Artikel 28
Feather duster, ein Alptraum für WS- Züchter,
Betrachtung der Zucht nach dem Tierschutzgesetz (§11 b)
Hans- Jürgen H. Lenk DSV 749 (1980 überarbeitet 08.2004)

Über Feather duster (eine Bezeichnung die von den Engländern übernommen wurde) wird in der heutigen Zeit weniger berichtet. In den 70 er Jahren sind sie häufiger aufgetreten. Die ersten Bilder über Feather duster habe ich in der englischen Zeitschrift Gage and Aviary Birds vom 4.7.74 gesehen. Hier wurden einige dieser Monster, gezüchtet von Frau A. M. Moss und Herrn A. Ormerod, vorgestellt. Die nächsten Bilder sah ich auf der DSV-Jahreshauptversammlung 1976 in Köln, später auch veröffentlicht in den DSV-Nachrichten Heft 5 / 76. Den ersten lebenden Feather duster, den ich sah, brachte der ehemalige DSV- Vorsitzende W. Remer zu einer Versammlung der O. G. Niederberg im Mai 1980 mit. Ich muss sagen, dass dieser, was die Form anbelangte, von denen, die ich bis dahin auf Bildern gesehen hatte, noch am ansprechendsten war. Der Vogel wird zu dieser Zeit etwa 6 Wochen alt gewesen sein und machte einen imposanten Eindruck. Wenn man jedoch selber solche Wellensittiche gezogen hat, bekommt man eine andere Einstellung zu ihnen, man realisiert, was ein Feather duster in Wirklichkeit ist: Eine krankhafte Variation unserer Wellensittiche.

Wie in jedem Zuchtjahr, so auch in diesem (1978), paarte ich nach dem normalen Zuchtende einige Paare an, bei denen ich mich über die Vererbung einiger Eigenschaften informieren wollte. Bei dem Paar, über das ich berichte, handelt es sich um eine hellgrüne Henne, spalt in blau, und einen hellgrauen Hahn einfaktorig spalt in Opalin und Zimt, vom Gefieder beides Medium- Vögel aus dem Zuchtjahr 1978. Die Henne legte 6 Eier, alle waren befruchtet. Da ich mit dieser Henne noch keine Zuchterfahrung hatte und unbedingt Junge von dem Paar haben wollte, legte ich 4 der Eier einer zuchterfahrenen Henne unter. Wie es das Schicksal wollte, spielte gerade bei diesem Gelege die sonst so verlässliche Henne verrückt und schmiss die Eier kurz vor dem Schlupf aus dem Kasten. Es blieben also nur noch 2 Eier übrig. Das erste Junge schlüpfte nach 19, das zweite nach 23 Tagen Brutzeit. Die Eier waren normal mit zwei Tagen Unterschied gelegt worden. Die Jungen wurden gut gefüttert und ich ärgerte mich, dass ich der Henne die 4 vorher erwähnten Eier weggenommen hatte. Erstaunt war ich über das schnelle Wachstum der Jungvögel, sie waren ohne Federn mit 10 Tagen schon genau so groß wie andere Jungvögel mit 19 Tagen. Nachdem der Flaum gewachsen war, stellte ich eines Abends fest, dass die Henne anfing zu rupfen. Ich wollte nicht abwarten, um festzustellen, ob die Henne nur den Flaum rupfte, wie es schon mal vorkommt und dann aufhört, oder weiter rupfte. Deshalb entfernte ich sie.
Ein Elternteil ist ohne weiteres in der Lage, 2 -3 Junge alleine aufzuziehen. Beim Hahn geht das natürlich erst von dem Zeitpunkt an, wo die Jungen keinen Kropfschleim mehr benötigen. Die Jungen wurden gut gefüttert und immer größer. Mit 5 Wochen waren sie, was die Kopfbreite und Schulterbreite anbelangt, wesentlich größer als der Hahn, der kein kleiner Vogel war. (Auf der DSV-Bundesschau 1979 erhielt er eine Goldmedaille.) Sie können sich vorstellen, dass ich über das Aussehen der Jungen sehr erfreut war und an einen zukünftigen Schauerfolg dachte. Ich hatte noch nie so gute Jungvögel gesehen. Einige Zuchtfreunde aus meiner damaligen Ortsgruppe, der O.G. Niederberg, sowie die Zuchtfreunde Bernd Alefelder (leider verstorben) und Günter Elfert, können wohl bestätigen, dass ich nicht übertreibe. Sie sahen diese Vögel, als sie 5 1/2 bzw. 6 1/2 Wochen alt waren. Einen graugrünen Hahn (Ähnlich dem Wellensittich zu sehen auf dem Bild Nr.2) und eine zimthellgrüne Henne. Spätere Messungen ergaben, dass der Hahn eine Kopfbreite von 32 mm (angelegtes Gefieder) und eine Schulterbreite von 83 mm hatte. Die Größe entsprach etwa der eines Nymphensittichs, nur etwas kürzer. Die Henne hatte eine Kopfbreite von 27 mm und eine Schulterbreite von 74 mm. Sie war auch etwas kleiner als der Hahn. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die Vögel bis auf ein etwas buffiges Gefieder und etwas zerzauste Schwungfedern normal.
Die zerzausten Schwungfedern erklärte ich mir aus folgender Beobachtung:
Ich sah, wie der Hahn versuchte, die Jungen an den Flügeln aus dem Nistkasten zu ziehen. Um einen größeren Schaden abzuwenden, entfernte ich den Nistkasten und setzte die Jungvögel auf den Käfigboden in die Zuchtbox. Das hatte zur Folge, dass der Hahn wie ein Irrer versuchte, die beiden Jungvögel zu treten. Nach einem Tag hatte er sich beruhigt und verhielt sich normal. Obwohl mir Bernd Alefelder gesagt hatte, dass die Möglichkeit besteht, dass es noch Feather duster werden könnten, war ich von dem Gegenteil überzeugt. Ich hatte gelesen und gehört, dass Feather duster mit einem Alter von 6 Wochen schon klar als solche zu erkennen sind. Meine hatten stark buffiges, aber doch nicht übernormales langes Gefieder. Der junge graugrüne Hahn hatte so starke Beine, dass man den WS- Ring kaum noch drehen konnte. Ich überlegte ernsthaft, ob ich den Ring abschneiden sollte. Nach 6 1/ 2 Wochen hörte der alte Hahn auf zu füttern. Da die beiden Jungvögel noch nicht gut alleine fraßen, setzte ich sie zu einer Henne, die mir als sozial bekannt war, sie fütterte ohne Probleme weiter. Mit 8 Wochen war immer noch kein besonderes starkes Wachstum der Federn festzustellen. Jetzt hätte ich sie fotografieren sollen. Doch mein Fotoapparat war noch mit meiner Familie im Urlaub und einen anderen konnte ich nicht bekommen.
Mit 8 1/2 Wochen fing das an, was ich nur als Alptraum eines WS- Züchters bezeichnen kann. Kopf- und Nackenfedern wuchsen so stark, dass die Vögel kaum noch sehen konnten. Kurz danach hörte die Ammenhenne auf zu füttern. Interessant ist auch, dass von diesem Zeitpunkt an die Jungen aufhörten, nach Futter zu betteln. Die bestimmt nicht kleine Ammenhenne wirkte wie ein Zwerg gegenüber den Jungvögeln. Damit sie besser fressen konnten, habe ich die Federn an den Augen beschnitten. Mit 10 Wochen hatte das Kleingefieder an Kopf und Nacken eine Länge von 10 - 15 mm. Die Deckfedern auf den Flügeln waren 20 - 30 mm lang. Die kürzeste Schwungfeder war 70 mm, die längste 102 mm lang. Die langen Schwanzfedern maßen 113 mm. Die Schwungfedern waren immer noch zerzaust. Meine Annahme, dass der Hahn dafür verantwortlich war, konnte also nicht stimmen. Die Vögel waren nicht in der Lage, zu fliegen. Sie waren stark abgemagert, es hatte den Anschein, dass sie Mühe hatten, zu fressen. Ansonsten waren sie sehr lebhaft. Sie liefen ziemlich hektisch auf dem Käfigboden umher. Die junge Henne war sehr aggressiv. Sie stürzte sofort auf die Hand zu, wenn man sie in den Käfig hielt. Abnormal war auch, dass beide Vögel nicht auf einem Finger oder einem Stab sitzen wollten, sie flatterten dann immer ziemlich kraftlos mit den Flügeln und wollten zurück auf den Boden. Beim Laufen hatten sie immer eine nach vorne gebückte Haltung. Mit 11 1/2 Wochen war deutlich zu erkennen, dass die Jungvögel am Kopf und Nacken Federn verloren. Das Gefieder war nicht länger geworden. Von Schönheit konnte man jetzt bei aller Liebe nicht mehr sprechen. Nach 12 1/2 Wochen starb der Hahn. Die Todesursache ist unbekannt. Die Henne habe ich am gleichen Tag noch getötet. Weil es so aussah, dass sie keinen Lebenswillen mehr hatte. Beide Vögel waren stark abgemagert.

 

Bild Nr. 1
Auf Bild Nr. 1 ist ein noch relativ harmlos aussehender Feather duster 1,0  Graugrün zu sehen

 

Bild Nr. 2
Normalerweise ist ein älterer Feather duster nur als ein Federknäuel zu erkennen. Meistens noch viel unförmlicher
als der 1,0 Hellgrüne auf Bild Nr.2.

 

 
 

 

Bild Nr. 3 links
Vorderansicht eines
Feather duster Spangle Hellblau
 

Bild Nr. 4 rechts
Hinteransicht 

Die Bilder  Nr. 3 und 4 entsprechen dem Aussehen
eines Featherdusters wie er üblicherweise vorkommt.

Der Feather duster auf den Bildern Nr.3 und 4 wurde nach Aussage seines Züchters Stephen Fowler mit einer speziellen Fütterung in einem separaten Käfig über 8 Monate alt. Er war nicht in der Lage auf einer Stange zu sitzen (Mehr Details sind in der Zeitschrift  Budgerigar World vom Juni 2007, Seite 4 und 5 angegeben.)

Über die Entstehung von Feather duster gibt es eine ganze Menge von Theorien.
Einige glauben, dass Feather duster aus einer zu engen Verwandtschaftszucht fallen. Das halte ich für falsch. Mein Paar war nur weitläufig verwandt.
Eine andere Theorie ist, dass die Vögel Feather duster werden, die einen Doppelfaktor für Buff haben. Wenn es so etwas geben sollte, so wäre es schon eher einleuchtend. Das Elternpaar meiner Feather duster waren sicher nur Medium- Vögel und keine starken Buffvögel.
Eine Theorie, die Herr  Radtke (leider verstorben) und (1986 auch Herr Stuber) vertritt ist: Feather duster sind die Mongoloiden der Wellensittiche. Sie entstehen durch eine abartig vermehrte Chromosomenerhöhung. Wenn ich das Heranwachsen und das Verhalten meiner Federduster mit dem Krankheitsbild von Mongoloiden vergleiche, so scheint mir etwas Wahres an dieser Theorie zu sein.
Mongoloide Menschen haben ein abnormales Aussehen, einen starken Körperbau, ein gestörtes Verhaften, keine normale Geschlechtsreife und einen frühen Tod.
Der älteste Feather duster den ein Züchter hatte, soll etwas mehr als ein Jahr alt geworden sein. Die meisten sterben jedoch viel früher. So interessant auch die Entstehung der Feather duster sein mag, ich werde das Paar, aus dem meine Federduster gefallen sind, auf keinen Fall wieder zusammenpaaren. Auch wenn meine Feather duster eine Zwischenform waren, möchte ich bewusst eine mit der Aufzucht dieser krankhaften Veränderung eines Wellensittichs bestehenden Nervenbelastung nicht mehr in kauf nehmen.

Informationen aus der neueren Zeit.
Was Sie bis jetzt gelesen haben, waren meine leitvollen eigenen Erfahrungen aus dem Jahr 1980, die ich mit der Zucht von Feather dusters machen musste. Gott sei Dank sind diese in der vergangenen Zeit nicht mehr häufig aufgetreten. Bis zu dem Zeitpunkt der ersten Feather duster in meiner Zucht, hatte ich mich nicht für sie interessiert und relativ wenig über diese Monster gehört. Eine spätere Verbandsvertretung der DSV beim BNA- Bundesverband für fachgerechten Natur- und Artenschutz e. V. in der Zeit von 1996 bis 1998 zwang mich jedoch wieder, mich mit diesem Albtraum für einen Wellensittichzüchter, näher zu befassen.

Nach dem Gutachtenentwurf -Tierschutz und Heimtierzucht'": Spezieller Teil "Vogelzucht" :
Fassung vom 30. 8.1996 soll die Zucht von Feather duster verboten werden. Wie damit umgegangen werden soll, ist aus der nachfolgenden Qualifizierung zu ersehen.

Extremzüchtung bei Domestizierten Vögeln Absatz 2.4.1.2." Feather duster"
Definition:
Befiederungsanomalie in Form eines abnormalen Federwachstums
Vorkommen:
Nach VINS (1993) bisher nur in hoch gezüchteten Zuchtstämmen sog. "Schau- Wellensittiche" aufgetreten.
Genetik:
Keine zuverlässigen Angaben ("Chersanthemumfaktor") verfügbar. Vermutlich autosomal rezessiver Erbgang.
Symptomatik:
Bei den betroffenen Tieren sind die Federn des Stirn- Kopf- Bereiches und von Brust, Flanken und zum Teil des Bürzels ca. vier - bis sechsmal länger als bei normal befiederten Tieren, Schwung- und Schwanzfedern erreichen ungefähr die doppelte Länge. Aufgrund dieser Befiederungsanomalie sind die Vögel stark sichtbehindert und auch weitestgehend flugunfähig. Die Aufklärung des Erbganges dieser Federwachstums-Hypertrophie gestaltet sich schwierig, da Feather duster kaum älter als ca. neun Monate werden, ein großer Teil der Jungvögel stirbt bereits in der Phase des Selbständigwerdens. Als Grund für die Kurzlebigkeit der Vögel wird persistierende Unreife sowie ein nicht therapierbares Eiweißmangel- Syndrom vermutet, das durch den erheblich erhöhten Proteinbedarf infolge der übersteigerten Federbildung verursacht wird.
Empfehlung:
Sind bei einem Zuchtpaar in der Nachzucht Feather duster aufgetreten, müssen beide Elterntiere aus der Zucht genommen werden, da der Züchter bei diesen Tieren damit rechnen muss, dass weiterhin geschädigte Nachkommen produziert werden. Zur Eliminierung des Schadens sollten auch phänotypisch nicht geschädigte Nachkommen solcher Zuchtpaare nicht zu Zuchtzwecken verwendet werden.
Literatur:
1. GERLACH. H. (1994): Zuchtbedingte Anomalien bei Ziervögeln Tierärztl. Prax. 22, 319- 323
2. HOCHLEITNER, M (1993): No therapy for feather duster budgerigars. JAA V 7, 98.
3. OSER, G. und D. BERENS VON RAUTENFELD (1977): Langfedrigkeit als Anomalie beim Wellensittich Prakt. Tierarzt 58, 552.
4. VINS, T. (1993): Wellensittiche. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart.

Nachfolgend meine Meinung dazu:
Der Feather duster ist zu mindestens in Deutschland zu keiner Zeit ein Zuchtziel gewesen, ganz im Gegenteil, in der züchterischen Praxis war und ist jeder WS- Züchter bemüht, solche Tiere nicht in seiner Zucht aufkommen zulassen. Feather duster gibt es bei fast allen Mutationen. Nach mündlichen Aussagen von den so genannten Hansi - Bubi - Züchter / Wellis- Züchtern sind auch in diesen Zuchten schon Feather duster, sowohl in England, als auch in Deutschland, aufgetreten. Ich selber habe vor Jahren bei einem englischen Züchter einen Feather duster gesehen, der auf der einen Seite normal und auf der anderen Seite ein Feather duster war. Ein so genannter Halbseiter- Feather duster.Unter Empfehlung sind meiner Meinung nach auch Forderungen gestellt, die für eine kleine Zucht nicht zumutbar sind. Dieser Züchter müsste demnach beim Auftreten eines Feather duster seinen ganzen Bestand aufgeben. Da sicherlich, wenn er Linienzucht betreibt, alle seine Wellensittiche mit einander verwand sind. Nach eigenen Erfahrungen komme ich zu dem Schluss, dass Feather duster rezessiv vererben. Deswegen reicht es aus meiner Sicht völlig aus, wenn nur jeder eindeutig erkennbare Feather duster aus der Zucht entfernt wird und zwei Wellensittiche bei denen ein Gen für Feather duster vorhanden sein könnte, nicht miteinander verpaart werden. Nach heutigem Wissensstand ist ein Feather duster schon sehr früh zu erkennen und kann deshalb auch schnell von seiner in einem späteren Alter auftretenden Qual befreit werden. Allerdings sicher ausschließen das Feather duster in einer Zucht auftreten, kann kein Züchter.

Wie kann ich einen Feather duster frühzeitig erkennen.
Durch gemachte Erfahrungen, kann ziemlich sicher festgestellt werden, wenn ein Feather duster geschlüpft ist.
Eindeutige Anzeichen für einen Feather duster sind folgende:
Abnormales Wachstum in den ersten drei Wochen.
Abnormales Ferderwachstum
Eine stumpfe dunkle Augenfarbe.
Stumpfe Gefiederfarbe
Starkes Betteln nach Futter mit unnatürlichen Lauten.
Unnatürliches Verhalten

Ab dem 1. Juni 1998 gilt die Neufassung des Tierschutzgesetzes vom 25. Mai 1998 (BGBI. I S.1094.
Bekanntlich legt das Tierschutzgesetz (§11 b) auch für die Tierzüchtung Rahmenbedingungen fest.
Schmerzen, Leiden und Schäden müssen mit allen zu Gebote stehenden Möglichkeiten von Tieren ferngehalten werden. Artgemäßheit, ggf. um rassespezifische Besonderheiten ergänzt ist das oberste Bewertungskriterium. Die Tierzüchtung geht von dem Grundprinzip aus, dass das Erscheinungsbild (Phänotyp) des Tieres, also auch seine Gesundheit sowie das Freisein von Schmerzen, Leiden und Schäden, durch den Genotyp, durch Genotyp-Umweltinteraktionen oder durch die Umwelt bestimmt werden. Defektgene und genetisch bedingte Anomalien sind in der Züchtung (Selektion) so zu berücksichtigen, dass keine Nachkommen (Merkmalsträger) entstehen, die mit Schmerzen, Leiden oder Schäden behaftet sind. Erbfehler und Erbkrankheiten sind genetisch bedingte Abweichungen von der Norm in Körperbau, Körperfunktion und Verhalten mit nachteiliger Wirkung für das betroffene Tier oder die Population (Rasse). Erbfehler, Erbkrankheiten und genetisch bedingte Funktionsstörungen müssen unter Tierschutzaspekten bewertet werden.

Hierzu auch einige Bemerkungen von mir.
Alle vorstehenden, in der Neufassung des Tierschutzgesetzes geforderten Zuchtvoraussetzungen, sind Selbstverständlichkeiten für einen verantwortungsvollen Wellensittichzüchter. Er hat sich wegen seinem Interesse an Wellensittichen durch das Studium von Fachbüchern und Fachartikeln kundig gemacht. Dazu kommen noch seine Erfahrungen im Umgang mit Wellensittichen und seine Einbindung in einen Verein, wo bei den Zusammenkünften auftretende Probleme besprochen werden. Dadurch ist er so gut ausgebildet, dass er auch unverhoffte Gegebenheiten in der Zucht und Haltung richtig einschätzen kann und diese wenn sie negativ sind, schnellstens beseitigt.

Spezielle Bemerkungen zu Aussagen in Internetforen.
Es wäre sehr hilfreich, wenn einige Vogelhalter die über uns Standardwellenzüchter in einigen Internetforen unqualifizierte und selbstherrliche Kommentare abgeben, sich einmal den §11 b des Tierschutzgesetzes durchlesen würden und dann darüber nachdenken, wie sie mit Ihren so genannten Lieblingen umgehen.

Im Gegensatz zu diesen Leuten haben wir Standardwellensittichzüchter das nötige Fachwissen mit Wellensittichen artgerecht um zu gehen. Unsere Züchtungen sind im Einklang mit den im Tierschutzgesetz geforderten Festlegungen. Unsere Wellensittiche werden auch ihren Bedürfnissen entsprechend ernährt. Keiner von uns lässt seine Wellensittiche so lange züchten, bis sie vor Erschöpfung sterben. Was in Massenkolonienzuchten, von denen die überwiegende Anzahl der Stubenvögel kommt, wegen der Unübersichtlichkeit, öfters vorkommt. Wir züchten mit unseren Wellensittichen kontrolliert Paarweise in Einzelboxen, in einer Boxenanordnung, so dass sie sich auch hier wie im Schwarm fühlen können. Bekanntlich sind Wellensittiche Schwarmvögel, da spielt auch der Ruf- und Sichtkontakt eine große Rolle. Wer unsere Wellensittiche in ihren Flugvolieren beim Sozialverhalten beobachten konnte, wird nie auf die Idee kommen, dass sie sich nicht wohl fühlen. Das sie große Köpfe haben und etwas größer sind als die so genannten "Wellis", behindert sie in keiner Weise. Die großen Köpfe ergeben sich aus einer größeren Anzahl von größeren und längeren Federn. Die stellen sie nur in Ruhestellung auf. Beim Fliegen und Fressen legen sie diese Federn an, so sind sie in keiner Weise behindert. Für Ausstellungen werden sie besonders vorbereitet und trainiert, manchen sieht man es richtig an, dass sie sich in einem Ausstellungskäfig besonders wohl fühlen.
Wie ärmlich gestaltet sich dagegen das Leben von dem als Einzelvogel gehaltenen Stubenvogel. Er sitzt in einem kleinen Käfig, darf wenn er Glück hat auch mal in der Wohnung herumfliegen, wo erhebliche Gefahren auf ihn lauern. Wenn er das nicht regelmäßig kann, kommt er aus der Übung und verlernt das Fliegen ganz oder wird so fett dass er zum Fliegen nicht mehr in der Lage ist. Er wird oft von seinen Besitzern unsachgemäß angefasst und bekommt darüber hinaus auch noch für ihn schädliches Futter, wie zum Beispiel Schokolade, Mittagsreste usw.
Was jedoch für ihn besonders schlimm ist, er hat keine Gelegenheit Sozialpflege mit seines Gleichen zu betreiben. Dadurch wird er auch noch vermenschlicht, was seiner Natur widerspricht. Um auch den Stubenvögeln etwas Lebensqualität zu geben, sollten Wellensittiche als Käfigvögel mindestens als Paar gehalten werden und das in einem entsprechend großen Käfig. Ein Wellensittich ist kein Spielzeug und nicht zum so genannten "Knutteln" wie das von manchen Vogelbesitzerinnen beschrieben wird, geeignet. Er ist ein Schwarmvogel der in der Natur vor fremdartigen Berührungen flüchtet.

Bild Nr. 3
(Wellensittiche auf dem Vogelmarkt in Peking)

Wenn man sich vor Augen hält, wo die Stubenvögel herkommen. Dann kann man davon ausgehen, dass der größte Anteil in so genannten Massenzuchten (Kolonienzucht) produziert wird und ein Teil aus dem Ausland Importiert wird. Es ist nicht selten, dass die "kleinen süßen Wellis" in Massen ähnlich wie in Bild Nr. 3 transportiert werden. Besonders jene, die für wenig Geld eingekauft werden. So würde ein Standardwellensittichzüchter seine Wellensittiche nie transportieren.

Ich habe nichts dagegen, wenn Einigen die so genannten "Wellis" besser gefallen als zum Beispiel meine Standardwellensittiche. Das ist Geschmackssache. Jeder soll sich mit den Wellensittichen beschäftigen die ihm am besten gefallen. Eines sollte aber immer im Vordergrund stehen:

Die Mindestanforderungen für die Vogelhaltung, aufgelistet in dem Tierschutzgesetz, müssen auf jeden Fall eingehalten werden.

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