phänomen kann man mit der so genannten Hybridzucht erreichen. Mit diesem Zuchtsystem ist jedoch sehr vorsichtig um zu gehen. Weil normaler Weise damit nur Endprodukte erzeugt werden. Wer sich eingehender informieren will, was eine Hybridzucht ist, sollte sich den Artikel Nr. 21 auf meiner Homepage durchlesen. Ich will im Folgenden aufzeigen, auf welche Weise die Hybridzucht denn noch auch für unsere Zuchtziele genutzt werden kann.
 

Bei der Bewertung der Positionen muss, wie es für die gesamte Populationsgenetik gilt, klargestellt werden, dass die Zucht nach diesen Prinzipien nicht auf einen Spitzenwellensittich ausgerichtet sein wird, sondern eine Anhebung des Stammdurchschnittes zum Ziel hat. Im Folgenden habe ich meine Zuchtziele festgelegt. Diese beziehen sich wie schon mehrmals gesagt auf meinen gesamten Stamm.
 

Zuchtziele

 Allgemein: Fruchtbarkeit
                 Vitalität
.                Anhebung der Schauqualität
                 Schauverhalten

 

 Speziell: Typ, Haltung
.              Kopf, Maske, Größe
.              Federstruktur
               Mutationsbezogene Farbe
               Zeichnung


Zuchtziele sollten immer von Beginn an festliegen, mit dem Wissen, dass man die angestrebten Zuchtziele nicht alle auf einmal erreichen kann. Man muss bei den Verpaarungen jedoch darauf achten, dass mindestens eines verwirklicht werden kann. Alle Verpaarungen sollten so gestaltet werden, dass immer das wichtigste von den angestrebten Zielen abgearbeitet werden kann.
Wichtig bei der Festlegung der Zuchtziele ist auch das Wissen um die Tatsache, dass man nicht nur gute Einzelwellensittiche züchten kann, sondern auch eine Gruppe, die für die Vererbung einer bestimmten Veranlagung für den gesamten Stamm gut geeignet ist. Damit erreicht man eine gewisse Kontinuität, welche eine Voraussetzung für den Bestand von einer systematisch aufgebauten Zucht von Standardwellensittichen ist.
In meinem schon vorher genannten Artikel "Aufbau eines Wellensittichzuchtstammes" habe ich praktische Anwendungsmöglichkeiten für die Zucht von Einzelwellensittichen formuliert und angegeben wie man sie praktisch durchführen kann. Das bleibt immer noch gültig und ist für manche Zuchtvorgänge erforderlich. Hier kommt es mir jedoch darauf an, den Genpool eines Wellensittichstammes zu gestalten, aufzubauen und zu nutzen.

Variabilitätskurve
Eine Variabilität ist bei allen Zuchtsystemen vorhanden. Mit einer Variabilitätskurve (Bild Nr. 1), man kann sie auch Zufallskurve nennen, läst sich der Vorgang, der durch das rein zufällige Zusammenwirken von verschiedenen Faktoren, positiver und negativer Richtung gleichzeitig beeinflusst ist, als Ergebnis darstellen. Die gesetzmäßige Verteilung innerhalb gleich beschaffener Individuen, in unserem Fall Wellensittiche, beruht darauf, dass die gewünschten Eigenschaften nach dem Gesetz der mathematischen Wahrscheinlichkeit durch Einflüsse variiert werden. Mittelwert und Variabilitätsbreite kennzeichnen jede Variabilitätskurve.
 



      Bild Nr. 1

 Der Mittelwert (M) wird berechnet nach  M = Σ (p x V)
                                                                     n

 Hierbei bedeuten:
 n = Gesamtzahl aller Individuen, p = Frequenz jeder Variantenklasse, V = ihr absoluter Wert
 
 Die Steuerung (δ) ergibt sich aus  δ =
±  Σ p x α²
                                                                  n - 1
 Hierbei bedeutet:
 α = Abweichung der einzelnen Größenklassen vom Mittelwert


In einer Linienzucht ist die Variabilität wesentlich geringer als in einer Kreuzungszucht, weil ein großer Teil von unbrauchbaren und negativen Eigenschaften beim Aufbau einer Linie schon eliminiert werden konnte. Deshalb ist, wenn ein Züchter damit umgehen kann, eine Linienzucht immer zu empfehlen.

Was kann tatsächlich vererbt werden?
Der sich ergebende erbliche Mittelwert beinhaltet sichtbare und unsichtbare Anlagen. Diese Anlagen nennt man auch Erbeinheiten, Erbfaktoren oder Gene. Allgemein sind in den Genen die Ursachen zu sehen, die im Laufe der späteren Entwicklung eines Organismus rechtzeitig an einer bestimmten Stelle eine ganz bestimmte Eigenschaft zum Vorschein bringen. Das Wesen der Vererbung besteht darin, dass die Gene auf dem Wege über die Geschlechtszellen als Träger der Erbinformationen von Generationen zu Generationen weitergereicht werden. Das Vorhandensein der Gene allein genügt allerdings noch nicht, um das Zustandekommen eines Erbmerkmals zu gewährleisten. Die Anlagen sind zwar die Ursachen der Eigenschaftsbildung, aber zwischen Anlage und fertigem Merkmal liegt der weite Weg der Entwicklung. Auf diesem Weg greifen verschiedene Umstände ein, deren Einfluss ein Organismus ausgesetzt sein kann. Die Erbanlagen eröffnen die Entwicklungsmöglichkeiten, die Umwelt bestimmt, welche der Möglichkeiten verwirklicht wird. Die vorher behandelten Gene eines Organismus bezeichnet man als dessen Genotyp (Erbmasse, Erbgut, genetische Konstitution), die Gesamtheit seiner einzelnen Merkmale (Eigenschaften und Fähigkeiten), als sein Erscheinungsbild oder seinen Phänotyp. Der Genotyp wird vererbt, der Phänotyp ist abhängig vom Zusammenwirken von Genotyp und Umwelt. Zwei Organismen von gleichem Erbgut können, wenn sie in verschiedener Umwelt aufwachsen, zu recht unterschiedlichen Erscheinungsbildern heran wachsen.

Wie kann ich eine Zucht bezogen auf den Aufbau eines Wellensittichstammes konkret planen?
Nachdem wir einen kleinen Ausflug in die Theorie der Vererbung gemacht haben, wollen wir jetzt unser Wissen in der Praxis auch anwenden. Voraussetzung und selbstverständlich ist, dass wir für eine geplante Zucht unseren Standartwellensittichen optimale Lebensbedingungen schaffen und sie richtig vorbereiten.
Weil die Fruchtbarkeit die wichtigste Voraussetzung für den Bestand eines Wellensittichstammes ist, möchte ich den Vorgang wie ich die Wellensittiche verpaaren muss um ein gewünschtes Ergebnis zu erreichen, zunächst dafür erläutern. Für unsere Zuchtverbesserung müssen wir aus der bis jetzt erhaltenen Erkenntnis Wellensittiche einsetzen, welche einem bestimmten Genpool entstammen. Wir konnten auch erkennen, dass wir für bestimmte Gegebenheiten eine so genannte Kreuzungszucht durch führen müssen. Nach den bereits behandelten Möglichkeiten haben wir hier bei der Wahl der für die Zucht einzusetzenden Wellensittiche zwei Bereiche zu berücksichtigen.

Wir benötigen:

° Wellensittiche mit Abstammung aus einer nicht verwandten, richtig angewandten Linienzucht.
  Welche ergänzt werden durch den
° Einsatz von Wellensittiche mit Abstammung bezüglich Additiv vererbten Eigenschaften.

Es gibt nun viele mögliche Kombinationen, die man eingehen könnte. Wichtig ist es das Prinzip der für unsere Zwecke einzusetzenden Kreuzung zu erkennen und anzuwenden. Von erheblicher theoretischer Implikation ist deshalb die Frage, welchen Wellensittich ich aus der Linienzucht für die Kreuzung einsetze. Praktisch formuliert bedeutet dies, dass ich jeweils nur den auch nach äußerlichen Kriterien typischen Wellensittich einer Linie für die Kreuzungszucht auswählen werde.

Bild Nr. 2
Die in Bild Nr. 2 aufgezeigten Verpaarungsmöglichkeiten sollen das Verständnis etwas erleichtern. Deshalb wollen wir uns zunächst mit dieser Grafik etwas näher befassen.

Erläuterungen zu Bild Nr. 2
Die in dem Bild mit Buchstaben gekennzeichneten Kästchen sind bis auf E keine Einzelwellensittiche, sondern das Zuchtergebnis aus einer oder mehreren Brutsaisonen.
Grundlage aller dieser Verpaarungen sollte sein, dass zur Zucht nur Wellensittiche eingesetzt werden, die in zwei Bruten mindestens sechs Junge großgezogen haben. Diese sind dann auf ihre Qualität zu überprüfen. Dafür ist die Grundlage, mindestens 60% der Nachzucht muss den gestellten Anforderungen entsprechen. Das gilt für den Anfang, später können wir auch noch ehrgeiziger sein.

F1 bis F3
Sind Generationen aus einer Linie. Alle Wellensittiche wurden wie in meinem schon vorher genannten Artikel "Aufbau eines Wellensittichzuchtstammes" in kompensierter Linienzucht gezüchtet.
A und B
Sind das Ergebnis aus einer Verpaarung der kompensierten Linienzucht, zum Beispiel der Linien Nr. 1 und Nr. 2. Diese sollten nach Möglichkeit untereinander nicht oder nur geringfügig verwandt sein. Man kann natürlich auch mehrere davon bilden.
C
Ist das Ergebnis einer Verpaarung von zwei Wellensittichen aus je einer Linie, die blutsfremd über drei Generationen in kompensierter Linienzucht gezüchtet wurden. In unseren Fall könnte das eine Verpaarung der Linie Nr. 1 mit der Linie Nr. 2 sein. Bei derlei Verpaarungen entsteht ein Heterosimseffekt. Dieser kann genutzt werden um einen Trend von nachlassenden Eigenschaften, wie zum Beispiel Unfruchtbarkeit, umzukehren.
E
Bedeutet ein zugekaufter Wellensittich, ein so genannter Einkreuzungswellensittich, mit dem eine Verbesserung in den Stamm eingebracht werden soll.
F
Mit dieser Nachzucht kann man erkennen ob die gewollte Verbesserung erfolgt ist.
D
Ist das Ergebnis, das man als Zuchtziel erreichen wollte.
G
Entspricht einem neu aufgebauten Genpool, durch welchen erforderliche Verbesserungen in einen Stamm eingebracht werden können, beziehungsweise, wenn damit eine neue Linie aufgebaut wird, gefestigt werden können.

Kommen wir jetzt zu Beispielen von praktischen Verpaarungen:
Zu einem bestimmten Wellensittich aus einer Linie suche ich mir einen Partner nach Gesichtpunkten so aus, dass mein beabsichtigtes Zuchtziel erreicht werden kann. Allgemein, könnte das auch ein speziell dafür eingekaufter Wellensittich sein, einer der sich durch die bestimmte besondere Eigenschaft auszeichnet, die zur Verbesserung benötigt wird.

Muss ich die Fruchtbarkeitsrate in einem Stamm verbessern dann kann ich das auch erfolgreich Bewerkstellen in dem ich die Hybridzucht in Kombination mit dem Genpool eines Wellensittichstammes für dieses bestimmte Zuchtziel anwende. Wie sich das praktisch auswirkt, sollte aus der folgenden Beispielverpaarung Nr. 1 zu erkennen sein.

Bespielverpaarung Nr.1 (Verbesserung der Fruchtbarkeit)
Man muss immer darauf bedacht sein Wellensittiche so zu züchten, dass sich zumindest eine der Linien durch gute Fruchtbarkeit auszeichnet. Damit man in der Lage ist, seinen gesamten Stamm bezogen auf dieses Merkmal zu beeinflussen. Dann kann eine neue Linie aufgebaut werden, in dem in eine Linie in welcher die Nachzucht gering aus
fällt (weniger als 3 Junge pro Brut ist der Maßstab dafür) ein Wellensittich gepaart wird, welcher aus einer Linie oder aus einem Genpool stammt, bei der im Schnitt aus allen gelegten Eiern Junge schlüpfen die von ihren Eltern problemlos aufgezogen werden.

Das kann erreicht werden mit der Verpaarung:

  A oder B x G = verbesserte Fruchtbarkeit

Hat man versäumt die Fruchtbarkeit in einer Linie zu festigen. Dann kann das nachhaltig durch die vorher beschriebene Verpaarung oder durch den Einsatz eines Hybrid- Ws besonders wirkungsvoll unterstützt und korrigiert werden. Zur Züchtung eines Hybrid- Ws kann die folgende Verpaarung genutzt werden:

  A x B = C

Diese Verpaarung entspricht der Hybridzucht, wenn zwei nicht verwandte Linien eingesetzt werden. Mit ihr werden so genannte Bastarde gezüchtet, welche besonders bezogen auf Wuchs, Fruchtbarkeit und Widerstandskraft geprägt sind. Es können bei diesen Nachkommen aber auch andere Eigenschaften besonders gut ausgebildet sein. Unser Bestreben muss sein, die Wellensittiche aus der Nachzucht der vorher genannten Verpaarung heraus zu finden, die für eine Verbesserung der Fruchtbarkeit für uns nützlich sind. Eine Indikation dafür ergibt sich aus dem Folgenden:
Entstammt zum Beispiel ein Wellensittich aus einem Nest mit vielen Geschwistern der vorher genannten Verpaarung, kann davon ausgegangen werden, dass er eine gute Fruchtbarkeit auch vererbt.
Einen Fremd- WS können wir für dieses Zuchtziel schlecht einsetzen, da uns seine Vererbungsfähigkeit bezogen auf Fruchtbarkeit, nicht zweifelsfrei bekannt ist. (Ausnahme: Wir kennen einen Züchter, der uns die benötigte Eigenschaft glaubhaft bestätigt.)

Wollen wir eine andere Eigenschaft in unserem Stamm verbessern, zum Beispiel die Maske, dann müssen wir der Beispielverpaarung Nr. 2 folgen.

Bespielverpaarung Nr.2 (zum Beispiel Verbesserung der Masken)
In die Linie die eine Veranlagung für enge Masken mit schlechten Kehltupfen zeigt, sonst aber viele gute Eigenschaften hat, paare ich einen Wellensittich mit besonders tiefer Maske mit guten Kehltupfen. Das kann ein Wellensittich aus unserem Stamm (Genpool) oder ein Fremd- WS sein, da hier die mögliche Vererbung einer tiefen Maske offensichtlich ist.
.
Das kann erreicht werden mit den Verpaarungen: .
 A oder B x E oder C = F oder D, eine gewollte Verbesserung
 A
oder B x G = verbesserte Fruchtbarkeit,
 oder
 A x B = C mit der letzten Kombination erzeugen wir auch
Hybriden,
 mit denen wir nutzungsmäßig
. sehr. vorsichtig umgehen müssen.

Es kommt immer darauf an, dass man in der Linienzucht ein genügendes Fingerspitzengefühl entwickelt, um auf der einen Seite, durch Verwandtschaftsverpaarungen die positiven Eigenschaften der Ausgangswellensittiche zu erhalten und auf der anderen Seite die negativen Eigenschaften ausmerzt und mit nicht zu engen Verpaarungen die Inzuchtdepression nicht so stark werden lässt. Alle dem Zuchtziel nicht entsprechenden Wellensittiche müssen aussortiert werden. Das gilt für alle schlechten Eigenschaften, ganz besonders aber für eine schlechte Fruchtbarkeit. Was nützt einem Züchter ein Superwellensittich, den er in der Zucht nicht verwenden kann.

Mit der Verpaarung F x D = G, schaffe ich mir einen Genpool welchen ich für bestimmte Verbesserungen in der Zucht nutzen und mit welchem ich mir neue Linien aufbauen kann. Das können Linien sein, wo ein ganz bestimmtes Merkmal besonders gut in Erscheinung tritt, oder eine Kombination von sehr guten Eigenschaften angesiedelt ist.

Wichtig ist mir hier auf zu zeigen, dass Ergebnisse der jeweiligen Verpaarung nicht einzelne Superwellensittiche sind (sie sind sicher nicht ausgeschlossen), sondern dass eine systematische Zucht komplexe Familien mit einer Reihe überdurchschnittlicher Wellensittiche hervorbringt, welche ich für die Fortführung und zur Verbesserung meiner Zucht zu jeder Zeit nutzen kann.

zurück