Artikel 29
Bedarf und Auswirkung
von Nähr- und Wirkstoffen für Wellensittiche.
Zusammengestellt von Hans - Jürgen H. Lenk DSV 749 (02.2005)
Als Ergänzung
zu den Artikeln,
Artikel
4
Bedarf und
Auswirkung von Vitaminen auf die Gesundheit bei Wellensittichen.
und
Artikel
15
Fütterung
und Futtersorten für Wellensittiche.
habe ich
nachfolgendes zusammengestellt. Es werden Nähr- und Wirkstoffe
vorgestellt, die bei der Haltung von Wellensittichen beachtenswert
sind. Nach einer Betrachtung von Grundlagen für diesen Bereich,
wird auch beschrieben was sie beeinflussen und wo sie vorkommen.
Mit diesem Artikel soll es einem Züchter möglich sein,
auch Wirkstoffe, Mineralstoffe und Spurenelemente gezielt auszuwählen
und ein zu setzen. Weiter soll es möglich sein, die Eignung
und Qualität der im Handel angebotenen Präparate zu
beurteilen. Bei Beachtung ist auch für diesen Komplex jeder
Wellensittichzüchter in der Lage, sich die für seinen
Anwendungsfall erforderlichen Informationen zu ermitteln und
auszuwerten. In diesem Sinne sind die nachfolgenden Informationen
zu sehen.
Mit einigen
Grundkenntnissen lässt sich aus verschiedenen Futtersorten
und Futterzusätzen speziell für die normale Ernährung,
Wachstum und Verbesserung der Gesunderhaltung eine nutzbare Gebrauchsfutterversorgung
für unsere Wellensittiche zusammenstellen. Wir haben damit
den ersten Schritt für eine optimale Fütterung getan.
Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine sind eng mit dem Stoffwechsel
verknüpft. Ohne ihre Anwesenheit ist die Umsetzung der Nährstoffe
in die Bildung irgendeiner körpereigenen Substanz (Muskeln,
Knochen, Federn usw.) nicht möglich. Nur eine ausreichende
und ebenso gezielte Zufütterung von Mineralien, Spurenelementen
und Vitaminen gibt uns die Gewähr, dass unsere Wellensittiche
die von uns angebotenen Nährstoffe in gewünschter Weise
auch umsetzen.
Zunächst
einige Grundlagen.
Unter Mineralstoffen und Spurenelementen verstehen wir anorganische
(= unbelebte) Elemente, die im Boden, im Wasser, aber auch in
Futtermitteln enthalten sind. Im Gegensatz zu den Mineralstoffen
und Spurenelementen werden die Grundnährstoffe als organische
(= belebte) Substanzen bezeichnen. Organische Bestandteile eines
Futters gehen bei der Verbrennung vollständig in gasförmige
Verbindungen über, während die anorganischen als "Rohasche"
zurückbleiben. Mineralstoffe und Spurenelemente erlangen
ihre Wirkung im Körper der Vögel nicht als neutrale
Teilchen, sondern als elektrisch geladene.
Elektrisch geladene Teilchen (Atome, Moleküle) werden als
Ionen bezeichnet.
Metall- Ionen besitzen immer positive Ladung (= Kationen); das
chemische Symbol für das betreffende Element wird mit einem
"+" versehen:
Zum Beispiel Na+ = Natriumion, K+ = Kaliumion;
Kationen können auch mehrfach positiv geladen sein; Ca++
= Calcium-Ion, Mg++ = Magnesium- Ion.
Nichtmetall- Ionen besitzen eine negative Ladung (= Anionen),
die durch ein "-" gekennzeichnet wird:
CI - = Chlorid-Ion, J - = Jodidion.
Als Anionen können nicht nur Elemente (Atome) auftreten,
sondern auch Moleküle mit mehrfach negativer Ladung: So4-
= Sulfat- Ion,
Po4- =Phosphat- Ion usw.
Unter geeigneten Bedingungen vereinigen sich Kationen mit Anionen
zu Salzen:
Na+ + CI - = Na CI (Natriumchlorid oder
Kochsalz), 3 K+ + PO4- = K3
PO4 (Kaliumphosphat).
Salze sind immer elektrisch neutral: die positiven Ladungen entsprechen
den negativen. Eine besondere Eigenschaft der Salze ist es, im
Wasser mehr oder weniger stark wieder in Einzelteile (Ionen)
zu zerfallen. Dieses Verhalten bezeichnet man als Löslichkeit.
Wirkstoffe
Enzyme
Enzyme sind die biologischen Katalysatoren der lebenden Zellen.
Sie sind an allen biochemischen Umsetzungen im Organismus beteiligt.
Sie regeln den Abbau der Futterbestandteile im Verdauungstrakt
und sind ebenfalls verantwortlich für den Aufbau aber auch
den Abbau von Körpersubstanzen (zum Beispiel Muskeln und
Fett). Ohne die Mitwirkung von Enzymen laufen keine Stoffwechseltätigkeiten
ab.
Lecithin
Lecithin ist ein wichtiger Emulator zur Fettverdauung im Körper.
Aufgrund seines Wirkungsmechanismus ermöglicht es einen
hocheffektiven Einsatz von Fetten in den Futtermitteln. Gerät
Lecithin im Stoffwechsel in eine Mangelsituation, können
die unerwünschten Leberverfettungen auftreten.
Aminosäuren
Aminosäuren sind die Bausteine der Eiweißkörper.
Sie sind bedeutsam für den Aufbau des Bindegewebes (bzw.
Muskelgewebes), der Haut, den Federn und der organischen Substanz
der Knochen. Ebenso erfüllen sie eine wichtige Aufgabe hinsichtlich
der Muskelkontraktionsfunktionen. Auch zum Aufbau von Immunkörpern
zur Abwehrbereitschaft von Krankheiten müssen Aminosäuren
im Stoffwechsel ständig zur Verfügung stehen. Zwei
für den Stoffwechsel unentbehrliche Aminosäuren sind
Lysin und Methonin.
Lysin.
Als Eiweißbaustein hat es besondere Aufgaben in den Mitochondrien,
die die Kraftwerke der Zelle sind. Ebenso ist es Hauptbestandteil
der Sehnen, Gefäßwände und des Muskelgewebes.
Methonin
als schwefelhaltige Aminosäure spielt es für einen
intakten Gefiederaufbau eine bedeutsame Rolle. Auch können
lebensnotwendige Substanzen, die im Körper kurzfristig in
eine Mangelsituation geraten sind, über Methonin neu aufgebaut
werden. Es schließt Lücken im Stoffwechsel.
Wie werden
Mineralstoffe und Spurenelemente auf genommen?
Mineralstoffe und Spurenelemente führen wir unseren Wellensittichen
in verschiedener Form zu. Im Körnerfutter liegen sie vorwiegend
gebunden an organische Moleküle vor. In Mineralfuttermitteln
stellen wir sie als Salze zur Verfügung und in Wasser gelöst
(zum Beispiel Elektrolytlösung) als freie Ionen. Die Aufnahme
(Resorption) der Mineralstoffe und Spurenelemente in den Körper
erfolgt vorwiegend im Dünndarm und ist nur in Form der freien
Ionen möglich. Da die Verdauungsvorgänge im Magen und
Darm in einer wässrigen Flüssigkeit ablaufen, werden
die zugeführten Salze gelöst, dass heißt sie
zerfallen in ihre Ionen. Selbst weniger gut lösliche Salze
können mit Hilfe der im Magen gebildeten Salzsäure
und verschiedenen Gallenbestandteilen in Ionen zerlegt werden.
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Wie beim Wellensittich die Verdauungsorgane angeordnet sind,
ist aus dem nebenstehenden Bild zu ersehen.
Ausnahmen bilden
unlösliche Salze wie beispielsweise das Calciumsulfat (Ca
SO4 = Gips); es ist für die Tierernährung
nicht geeignet. Auch aus den im Körnerfutter organisch gebundenen
Mineralien werden die Ionen im Verlaufe der Verdauungsprozesse
herausgelöst. In einigen Fällen sind die Ionen allerdings
so fest an organische Riesenmoleküle gebunden, dass sie
für die Ernährung nicht mehr zur Verfügung stehen.
Auch unter idealen Voraussetzungen wird nur ein Teil der im Futter
und in Mineralstoffmischungen enthaltenen Mineralstoffe und Spurenelemente
resorbiert. Verschiedene Faktoren, die einen hemmenden oder fördernden
Einfluss auf die Resorptionsrate ausüben, sind ausschlaggebend
für die tatsächliche Verwertung der angebotenen Mineralien.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei einem Überangebot
die Mineralstoffe und Spurenelemente schlechter verwertet werden
als in einer Mangellage, dass alte Wellensittiche meistens schlechtere
Mineralverwerter sind als junge, dass Durchfälle, Wassermangel,
ungünstige Mineralstoffzusammenset zungen usw. die Resorptionsrate
herabsetzen. |
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Weitere Resorptionshemmende
Faktoren, die in der Beschaffenheit und Art der Verbindungen
der angebotenen Mineralstoffe und Spurenelemente selbst zu suchen
sind, werden bei der Besprechung der einzelnen Elemente behandelt.
Bei der Resorption gelangen die Ionen durch die Darmwand in den
Blutkreislauf (wässriges Medium), werden der Leber zugeführt
und dort vorübergehend zurückgehalten. Hormone und
zum Teil noch unbekannte Steuerungsmechanismen veranlassen den
Transport der Ionen aus der Leber über den Blutkreislauf
zu den Stellen des Bedarfs oder der längerfristigen Speicherung.
Dort werden sie entweder in unveränderter Form oder eingebaut
in größere organische Moleküle (zum Beispiel
Eisen in das Hämoglobin = roter Blutfarbstoff) ihrer eigentlichen
Funktion zugeführt.
Wie unterscheiden
sich die Mineralstoffe von den Spurenelementen?
Die Aufgaben, die die Mineralstoffe und Spurenelemente im Körper
unserer Wellensittiche zu erfüllen haben, sind sehr vielfältiger
Natur. Eine grobe Zuordnung ergibt sich aus der bereits verwendeten
Gliederung in Mineralstoffe (= Mengenelemente) und Spurenelemente.
Zu den Mineralstoffen zählen: Calcium (Ca), Phosphor (P),
Natrium (Na), Chlor (CI), Kalium (K), Magnesium (Mg) und Schwefel
(S). Sie werden in größeren Mengen benötigt und
dienen dem Körper vorwiegend als Baustoffe (z. B. Ca, P,
Mg zur Bildung der Knochensubstanz) und Betriebsstoffe (Na, K
und Ca zur Aufrechterhaltung der Nerven und Muskeltätigkeit).
Spurenelemente werden nur in winzigen Mengen (daher der Name)
benötigt und sind als Wirkstoffe an zahlreichen Stoffwechselvorgängen
im Körper beteiligt. Die wichtigsten Spurenelemente sind:
Eisen (Fe), Jod (J), Kobalt (Co), Kupfer (Cu), Mangan (Mn), Zink
(Zn) und Molybdän (Mo). Sie müssen wie die Mineralstoffe
als lebensnotwendige (essentielle) Bestandteile dem Organismus
mit der Nahrung zugeführt werden. Das Fehlen eines oder
mehrerer Elemente führt früher oder später zu
akuten Mangelerkrankungen.
Biologischer
Wirkungsgrad (BW)
Allein die Resorptionsrate reicht für eine Beurteilung der
Verwertbarkeit der Phosphate nicht aus. Einige gut resorbierbare
Phosphate werden biologisch schlecht verwertet oder sind, wie
zum Beispiel das Thomasphosphat, für den Organismus schädlich.
Einen Anhaltspunkt für die biologische Verwertbarkeit bietet
das Skelett als Speicher- und Umsetzungsorgan für die Elemente
Calcium, Phosphor und Magnesium.
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Zur Information wie ein Wellensittich- Skelett aussieht, siehe
nebenstehende Skizze.
Die Einlagerungen
dieser Mineralien in die Knochen sind mit Hilfe physikalischer
und chemischer Messmethoden genau bestimmbar. Auf diese Weise
kann in einem so genannten "Transponierungstest" der
Übergang des über das Futter angebotenen Calciums und
Phosphors in den wachsenden Knochen, zum Beispiel eines Kükens,
gemessen werden. Die Messdaten über das Knochenwachstum
und den Mineralansatz ergeben dann den Biologischen Wirkungsgrad
(BW) eines Mineralstoffes. Je höher der BW desto geeigneter
ist das Salz für eine Mineralstoffzufütterung. Dabei
gelten Mineralfutter von unter 70 Punkten als unbrauchbar, 125
Punkte als optimal.110 -120 Punkte sind mit einem ausgewogenen
Mineralfutter durchaus erreichbar. Der BW des Calciumphosphats
erreicht die höchsten Werte bei einem Calcium- Phosphor-
Verhältnis von 1,4: 1 bis maximal 2: 1. Der Phosphorbedarf
variiert mit der zu vollbringenden Leistung. Muskelarbeit bedingt
einen hohen Phosphorbedarf, besonders aber das Wachstum der Knochen
junger Wellensittiche Phosphormangel führt zu Wachstumsstillstand,
Knochenweiche, im Extremfall sogar zum Tod. Aber auch ein zu
großes Überangebot kann zur Beeinträchtigung
der Gesundheit führen. |
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Allgemeines
zu den Spurenelementen
Zu den Spurenelementen zählen Elemente, deren Konzentration
im Körper weniger als 0,005 % beträgt. Viele von ihnen
sind Bestandteile wichtiger Körpersubstanzen wie Hormone,
Enzyme (Fermente) oder andere Wirkproteine.
Spurenelemente sind essentielle Nahrungsbestandteile, das heißt,
sie müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Ein Mangel
führt zu charakteristischen Ausfallsymptomen, die mehr oder
weniger schwerwiegend sein können. Einige Spurenelemente,
die im Körper nachgewiesen wurden, haben vermutlich keine
Funktion. Sie gelangen lediglich als Bestandteile der Nahrung
mit in den Körper. Bei anderen werden physiologische Funktionen
vermutet, die aber bisher nicht nachgewiesen werden konnten.
Schließlich gibt es Elemente, die einen schädlichen
Einfluss haben. Sie werden durch eine Anreicherung in der Umwelt
in zunehmendem Maße mit der Nahrung aufgenommen und in
bestimmten Organen gespeichert. Zu ihnen zählen Quecksilber
und Blei. Ihre gesundheitsschädliche Wirkung wurde mehrfach
bestätigt. Für eine ganze Reihe von Spurenelementen
sind die physiologischen Funktionen bekannt: Eisen, Jod, Kobalt,
Kupfer, Mangan, Molybdän und Zink. Die Elemente Chrom, Fluor,
Nickel und Selen sind ebenfalls lebensnotwendig, man kennt jedoch
bisher nicht ihre Funktion. Häufig werden die physiologischen
Funktionen der Spurenelemente zufällig entdeckt. So wurde
mit der Aufklärung der Formel von Vitamin B12
die Bedeutung von Kobalt erkannt: Kobalt ist ein Bestandteil
des Vitamin B12. Andere Spurenelemente haben einen
direkten Einfluss auf die katalytische Funktion bestimmter Enzyme.
Zum Teil sind sie spezifisch für ein Enzym, das heißt
nicht durch ein anderes Metall -Ion ersetzbar, zum Teil aber
gegen andere austauschbar. So lässt sich Magnesium als Wirkstoff
im Stoffwechsel teilweise durch Mangan ersetzen. Die metallischen
Spurenelemente liegen in der Nahrung nicht als freie Ionen, sondern
an Eiweiß oder andere organische Moleküle gebundene
Komplexe vor (Metallproteine, Metallenzyme usw.). Sie sind in
der Regel weniger giftig als die freien Ionen. Besonders deshalb
sind beim Zumischen von Spurenelementen zu den Mineralstoffen
oder beim Verabreichen von Elektrolytlösungen die Dosierungen
genau zu beachten. Geradezu unübersehbar ist die Wechselwirkung
der Spurenelemente untereinander und mit anderen Nahrungsbestandteilen.
So ist bekannt, dass Eisen, Kupfer und Mangan das Ranzigwerden
der Fette fördern. Kupfer katalysiert die Zerstörung
der Ascorbinsäure (Vitamin C) und hat sogar eine bakterizide
Wirkung auf Darmbakterien bei einer Konzentration von mehr als
5 mg pro kg Futter. Wie schon erwähnt, ist die Spanne zwischen
erforderlicher Zufuhr und toxischer Wirkung sehr eng.
Aufgaben der
Spurenelemente
Als Bausteine der Knochen; Bestandteile der Körperflüssigkeiten
sowie des gesamten Nervensystems und der Muskulatur werden die
Mineralstoff ein einer Menge benötigt, die den Namen "Mengenelemente"
rechtfertigt. Für den Züchter ist der Bedarf, der aus
diesen Aufgaben resultiert, so einleuchtend wie die Folgen, die
eine Unterversorgung mit Mineralstoffen nach sich zieht. So ist
er im Allgemeinen bereit, eine regelmäßige Versorgung
seiner Wellensittiche mit Mineralstoffen zu gewährleisten.
Anders hingegen die Versorgung mit Substanzen, die in winzigen
Mengen benötigt werden und deren Aufgaben für den Laien
ziemlich abstrakt und schwer vorstellbar erscheinen. Während
der Zucht und der Mauser, ist eine Unterversorgung oder zumindest
eine schlechte Versorgung die Folge. Gemeint sind die Vitamine
und die Spurenelemente. Die Mengen, die der Körper benötigt,
sind so winzig, dass sie kaum vorstellbar sind. Dennoch führt
ein Mangel zu ebenso schwerwiegenden Schäden wie beim Fehlen
von Mineralstoffen. Die Spanne zwischen einem "Zuviel"
und einem "Zuwenig" ist allerdings so klein, dass Spurenelemente
und Vitamine nicht mit Schaufel oder Gießkanne, sondern
mit den "Fingerspitzen" verabreicht werden müssen.
Fütterungsempfehlungen sollten in beiden Fällen genau
beachtet werden. Spurenelemente sind den guten Mineralstoffmischungen
meistens schon in einer Konzentration zugesetzt, dass sie bei
regelmäßiger Verabreichung eine optimale Versorgung
sicherstellen.
Woraus besteht
ein Knochen?
Die organische Grundsubstanz des Knochens besteht aus einem gelartigen
Zucker- Eiweiß-Komplex, in den lange Eiweißfasern
eingebettet sind. Zwischen den Eiweißfasern liegen als
kleine Kristalle die Mineralien, die beim Menschen etwa 70% der
Trockensubstanz des Knochens ausmachen. Die wichtigsten Salze
sind das Kalziumphosphat, das Magnesiumphosphat und das Calciumcarbonat,
wobei allein das Calciumphosphat mit ca. 80% den größten
Anteil ausmacht. Die Elemente Kalium, Natrium, Chlor und Fluor
sind ebenfalls, aber nur in Spuren, im Knochen enthalten. Das
Skelett stellt für den Körper eine wichtige Calcium-
und Phosphorreserve dar. Da der Knochen mit der extrazellulären
Flüssigkeit in Verbindung steht, findet je nach Löslichkeit
des Salzes ein intensiver Ionenaustausch statt. Wird Calcium
oder Phosphor benötigt, stehen die leichtlöslichen
Kristalle schnell zur Verfügung. Besteht ein weiterer Bedarf.
können die Mineralien des Knochens so weit abgebaut werden,
dass es zu Knochenweiche oder Lähmungserscheinungen führt.
An in der Brut befindlichen Hennen können diese Erscheinungen
besonders krass beobachtet werden, wenn es neben einer ungenügenden
Mineralstoffversorgung zur Eiablage kommt. Die Eier haben manchmal
kaum eine Schale.
Mineralstoffwechsel
der Knochen
Unter Mineralstoffwechsel der Knochen verstehen wir die Neubildung,
den Abbau und den Umbau von Knochensubstanz. Während der
gesamten Wachstumsphase überwiegt sicherlich die Neubildung;
besonders ausgeprägt während der Nestlingszeit und
in den ersten Wochen nach dem Absetzen. Mit abgeschlossenem Wachstum
halten Neubildung und Abbau ein Gleichgewicht, das bis zum Lebensende
erhalten bleibt. Allerdings kann bei einer hohen Beanspruchung
der Knochen die Knochensubstanz vorübergehend vermehrt werden,
bei nachlassender Beanspruchung wird sie wieder vermindert.
Welche Bedeutung
hat das Wasser?
Die Informationen zu den einzelnen Elementen, wie sie in den
folgenden Abschnitten gegeben werden sollen, wären unvollständig,
wenn nicht auch die Verbindung besprochen würde, aus der
etwa 70% der gesamten Körpersubstanz besteht: Wasser! Ohne
Wasser funktioniert gar nichts! Alle Lebensprozesse laufen letztlich
im Wasser, bzw. im wässrigen Medium ab. Kein Austausch oder
Transport von Nährstoffen, Mineralien, Vitaminen, Hormonen,
Sauerstoff u. a. findet ohne Wasser statt. In die ersten Darmabschnitte
werden mit den Verdauungssekreten große Mengen Wasser abgegeben,
die zusammen mit dem aufgenommenen Trinkwasser im Bereich des
Dickdarms wieder in den Körper zurückgelangen. Nur
in der Darmflüssigkeit kann die zugeführte Nahrung
zerlegt werden und durch die Resorption in den Blutkreislauf
gelangen. Das Blut besteht gleichfalls vorwiegend aus Wasser.
In ihm befinden sich die roten und weißen Blutkörperchen,
die Nährstoffe, die Mineralien und viele andere Substanzen,
die zu den verschiedenen Organen transportiert werden. Alle Organe
und Gewebe des Körpers sind aufgebaut aus unzähligen
kleinen Zellen. Diese sind gefüllt mit dem so genannten Plasma,
das ebenfalls einen hohen Prozentsatz Wasser enthält. Die
Gesamtheit der Flüssigkeit aller Zellen wird als intrazelluläre
Flüssigkeit bezeichnet. Zellen liegen nicht dicht aneinander,
sondern sind umgeben von kleinen Zwischenräumen, die gleichfalls
mit Flüssigkeit gefüllt sind; wir bezeichnen sie als
extrazelluläre Flüssigkeit. Ziel jeder Ernährung
ist letztlich die Versorgung der einzelnen Zelle als kleinste
lebende Einheit. Es findet ein reger Stoffaustausch zwischen
den drei Flüssigkeitsräumen Blutextrazelluläre
Flüssigkeit, intrazelluläre Flüssigkeit, statt.
Voraussetzung ist, dass ein bestimmter Flüssigkeitsdruck
in den drei Räumen aufrechterhalten wird. Wird eine bestimmte
Schwelle unterschritten, geben komplizierte Regelmechanismen,
bei denen die Ionen- Konzentration eine bedeutende Rolle spielt,
an das Gehirn die Information "Wassermangel". Bestimmte
Gehirnregionen übersetzen diese Information in das jedem
bekannte "Durstgefühl". Wird Wasser aufgenommen,
der optimale Flüssigkeitsdruck in den Geweben erreicht,
wird dies ebenfalls dem Gehirn gemeldet und der Durst erlischt.
Wassermangel kann durch zu geringe Aufnahme oder zu große
Abgabe auftreten, beispielsweise bei starken Durchfällen.
Bereits bei Wasserverlusten in der Größenordnung von
10% der Gesamtflüssigkeitsmenge des Körpers können
starke Störungen der Stoffwechselfunktionen auftreten. Ein
Wasserverlust von 20% und mehr hat den Tod zur Folge. Deswegen
ist es besonders wichtig, dass man bei frisch abgesetzten Wellensittichen
überprüft, ob sie auch trinken. Es hilft, wenn man
zur Gewöhnung, jeden Jungvogel mit dem Schnabel in die bereitstehenden
Trinknäpfe taucht. Eine Schlüsselfunktion zur Aufrechterhaltung
eines konstanten Wasserdruckes und einer bestimmten Ion- Konzentration
in den Körperflüssigkeiten nimmt die Niere ein. Sie
ist verantwortlich für die Regulation der Wasser- und Salzausscheidung.
Mineralstoffe
und Spurenelemente
Mineralstoffe
Calcium (Ca)
Der größte Teil des Calciums ist im Knochengewebe
eingelagert. Es ist damit lebensnotwendiger Bestandteil des Skeletts.
Es erfüllt ebenso Aufgaben im Hinblick auf die Muskelkontraktionen
und die Erregbarkeit der Nerven. Calcium aktiviert auch eine
Reihe von Verdauungsenzymen. Das Funktionieren der Skelett- und
Herzmuskulatur ist ebenfalls an die Anwesenheit von Calcium im
Stoffwechsel gebunden. Das mengenmäßig bedeutendste
Element unter den Mineralstoffen ist sicher das Calcium. Es ist
nicht nur wichtigster Baustein der Knochensubstanz und damit
verantwortlich für die Belastbarkeit des gesamten Skeletts,
sondern ist unentbehrlicher Bestandteil aller Gewebe und Organe
und erfüllt als Betriebsstoff lebenswichtige Körperfunktionen.
Alle Nerven und Gehirnteile enthalten Calcium-Ionen (Ca++)
in relativ hoher Konzentration. Die Informationsübertragung
durch die Nerven und innerhalb des Gehirns findet nur unter Mitwirkung
der Calcium-Ionen statt. So wichtige Funktionen wie die Beantwortung
von äußeren Reizen (akustische, optische Signale usw.)
durch zum Beispiel Muskelbewegungen (Flucht u. ä.), die
Steuerung der Extremitäten (Laufen, Fliegen) sowie der inneren
Organe (Herz-, Lungen-, Nieren-, Verdauungstätigkeit und
Andere) laufen ohne die Anwesenheit von Calcium nicht ab. Selbst
der Blutkreislauf könnte ohne Calcium nicht funktionieren.
Der komplizierte Prozess der Blutgerinnung ist ebenfalls nur
mit Hilfe des Calciums möglich. Des Weiteren ist Calcium
Bestandteil wichtiger Enzyme und besitzt eine entzündungshemmende
Wirkung. Diese Aufzählung macht deutlich, dass eine zu geringe
Calciumzufuhr langfristig zu schweren Schäden führen
muss. Unmittelbare Folgen von Calciummangel sind: verringertes
Wachstum der Jungvögel und nach dem Absetzen, träges
Reagieren auf äußere Reize, Unfruchtbarkeit. Schließlich
wird, um die wichtigsten Körperfunktionen aufrechtzuerhalten,
dem Skelett ein Großteil des Calciums entzogen, was wiederum
zur Knochenweiche und letztlich zur Lähmung führt.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, dass nicht alle angebotenen
Mineralstoffe und Spurenelemente durch die Darmwand in das Körperinnere
gelangen, sondern nur ein mehr oder weniger großer Teil,
abhängig von zahlreichen Faktoren, tatsächlich resorbiert
wird. Die Art des angebotenen Calciumsalzes ist der erste entscheidende
Faktor für die Resorbierbarkeit. Das am häufigsten
verwendete Calciumsalz, Calciumkarbonat (CaCO3, Kreide)
ist relativ preiswert und gut verdaulich.
Besserverwertbare Calciumverbindungen, z. B. einige Calcium-Phosphor-Komplexe,
sind in der Regel um das bis zu hundertfache teurer und werden
deshalb in Mineralfuttern selten verwendet. Calciumsulfat (CaSO4
Gips) ist dagegen unlöslich auch in der Magensäure
und damit für die Mineralstoffversorgung völlig ungeeignet.
Besteht ein hoher Calciumbedarf, wird das angebotene Calcium
besser ausgenutzt als bei einem Überangebot. Vitamin D3
hat einen positiven Effekt auf die Resorption. Dagegen setzt
die zum Beispiel im Spinat enthaltene Oxalsäure die Ausnutzung
des Calciums herab, ebenso bindet der in den Getreidearten enthaltene
Phytin- Phosphor einen Teil des Calciums und macht es damit unverwertbar.
Alle Medikamente, die Wirkstoffe aus der Gruppe der Tetracycline
enthalten (Chlortetracyclin, Oxytetracyclin usw.), dürfen
nicht gemeinsam mit calciumhaltigen Mineralstoffen gegeben werden.
Tetracycline bilden mit Calcium unlösliche Komplexe. Damit
steht weder das Calcium zur Verfügung, noch ist eine Wirkung
des angebotenen Medikamentes zu erwarten. Leider wird dieser
Zusammenhang viel zu häufig missachtet. Zwischen der Eiweißversorgung
und der Calciumverwertung konnte ebenfalls ein Zusammenhang festgestellt
werden. Durch die Zufütterung spezieller Aminosäuren
wurde ein Mehreinbau von Calcium-Ionen in das Skelett von Tieren
beobachtet. Der günstigste Effekt wurde durch Zufütterung
von Lysin erzielt (plus 82%), Arginin (plus 76%), Leucin (plus
42%) und Methionin (plus 19%) hatten gleichfalls günstige
Wirkungen. Eine noch größere Steigerung wurde durch
den Zusatz von Laktose (Milchzucker) erreicht, plus 152%.
Phosphor (P)
Die Aufgabe des Phosphors bezüglich der Skelettbildung entspricht
der des Calciums. Daneben ist Phosphor am Aufbau verschiedener
Eiweißfraktionen und Enzymen beteiligt. Eine ganz besondere
Bedeutung muss man dem Phosphor im Hinblick auf die Energieübertragung
und Energiespeicherung beimessen. Der weitaus größte
Teil des Körperphosphors befindet sich in Verbindung mit
Calcium und Magnesium im Skelett; der übrige Phosphor ist
in der Muskulatur, im Gehirn, in der Leber und in den anderen
Organen verteilt. Als Phosphorsäure (H3 PO4)
besitzt Phosphor eine überragende Bedeutung im Energiestoffwechsel.
Die Erzeugung, Speicherung und Verwertung von Energie läuft
über das energiereiche Phosphat "Adenosintriphosphorsäure"
(-triphosphat), kurz "ATP" genannt. Es ist die einzige
Form, in der im Körper Energie verwertet werden kann. Zur
Speicherung von Energie werden drei Phosphorsäuremoleküle
unter Abspaltung von Wasser (H2 O) an das Molekül "Adenosin"
gebunden:
schematisch :
Adenosin HPO3, HPO3, H2 PO4,
Zur Nutzung der Energie wird die letzte, besonders energiereiche
Verbindung gelöst und die freiwerdende Energie für
die verschiedenen im Körper ablaufenden, Energie verbrauchenden
Prozesse verwertet: Muskelarbeit, Gehirnleistung, Auf- und Umbau
von Körpersubstanz, Speicherung von Glykogen als Reservestoff
usw. Phosphor wird vorwiegend als anorganisches Phosphat über
das Futter aufgenommen und resorbiert. Im Körper wird es
in die organische Form des energiereichen "ATP" umgewandelt
oder als Calcium- bzw. Magnesiumphosphat zum Aufbau der Knochensubstanz
verarbeitet. Die Ausnutzung des angebotenen Phosphats hängt
von verschiedenen Faktoren ab. In Gegenwart von Eisen (Fe) und
Aluminium (AI) wird die Resorptionsrate herabgesetzt, da sie
mit den Phosphaten schwer lösliche Salze bilden. Zwischen
50 und 75% des Phosphors, das in Getreidearten und Ölsämereien
enthalten ist, liegt als so genannter "Phytin- Phosphor"
vor, der mit Calcium Komplexe bildet und deshalb schlecht ausgenutzt
wird. 1 Gramm Phytin- Phosphor bindet 0,65 Gramm Calcium, so
dass letztlich beide Elemente aus dem Körnerfutter kaum
noch zur Verfügung stehen. Vitamin D3 verbessert
die Verwertung des Phosphors. Von den in den Mineralfuttern angebotenen
Phosphaten werden die Calciumphosphate, das Mono- Kaliumphosphat
hat und das Mono-Natriumphosphat am besten resorbiert.
Natrium und
Chlor (Na, Cl)
ist wichtig
für die Erregungsleitung in den Muskelfasern. Weiterhin
nimmt es einen positiven Einfluss auf verschiedene Enzymsysteme.
So führt ein Mangel an Natrium bei wachsenden Wellensittichen
zu einer verminderten Protein- und Fettsynthese und damit zu
einer gestörten Körpermasseentwicklung. Verbindet sich
das Natriumkation "Na-" mit dem Chloranion
"CI-" (Chlorid), entsteht Natriumchlorid
"Na CI" (Kochsalz). Es ist das in der menschlichen
Ernährung meist verwendete Salz und wird in dieser Form
auch den Mineralstoffmischungen zugesetzt. Die wichtigsten Aufgaben
beider Elemente im Körper sind fast identisch, so dass sie
auch gemeinsam besprochen werden sollen. Der größte
Teil der Natrium- und Chlorid- Ionen befindet sich in der extrazellulären
Flüssigkeit. Ihre Hauptaufgabe ist dort die Aufrechterhaltung
eines bestimmten so genannten "osmotischen Druckes"
verein- facht ausgedrückt: einer bestimmten Ionenkonzentration.
Um die Bedeutung dieser Aufgabe verstehen zu können, bedarf
es einer zusätzlichen Erläuterung. Salze oder Salzlösungen
(Ionenlösungen) haben das Bestreben, sich durch Binden von
Wasser zu "neutralisieren': Je höher die Salzkonzentration,
desto stärker dieses Bestreben. Einige Züchter erinnern
sich vielleicht an einen Versuch aus der Schulzeit, in dem eine
mit einer Salzlösung gefüllte Schweins- blase in klares
Wasser getaucht wurde. Nach einer gewissen Zeit füllte sich
die Schweinsblase derart mit Wasser, dass sie zu platzen drohte.
Ähnlich ist das Verhalten der Flüssigkeiten im Körper.
Blutextrazelluläre und intrazelluläre Flüssigkeit
verfügen über eine bestimmte Ionenkonzentration, das
heißt über einen bestimmten osmotischen Druck. Wird
in einer der drei Flüssigkeitsräume zum Beispiel durch
starke Zufuhr von Kochsalz die Salzkonzentration plötzlich
erhöht, wird den übrigen Flüssigkeitsräumen
Wasser entzogen. Die Folge ist vermehrter Durst. Erst wenn überflüssige
Ionen ausgeschieden sind, und die Ionenkonzentrationen in den
Flüssigkeitsräumen wieder ausgeglichen sind, erlischt
der Durst. Umgekehrt wird bei einem zu niedrigen osmotischen
Druck Natrium und Chlorid aufgenommen, bis die optimale Ionenkonzentration
erreicht ist. Natrium und Chlorid haben die Eigenschaft, sehr
gut und sehr schnell durch die Darmwand in das Körper- innere
zu gelangen. Das Hauptregulationsorgan für die Wasser- und
Salzausscheidung ist die Niere. Natrium und Chlorid werden fast
ausschließlich über die Niere ausgeschieden, Besteht
Salzüberschuss, wird die Abgabe erhöht, kommt es zum
Beispiel bei Durchfällen zu starken Salzausscheidungen über
den Kot, drosselt die Niere die Ionenabgabe. Neben der Aufrechterhaltung
des osmotischen Druckes in der extrazellulären Flüssigkeit
ist Natrium für die Aktivierung bestimmter Enzyme, zum Beispiel
der Amylase, verantwortlich, die am Abbau der Stärkemoleküle
beteiligt ist. Akuter Natriummangel hat zur Folge: Ermüdbarkeit,
Muskelkrämpfe, Stoffwechselstörungen, sowie Störungen
der Nieren- und Gehirntätigkeit. Chloridmangel führt
zu verringertem Wachstum, zu Muskelschwäche und als Bestandteil
der Magensäure zur Verschiebung des pH-Wertes im Magen.
Die Gefahreiner Unterversorgung an Natrium und Chlorid ist in
der Praxis allerdings sehr gering. Viel häufiger treten
dagegen die Folgen einer zu hohen Natriumchloridzufuhr in Erscheinung.
Besonders die übermäßige Zufütterung von
Chloriden führt zu osmotischen Störungen, zu vermehrtem
Trinken und zu Durchfällen. Dazu mehr im praktischen Teil.
Kalium (K)
Die richtige Erregbarkeit der Nerven und Muskeln, das gute Zusammenspiel
zwischen Nerven- und Muskelsystem hängt vom Gleichgewicht
zwischen Calcium, Natrium und Kalium ab. Während Natrium
und Chlorid für einen konstanten "osmotischen Druck"
in der extrazellulären Flüssigkeit sorgen, ist das
Kalium- Ion K+ zusammen mit anderen Ionen für
die Aufrechterhaltung des "osmotischen Druckes" in
den Zellen (intrazelluläre Flüssigkeit) verantwortlich.
Kalium erfüllt allerdings zahlreiche weitere wichtige Aufgaben
im Körper. So ist es mitverantwortlich für die Erregbarkeit
der Muskelzellen und der Nerven, aktiviert verschiedene Enzymsysteme
des Stoffwechsels, ist zur Biosynthese von Körpereiweiß
erforderlich und begünstigt die Speicherung von Glycogen
(Reservestoff) in der Leber. Besonders Kaliumreich und wichtigste
Organe für seine Umsetzung sind die Muskulatur und die Leber.
Die Resorption von Kalium-Ionen erfolgt langsamer als von Natrium
und Chlorid. Kaliumüberschüsse werden dagegen schneller
ausgeschieden; größtenteils über die Niere. Wird
mit dem Futter viel Natrium aufgenommen, erhöht sich die
Kaliumausscheidung - auch bei Kaliummangel! Das heißt,
es gibt keine Anpassung an eine Mangellage. Die regelmäßige
Zufuhr von Kalium ist aus diesem Grunde besonders wichtig. Die
meisten Kaliumsalze sind gut resorbierbar! Durchfälle, verminderte
Aufnahme oder Stress, der zur vermehrten Kaliumausscheidung durch
die Nieren führt, können Mangelerscheinungen wie Muskelschwäche,
Verlangsamung der Darmtätigkeit und Einschränkung verschiedener
Stoffwechselvorgänge zur Folge haben. Zu hohe Zufuhren können
zu einer Kaliumvergiftung führen.
Magnesium (Mg)
Auch Magnesium ist ein Bestandteil des Knochengerüstes.
Ebenfalls ist es als Aktivator für eine Vielzahl von Enzymen
bekannt. Eine große Bedeutung hat Magnesium im Energiebereich.
So verlangt jede Energieübertragung im Stoffwechsel die
Anwesenheit von Magnesiumionen. Auch Muskelkontraktionen werden
über Magnesiumionen geschaltet. So sind die allbekannten
Muskelkrämpfe das typische Zeichen für eine Magnesiumunterversorgung
des Körpers. Es wurde bereits erwähnt, dass Magnesium
als Magnesiumphosphat am Aufbau des Knochens beteiligt ist. Etwa
50% des Körpermagnesiums sind auf diese Weise im Skelett
gebunden. Das restliche Magnesium befindet sich in den Körperzellen
und übernimmt dort wichtige Aufgaben im Stoffwechsel. Alle
Enzyme, die am Energiestoffwechsel beteiligt sind, werden durch
Magnesium aktiviert. Magnesiummangel führt aus diesem Grunde
zu drastischen Ausfallserscheinungen. Küken, die mit Magnesium
unterversorgt wurden, zeigten Wachstumsverzögerungen Überregbarkeit,
Krämpfe, verminderte Muskeltätigkeit, Verringerung
der Gehirnzellen.
Spurenelemente
Schwefel (S)
ist Bestandteil einer großen Anzahl von Eiweißverbindungen
und spielt daher eine bedeutsame Rolle bei der Bildung des Gefieders.
Eisen (Fe)
wird bei jungen, wachsenden Wellensittichen zur Blutbildung benötigt.
Ein Mangel an Eisen führt zu geringerem Wachstum und Infektionsanfälligkeit.
Eine ganz besondere Bedeutung hat es für den Sauerstofftransport
im Blut.
Das Eisen-Ion Fe2+ nimmt als Bestandteil der roten
Blutkörperchen eine sehrwichtige Funktion ein. Gebunden
an den roten Blutfarbstoff (Hämoglobin) ist es dafür
verantwortlich, dass der Sauerstoff von der Lunge über den
Blutkreislauf zu den einzelnen Körperzellen gelangt, wo
er für die" Verbrennung" der Nährstoffe benötigt
wird. Das bei der "Verbrennung" entstandene Abfallprodukt
Kohlendioxid(CO2) wird sozusagen auf dem Rückweg
ebenfalls mit Hilfe des Eisen-Ions von den Zellen zu der Lunge
transportiert. Für Notzeiten verfügt der Körper
über eine gewisse Eisenreserve. An bestimmte Proteine gebunden
wird Eisen in Form so genannter Eisenproteine (Ferritin und Hämosiderin)
gespeichert. Vermutlich ist das Ferritin auch dafür verantwortlich,
wie viel Eisen aus der Nahrung resorbiert, d. h. in den Körper
aufgenommen wird: befindet sich wenig Ferrit in im Körper,
d. h. die Eisenreserve ist gering, ist der Bedarf hoch und es
wird mehr Eisen aufgenommen. Bei einer hohen Ferritinkonzentration
wird entsprechend weniger Eisen aufgenommen.
Eisen wird grundsätzlich als freies Ion Fe2+
resorbiert. Ist es in der Nahrung an Eiweiß gebunden, muss
es zunächst durch die Wirkung der Magensäure freigesetzt
werden. Untersuchungen beim Menschen ergaben, dass durchschnittlich
etwa 10% des in der Nahrung befindlichen Eisens resorbiert wer-
den. Diese Ausnutzung kann durch Beigaben von Vitamin C verbessert
werden. Der bereits erwähnte Phytinphosphor des Körnerfutters
verschlechtert dagegen die Aufnahme. Ein Teil der roten Blutkörperchen
wird täglich ab- und wieder aufgebaut. Das dabei freiwerdende
Eisen geht nicht verloren, sondern wird größtenteils
wieder verwendet. Eisen wirkt auch bei einer überhöhten
Eisenfütterung nur wenig toxisch.
Jod (J)
ist für die Funktion der Schilddrüse unentbehrlich.
Es ist Bestandteil verschiedener Hormone und regelt
damit ganz wesentlich den Grundstoffwechsel. Der größte
Teil des im Körper enthaltenen Jods befindet sich in der
Schilddrüse. Hiervon entfallen 99 % auf organische Verbindungen
(Schilddrüsenhormone) und nur 1% auf freies Jodid (J). Jod
wird als Jodid mit der Nahrung aufgenommen. Es wird bereits im
Magen sehr rasch resorbiert, in der Schilddrüse konzentriert
und dort innerhalb weniger Stunden zu den Schilddrüsenhormonen
Thyroxin und Trijodthyroxin aufgebaut. An ein Eiweißmolekül
gebunden, als so genanntes Thyreoglobulin- Kolloid, werden die
Hormone in der Schilddrüse gespeichert, bis sie bei Bedarf
als Hormon an das Blut abgegeben werden. Etwa ein Drittel des
in den abgebauten Hormonen enthaltenen Jods wird zur Synthese
neuer Hormone wieder verwendet. Bei einem Überangebot an
Jod werden Überschüsse mit Hilfe der Niere wieder ausgeschieden.
Eine zu geringe Jodaufnahme führt zur Vergrößerung
der Schilddrüse.
Kobalt (Co)
Wie viele andere Spurenelemente spielt Kobalt als Aktivator von
Enzymen eine besondere Rolle. Es ist
Bestandteil des Vitamin B12; und damit ist es vor
allem für den Stoffwechsel von ganz wesentlicher Bedeutung,
wenn Vitamin B12 im Körper in eine Mangelsituation
gerät. Kobalt (Co2+) ist Bestandteil des Vitamins
B12 (Cyanocobalamin) und hat somit eine bedeutende
Funktion bei der Bildung der roten Blutkörperchen sowie
im Eiweißstoffwechsel. Kobaltmangel führt deshalb
zur Blutarmut, zu Wachstums- wie Mauserstörungen und zu
erhöhter Embryonensterblichkeit. Der Bedarf an Kobalt ist
jedoch sehr gering. Es wird in der Form des Co2+-
Ions aufgenommen und für etwa 24 Stunden in der Leber gespeichert.
Ein Kobaltüberangebot zeigt Giftwirkung.
Kupfer (Cu)
ist für die Blutbildung sowie für den Aufbau verschiedener
Enzymsysteme erforderlich. Auch die Gefiederpigmentierung der
Wellensittiche ist abhängig von der Anwesenheit von Kupfer
in der Körperflüssigkeit. Das Kupfer Ion (Cu2+)
ist als Kupferprotein (an Eiweiß gebunden) in der Muskulatur,
in der Leber und im Skelett enthalten. Kupfer ist Bestandteil
einiger Enzyme und deshalb verantwortlich für zahlreiche
Stoffwechselleistungen. Resorbiert wird ebenfalls nur das freie
Ion. Der Kupfergehalt kann in der Menschenleber auf das 10- bis
20 fache gesteigert werden, ohne dass Vergiftungserscheinungen
zu beobachten sind. Auf der anderen Seite wurde die bakterizide
Wirkung des Kupfers bereits erwähnt, so dass mit Rücksicht
auf die Gesundheit der Wellensittiche zu hohe Konzentrationen
vermieden werden sollten. Ein Kupfermangel hat die Verringerung
bestimmter Enzyme zur Folge und damit die Beeinträchtigung
der Stoffwechselleistungen. Da die Qualität der Federn der
Wellensittiche eng verknüpft ist mit ihrer Pigmentierung,
sollte diese Erkenntnis auch Beachtung finden.
Mangan (Mn)
ist wichtig für die Skelettentwicklung. Es aktiviert auch
eine Reihe von Enzymen. Eine ganz besondere Rolle spielt es im
Fortpflanzungsbereich. In Form leichtlöslicher Komplexe,
zum Beispiel an Protein gebunden, ist Mangan in fast allen Organen
des Körpers zu finden. Als Mn2+ - -lon ist es
an einer Reihe von Enzymsystemen beteiligt. Es spielt eine überragende
Rolle im Energiestoffwechsel bei der Übertragung der energiereichen
Phosphorsäure. Entsprechend wird die Enzymaktivität
bei einem Manganmangel herabgesetzt und die Energieleistung beeinträchtigt.
Darüber hinaus wurden bei Hühnern Unfruchtbarkeit,
Störungen der Knochenentwicklung (Verkürzung der Flügel-
und Beinknochen) sowie Gleichgewichtsstörungen beobachtet.
Die Giftwirkung von Mangan ist relativ gering.
Zink (Zn)
entfaltet seine wichtigste Funktion im Hautstoffwechsel. Bedeutsam
ist es ebenfalls als Aktivator von Enzymen. Als Ion Zn2
ist Zink Bestandteil der Knochen. Es befindet sich an Eiweiß
gebunden in der Grundsubstanz (Plasma) der Zellen und ist all
in einigen Hormonen enthalten. Man vermutet, dass Zink bei der
Speicherung des Insulins eine Rolle spielt (Insulin regelt als
Hormon die Zuckerkonzentration des Blutes). In Teilen des Auges
wurden ebenfalls hohe Zinkkonzentrationen festgestellt: Zink-
Eiweiß- Komplexe sollen an photochemischen Prozessen in
der Netzhaut beteiligt sein. Schließlich werden zahlreiche
Enzyme durch Zink aktiviert. Zink wird als freies Ion resorbiert.
Vitamin D3 verbessert die Resorption. Phytinphosphor
verringert sie. Der Körper verfügt über zahlreiche
Möglichkeiten, Zink zu speichern. In der Leber, ferner in
der Bauchspeicheldrüse, in der Niere und in der Milz wird
Zink kurzfristig gespeichert, während Knochen und rote Blutkörperchen
die langfristige Bindung von Zink übernehmen. Zinkmangel
hat schwerwiegende Symptome zur Folge: Wachstumsstörungen,
schlechte Futterverwertung, Verminderung der Enzymaktivität,
Hautschäden. Zu hohe Zinkzufuhren führen allerdings
ebenfalls zu Gesundheitsschäden: Fortpflanzungsstörungen,
Beeinträchtigung des Ga P Stoffwechsels usw.
Molybdän (Mo)
Molybdän ist lebensnotwendig, da es in einigen Enzymen enthalten
ist. Der Bedarf ist allerdings äußerst gering. Anders
als die übrigen Metall-Ionen wird Molybdän nicht als
Kation Mo2+, sondern als Anion (MoO4)2
resorbiert. In dieser Form wird es gut aufgenommen, aber auch
schnell wieder über die Niere abgegeben. Beim Geflügel
ist Mo an der Harnsäurebildung beteiligt. Zu hohe Molybdängaben
über das Futter führen zu Vergiftungen.
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