Artikel 36
Ein Wochenende in England.

Hans- Jürgen H. Lenk DSV Nr. 749 (09.2006)

Wenn ein Wellensittichzüchter in England ein Wochenende verbringt, hat das in den meisten Fällen etwas mit seinem Hobby zu tun. So auch bei mir.
Im Februar 2006 erhielt ich eine Mail von Ghalib Al - Nasser, mit welcher er mir anbot, am 10.September 2006 auf der Croydon B.S. Championship Show ("CROYDON CHAMPAGNE CLASSIC OF THE SOUTH") zu richten. Die Schau sollte in der Centenary Hall, Wheelers Lane, Smallfield, Surrey, ein Ort in der Nähe von London, durchgeführt werden.
Ich hatte schon einmal 1998 auf der London & S.C.B.S. richten dürfen. So konnte ich gut abschätzen, was mich dort erwarten würde.
Wenn man weis, dass in England etwa 220 offiziell anerkannte Preisrichter zum Richten für eine solche Schau zur Verfügung stehen und die einzelnen Distriktverbände nur jedes zweite Jahr einen fremdländischen Preisrichter nach vorheriger Genehmigung der Budgerigar Society einladen dürfen, ist das schon ein besonderes Angebot. Auch muss dieser Preisrichter von der WBO (World Budgerigar Organisation) anerkannt sein. Was bei mir zutrifft.

Nach Überprüfung meiner Zeitplanung konnte ich zusagen und am 09.04.2006 über das Internet meinen Flug von Düsseldorf nach London buchen. Eine frühe Buchung ist sehr oft maßgebend für die Höhe des Flugpreises.

Folgenden Flug konnte ich buchen.
Hinflug
Abflug Düsseldorf
............am 09.09.2006 um 18:30, ............Ankunft London - Heathrow um 18:55
Rückflug
Abflug London - Heathrow am 11.09.2006 um 17:30,
.............Ankunft Düsseldorf ............um 19:50
England hat zu Deutschland eine Zeitverschiebung von einer Stunde.

Es war ein Flug mit der Lufthansa in der Economy - Clans. Die reinen Flugkosten betrugen 8,- €. Dazu kommen
82,- €. Steuern und 30,- €. Ticketgebühr. (Obwohl ich gar kein Ticket bekommen habe) So das ich für den Hinflug und Rückflug insgesamt 120,- €. bezahlen musste. Das ist schon sehr preiswert.

Von Köln hätte ich noch wesendlich billigere Flüge bekommen können. Da dort mehrere Billig- Fluggesellschaften angesiedelt sind und die Flughafensteuern wesentlich geringer sind. Der Nachteil hier ist die schlechte Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln von meinem Wohnort.

Ganz neu war für mich, dass ich für diesen Flug kein Ticket zu geschickt bekam. Entsprechend der
E-Mail - Buchungsbestätigung brauchte ich am Einscheckschalter nur meinen Ausweis und die Reservierungsnummer an zu geben um meine Bordkarte zu erhalten. Obwohl ich in meinem Berufsleben, letztlich noch vor etwa 7 Jahren, sehr oft geflogen bin, über lange Jahre mindestens etwa 1mal im Monat und das weltweit, fühlte ich mich doch etwas unwohl. Ich musste jedoch feststellen, dass alles reibungslos abgelaufen ist.
Unangenehm sind in der heutigen Zeit die aus Sicherheitsgründen erforderlichen Einschränkungen. So darf man keine Flüssigkeit im Handgepäck mitführen. Selbst Zahnpasta ist verboten. Da die maximale Breite des Handgepäcks nur 13 cm betragen darf, ist man gezwungen bei Reisen mit mindestens einer Übernachtung sein Gepäck auf zu geben. Was einen erheblichen Zeitaufwand bedeutet. In Düsseldorf verlief der Körperscheck relativ normal. In London waren drei Scheckreihen. An zwei Reihen sah ich die Leute ihre Schuhe ausziehen und diese mit allen möglichen Dingen wie Jacken, Gürtel mit Stahlverschlüssen, Geldbörsen usw. in eine Plastikbox legen, welche dann durchleuchtet wurden. In der dritten Reihe hatten alle noch ihre Schuhe an. Ich dachte mir, dass diese Reihe angenehmer sei und stellte mich dort an. Leider blieb es auch mir nicht erspart meine Schuhe aus zu ziehen.

Besuch bei verschiedenen Wellensittich Züchtern.
Ghalib hatte für mich einige Besuche bei englischen Züchtern vereinbart. Gleich nach der Ankunft sollte ein Besuch bei Frank Silva erfolgen. Leider hatten wir etwas Pech was unseren Zeitplan anbelangte. Wir hatten uns verständigt, dass ich mich per Handy melden sollte, wenn ich an der Gepäckausgabe bin, um einen Treffpunkt aus zu machen. Das klappte auch sehr gut. Ghalib sagte mir, dass er kurz vor dem Flughafen sei und in etwa zwei Minuten eintreffen würde. Nach 10 Minuten rief er mich an, und teilte mir mit, dass er etwa zwei Kilometer vor dem Flughafen im Stau stände. Aus den ursprünglichen zwei Minuten wurde am Ende fast eine Stunde. So kamen wir mit etwa einer dreiviertel Stunde Verspätung bei Frank Silva an.

Besuch bei Frank Silva

Frank Silva hat in England bezogen auf seine Wellensittiche einen ähnlichen Ruf wie Jo Mannes bei uns in Deutschland. Im Gegensatz zu Jo Mannes verdient er jedoch überwiegend sein Geld mit der Betreibung von Altenheimen. Er bewohnt ein Grundstück mit einem typisch englischen Haus, in dessen Garten sein Haupt- Vogelhaus untergebracht ist. Welches ich besichtigen konnte. Es stehen dort 80 Zuchtboxen für die Brut zur Verfügung. Hier werden die so genannten "Normalen" gezüchtet. Nicht weit von diesem Ort entfernt hat er in einem seiner Gebäude eine weitere Voliere, wo er mit 100 Zuchtboxen züchten kann und da werden die in Deutschland unter dem Sammelbegriff "Schwierige Farben" gezüchtet. Diesen Ort habe ich aus Zeitgründen leider nicht aufsuchen können.

Frank hatte vor meinem Besuch noch einen Termin zu erfüllen und verspätete sich auch etwas. In der Zwischenzeit wurden wir mit Tee und Gebäck versorgt. So gingen wir erst relativ spät zu den Vögeln. Ich konnte feststellen, dass sowohl Frank als auch seine ganze Familie sehr gastfreundlich und äußerst nette Menschen sind. Ghalib hatte mir gesagt, dass Frank nicht will, dass man in seinem Vogelhaus Fotos macht. Was ich sehr bedauerte. Deshalb habe ich meinen Fotoaperrat im Auto gelassen.
Bevor man in das Vogelhaus gelangt, musste man durch ein Desinfektionsbad gehen. Das scheint, wegen des vor zwei Jahren in England ausgebrochenen Virus, aus Sicherheitsgründen auch sehr sinnvoll. In dem Vogelhaus sind die schon erwähnten Zuchtboxen, drei Flugvolieren und ein so genannter Babykäfig (fahrbar) für frisch abgesetzte Jungvögel untergebracht. Der im Türbereich einer der Flugvolieren abgestellt war und immer verschoben werden musste, wenn man in die Flugvoliere schauen oder einen Vogel heraus fangen wollte, weil der Platz vor den Flugvolieren in der Höhe auch zur Hälfte durch hier angeordneten Stauraum und Boxen genutzt wurde. Diese fahrbaren so genannten Babykäfige findet man in fast allen englischen Zuchträumen. Außenvolieren waren keine vorhanden.
Ich denke, wenn die Zuchtboxen in ihren Abmessungen und Anordnung etwas günstiger ausgelegt würden, könnte man den zur Verfügung stehenden Raum besser nutzen. In dem vom Eingang rechten Bereich des Vogelhauses, den Zuchtboxen gegenüber liegend war die Flugvoliere für Altvögel. In dem linken Bereich lagen die Zuchtboxen auf der anderen Seite und gegenüber, die Flugvoliere für die Jungvögel. Neben dem Eingang auf der linken Seite, in der dort angeordneten Flugvoliere, waren die Verkaufsvögel untergebracht. Alle Flugvolieren hatten anstatt der üblichen Drahtbegrenzung in Rahmen gefasste sengrecht angeordnete Edelstahlstäbe. Diese verhindern ein Zerstoßen der Schwanzfedern an den Wellensittichen.
Einige Zuchtboxen waren besetzt. Dort sah man auch einige Wellensittiche mit den so genannten Federproblemen. Das könnte natürlich auch ein Mauserzustand gewesen sein. Ich habe Frank darauf hin nicht angesprochen. Wenn man in die Flugvolieren schaute, konnte man trotz der Mauser eine Reihe von guten Wellensittichen sehen. Besonders die Dunkel- Faktorien waren von herausragender Qualität.
Frank fing einige seiner Supervögel heraus und setzte sie in einen Schaukäfig, damit ich sie mir besser ansehen konnte. Besonders beeindruckt war ich von einem hellgrünen A- Schecken Hahn und einem Graugrünen Spangle Hahn. Auch zeigte er mir zwei Vollrundhauben in einer Qualität und Größe wie ich sie noch nicht gesehen hatte.
In der Jungvogel- Flugvoliere gefiel mir besonders ein graugrüner Hahn, etwa ein halbes Jahr alt, der auch im Schaukäfig sein volles Potenzial zeigte.
Wenn Wellensittichzüchter sich in einem Vogelhaus treffen, sich Wellensittiche anschauen und darüber diskutieren, dann vergeht die Zeit wie im Flug. So auch an diesem Abend. Da es in der Zwischenzeit schon sehr spät geworden war, musste auch dieser Besuch enden und Ghalib brachte mich zu meinem Hotel.
Am nächsten Tag sollten sowohl Frank Silva als auch ich auf "CROYDON CHAMPAGNE CLASSIC OF THE SOUTH" richten.

Die "CROYDON CHAMPAGNE CLASSIC OF THE SOUTH" Schau
Ich habe die nachfolgenden Angaben etwas ausführlicher gemacht, damit sie von interessierten Züchtern mit in Deutschland durchgeführten Schauen verglichen werden können.

Es war eine Eintagesschau.
Das Standgeld betrug ½ £ pro Käfig, ab dem 10 Käfig brauchte man kein Stangeld bezahlen. Der Eintritt kostete
1,50 £. Für Kinder unter 12 Jahren war er frei. Der Katalog kostete 1,50 £.
Die Wellensittiche konnten am Samstag zwischen 19,30 und 21.00 Uhr und am Sonntag zwischen 8,00 und 9,15 Uhr eingeliefert werden.
Richtbeginn war für 10,00 Uhr angesetzt. Richtende sollte 14,00 Uhr sein. Danach sollte die Schau für Besucher geöffnet werden. Die Auslieferung der Käfige war für 16,45 Uhr vorgesehen.
Um diesen Zeitplan sicher einhalten zu können, hatte man 5 Preisrichter eingeladen.
Neben den üblichen gewinnen an Diplomen, Pokalen, Rosetten, Sachwerten und Geldpreisen zwischen 2,- bis 30,-£ konnten auch zwei Flaschen Champagner auf dieser Schau gewonnen werden. Eine Flasche erhält der Aussteller, der die meisten Wellensittiche ausstellt. Die Andere, der mit den meisten ersten Plätzen. Aus der Vergabe der Champagnerflaschen wurde der Name "CROYDON CHAMPAGNE CLASSIC OF THE SOUTH" abgeleitet. Fast alles wurde speziell für diese Schau gespendet
Gemeldet waren 558 Käfige von 43 Ausstellern. Eingeliefert wurden jedoch nur etwa 350 Wellensittiche. Es gab keine Teams. Paare werden in England nicht ausgestellt. In der Verkaufsklasse standen 11 Käfige. Diese Wellensittiche wurden für einen Preis zwischen 15,-£ und 20,-£ angeboten.

Zum Richten wurden die folgenden 5 Preisrichter eingeladen.
Geoff Bowley, Bill Hough, Malcolm Hough, Frank Silva und Hans - Jürgen H. Lenk

Gerichtet sollte nach dem zurzeit in England gültigen Standard WS werden, wie er auch in der DSV gültig ist. Die Standardbeschreibung entspricht im Wesentlichen auch der, der DSV. Nur die Klassenaufteilung ist hier anders. Was jedoch jedem Preisrichter keine Schwierigkeiten machen sollte. Mann muss aber wissen, dass die Bewertung von Fehlern etwas anders gehandhabt wird. So gibt es zum Beispiel in England nur zwei Gründe nach denen ein Wellensittich disqualifiziert werden kann.

1. Ein Wellensittich hat Räude, auch als Schnabelschwamm bekannt.
2. Ein Wellensittich gehört zu den so genannten Langflügeln.

Bei einer Disqualifikation spricht man sich mit seinen Preisrichterkollegen ab.
Alle anderen Abweichungen vom Standard und der Schaukondition sollen als Fehler vom Preisrichter eingeschätzt und berücksichtigt werden. Wobei die Wertung für die einzelnen Fehler nicht so detailliert festgelegt ist wie bei uns.
So kann, was bei uns theoretisch nicht möglich sein sollte, zum Beispiel ein Spangle ohne Kehltupfen, wenn er sonst von hervorragender Qualität ist, Schausieger werden.
Ich hatte die Graugrünen, blaue Opaline, Dominanten Schecken (wobei hier die Australischen und Holländischen zusammen gefasst sind) zu richten. Darüber hinaus auch noch den besten Intermediate Altvogel und den besten Junior Jungvogel. (Die beiden letzten Auszeichnungen sind bei uns (DSV) nicht üblich.)

Die Schausieger:
den besten der Schau                                              1.0 Spangle graugrün Züchter: A. Wyness
den besten Altvogel der Schau                                  1.0 Spangle graugrün Züchter: A. Wyness
den besten Jungvogel der Schau                               1,0 Lutino Züchter: B. & K. Scott
den besten Altvogel Gegengeschlecht der Schau        0,1 Hellgrün Züchter: A. Wyness
den besten Jungvogel Gegengeschlecht der Schau     0,1 Zimt graugrün Züchter: Smith & Gage
das beste Gegengeschlecht der Schau                      0,1 Hellgrün Züchter: A. Wyness  (wurde von allen
                                                                                   5 Preisrichtern gerichtet.)

Die Qualität der ausgestellten Wellensittiche war wie auf einer ähnlichen Schau bei uns. Allerdings kamen mir die WS in der Spitze etwas Größer und Gröber im Gefieder vor. Das war mir auch schon bei einigen Wellensittichen von Frank Silva aufgefallen. Für mein Verständnis sehen sie dadurch nicht mehr ganz so harmonisch aus. Auch hatten, wie auf unseren Schauen auch häufig zu sehen, viele der meist besten Normalen am Hals das so genannte Opalisieren oder den Pigmentausfall.

Nach meinem Dafürhalten wurde das Opalisieren durch die Verpaarungen der Normalen mit den so genannten Pracht- Opalinen eingeschleppt. Das sind die Opaline bei denen die Grundfarbe vom Körper am Hals bis zur Maske durchgeht. Der überwiegende Teil der heute ausgestellten Opaline sieht so aus und entspricht in seiner Farbeverteilung leider nicht der, wie sie im Standard gefordert wird. Die Opaline sollen einen sauberen aufgehellt gelben Hals in der Grünreihe und einen sauberen aufgehellt weißen Hals in der Blaureihe haben. Den Pigmentausfall am Hals haben wir uns nach meinen Reschärschen durch eine bestimmte Sorte der Spangle eingeschleppt und durch wiederholtes Verpaaren von Wellensittichen mit dem gleichen Fehler gefestigt.

Es wurden wie auch auf Schauen bei uns alle Käfige die zu einer bestimmten Auswertung, wie sie für die Sieger der Schau benötigt werden, in einem separaten Bereich aufgestellt. Die Preisrichter hatten jedoch hier die Gelegenheit, durch Umstellen der Käfige einen besseren Vergleich zu erhalten. Was bei manchen WS sicher für eine gerechte Bewertung von Vorteil war.
Gewonnen hatte mit 5 Preisrichterstimmen ein graugrüner Spangle Hahn. Dieser hatte eine super Qualität und ein ausgezeichnetes Schauverhalten. Bei den übrigen Schausiegen (Ergebnis siehe unter Schausieger) waren die Meinungen der Preisrichter nicht so geschlossen.
Alle Richtauswertungen wurden von einem Team der Schauleitung von Hand gemacht. Die Informationen in den Schauunterlagen sind bei Weitem nicht so umfangreich wie sie bei Schauen, die z. B. unter DSV- Richtlinien durchgeführt, gegeben werden. In den Schauunterlagen und dem Katalog ist bei manchen Siegern nicht einmal zu erkennen, welche Farbe der entsprechende WS hat. Auch der Katalog ist was Information und Aufmachung anbelangt weit von unserem Standard entfernt.
Es stellt sich allerdings für mich die Frage, ob das englische System mit einigen, wenigen Zusatzinformationen nicht auch bei uns ausreichend sein könnte, ins besondere wenn es sich um eine Eintagesschau handelt. Allerdings sollten auch die wenigen Informationen wie bei uns üblich mittels Computer verarbeitet und erstellt werden.

Als sehr angenehm empfand ich dass sich die Preisrichter vor dem Richten mit einer Tasse Tee oder Kaffee in einem separaten Raum versammeln (wer noch nicht gefrühstückt hatte, konnte auch noch etwas essen) und sich dabei ein wenig besser kennen lernen konnten. Auch empfand ich es als sehr gut, das alle Preisrichter beim Mittagessen an einem Tisch saßen und hier die Gelegenheit bestand sich aus zu tauschen und nette Anekdoten über einige bekannte Züchter und Preisrichter zu erfahren.
Durch das nach dem Essen folgende Interview und der Tatsache, dass ich von vielen Ausstellern angesprochen wurde, wobei ein sehr interessanter Meinungsaustausch über unser Hobby statt fand, war die Zeit so schnell vergangen, dass ich gar nicht mehr dazu gekommen war Fotos von der Schau und den Wellensittichen zu machen. Das war zwar ärgerlich für mich aber leider nicht mehr zu ändern.
Innerhalb einer halben Stunde waren alle Wellensittiche kontrolliert ausgeliefert. Nach einer weiteren dreiviertel Stunde waren auch alle Holzregale abgebaut und in einem Container neben der Halle verstaut. Die Ausstellungshalle war leer. Wie auch auf Schauen bei uns wurden diese Arbeiten vom harten Kern des Veranstalters durchgeführt. Da Janice, die Ehefrau von Ghalib, Show Manager war, war es selbstverständlich, dass wir bis zum Schluss blieben.

Eine schöne Art danke zu sagen.

 

Bei Schauen in England ist es üblich, dass die Preisrichter ein Gastgeschenk erhalten.

2006 erhielt ich eine Tasse mit einem Bild des Australischen Schecken. Das war auch eine der Mutationen welche ich zu richten hatte.

Anlässlich meiner Richteinladung 1998 von der London & S.C.B.S. erhielt ich eine Uhr mit Bildern von Australischen Schecken. Auch in dem Jahr hatte ich das Vergnügen die Australischen Schecken zu richten

 

Neues Trinkröhrchen für Ausstellungskäfige.

 

Auf dieser Schau hatte ich die Gelegenheit die in England neu entwickelten Trinkröhrchen im Gebrauch zu sehen. Sie wurden zwischen der dritten und vierten Käfigstange eingebracht. Ich finde sie wesentlich hygienischer wie die zurzeit bei uns genutzten Naschnäpfe. Weil jetzt kaum Wasser in das Futter gelangen kann und es unwahrscheinlicher wird, dass das Wasser durch die darüber angeordneten Käfige kontaminiert werden kann. Für die Schauorganisatoren wird die Versorgung mit Wasser allerdings wesentlich aufwendiger.

Die tatsächliche Größe entspricht in etwas der bildlichen Darstellung.

Das Interview
Von Jim Wright, einem freien Journalisten erhielt ich kurz vor meiner Abreise eine E- Mail. Er hatte gehört, dass ich an dem besagten Wochenende nach England komme und wollte gerne mit mir ein Interview über die bei mir aufgetretene Mutation, den Anthrazit machen. Ich sagte zu und bat ihn sich mit Ghalib in Verbindung zu setzen, da er am besten beurteilen konnte, wann ich Zeit dafür hätte und wo das Interview stattfinden könnte. Ausgemacht wurde: Es sollte am Sonntag um 3.00 Uhr in einem Nebenraum der Ausstellungshalle abgehalten werden.
Das Interview dauerte etwa eine dreiviertel Stunde. Jim hatte sich eine Reihe von Fragen aufgeschrieben, die er von mir beantwortet haben wollte. Das Interview sollte in der Cage Birds, einer in England wöchentlich erscheinenden Vogelzeitschrift, veröffentlich werden. Ich bin gespannt wie das Ergebnis dieser Befragung ausgegangen ist. Ob ich meine Antworten auch wieder erkennen werde. In Deutschland habe ich nicht die besten Erfahrungen mit solchen Interviews gemacht. Zum Schluss machte er noch einige Fotos von mir und damit war unser Zusammentreffen beendet.

Besuch bei Janice und Ghalib Al- Nasser

 

Janice und Ghalib Al- Nasser sind zwei äußerst liebenwürdige Menschen. Ich habe zuvor noch kein Ehepaar kennen gelernt, das sich so stark in ihrem Hobby ergänzt. Sie müssen sich gesucht und gefunden haben. Beide sind anerkannte Fachleute und internationale Preisrichter. Sie haben in dem Englischen Wellensittichverband und in vielen Distrikt- Verbänden schon alle möglichen Ämter bekleidet. Ihr Lebensinhalt ist die Wellensittichzucht und alles was damit zu tun hat. Ghalib ist auch Sekretär des WBO. Dass sie auch wissen, wie man gute Wellensittiche züchtet, kann man bei der Besichtigung ihres Wellensittichstammes erkennen. Ghalib ist weltweit bekannt als Spezialist von den bei uns unter dem Nahmen "Schwierige Farben" geführten Mutationen und besonders für Rezessive Schecken.

Wenn man heute sein Vogelhaus betritt wird man jedoch keinen Rezessiven Schecken sehen. Er hat vor einiger Zeit aufgegeben sie zu züchten. Natürlich beschäftigt er sich immer noch mit den schwierigen Farben, das sind zurzeit Hauben, Hellflügel, Schiefer, Clearbodys und Sattelbecks. Er ist etwas traurig über seine einseitige Einstufung. Da er auch bemüht ist, die so genannten Normalen in guter Qualität zu züchten. Was man später in den gezeigten Bildern auch feststellen kann. Es ist allerdings Tatsache, dass in einer Zucht, in der man sich auch auf die Verbesserung der so genannten "Schwierige Farben " konzentriert, eine Reihe von Spaltvögeln vorhanden sein müssen die auf den ersten Blick das Algemeinbild bezogen auf die Qualität der Normalen etwas verwässern. Da muss man schon genauer hin schauen um die Qualität der echten "Normalen" zu erkennen. Auf Ausstellungen gewinnt er oft mit den Mutationen der "Schwierige Farben". Leider ist ihm mit den Normalen noch kein Schausieger gelungen. Ich bin aber überzeugt, dass dies in der nächsten Zeit geschehen wird.

Ghalib hatte mir schon bei der Einladung geschrieben, dass ich bis auf die Nacht vor dem Richten, bei ihm wohnen sollte. Er hatte mir Angeboten, meinen Besuch noch etwas ausgedehnter zu gestallten. Ich wollte aber nur zwei Nächte von zu Hause weg sein.
Nach den Regeln in England, darf ein Preisrichter nicht in dem Haus eines Ausstellers vor der Schau sein. Obwohl ein guter Preisrichter sich von nichts beeinflussen lässt und immer nur das richtet was auf einer Schau vor ihm steht, kann mit solch einer Regel eine unnötige Spekulation vermieden werden. Jetzt kennen sie auch den Grund warum ich in der ersten Nacht im Hotel übernachtet habe.

Janice und Ghalib Al- Nasser leben in einem typischen englischen Doppelhaus mit großem Garten in einem Vorort von London. In diesem Garten haben sie ihr großes Vogelhaus gebaut. Es hat auch zwei große mit durchsichtigem Kunststoff überdachte Außenvolieren, die aber von den Wellensittichen nur sehr wenig genutzt werden. Davon konnte ich mich selber am Montagmorgen nach einem vorzüglich von Janice zubereiteten englischen Frühstück überzeugen. (Ich war schon sehr oft in England, doch dies war das Beste, das ich je gegessen habe.) Wir hatten vor dem Frühstück noch etwas Zeit, so konnte ich in der Morgensonne das Treiben an dem im hinteren Teil des Gartens angeordnete Vogelhaus beobachten. Von den etwa 450 Wellensittichen wagten sich nur 8 nach Draußen. Ghalib sagte, das er bei einem Neubau keine Außenvolieren mehr bauen würde. Bei Sonnenschein werden sie nur wenig genutzt.

 

Nur bei schlechtem Wetter wagen sich einige nach Draußen.
Auf meine Frage, ob er Schwierigkeiten wegen des zweifellos vorhandenen Lärmst den die Wellensittiche machten mit den Nachbarn hätte sagte Ghalib, das er in dieser Beziehung nichts zu befürchten hätte.
Im Gegenteil, sie erfreuen sich an seinen Wellensittichen und beschweren sich wenn ihnen die Sicht durch zu hoch gewachsene Sträucher genommen wird.
Das Layout seines Vogelhauses ist in der Art ausgelegt, wie man es in den meisten Zuchtanlagen anfindet. Auf der einen Seite sind die Zuchtboxen (40 Stück) und auf der anderen Seite die Innenflüge (2 Stück) angeordnet. Davor die Außenflüge.

Bilder von der Zuchtanlage.

 

 

Blickrichtung von Hinten zum Eingangsbereich.
Zu sehen sind neben Ghalib auch ein Träningskäfig
und der fahrbare Babykäfig.
 

Blickrichtung vom Eingang nach Hinten. Vor dem
fahrbaren Babykäfig (Dreistöckig) ist ein Futterwagen zu sehen.

 

 

Blick in einen der Innenflüge. Dieser ist, wie zu
sehen, etwas überbelegt.

Blick vom Eingangsbereich entlang der Zuchtkäfige bis
zum hinteren Ende.

Ghalib hat für einen Zuchtkollegen einen seiner Innenflüge zur Verfügung gestellt, da dieser umgezogen war und sein neues Vogelhaus noch nicht fertig ist. Da mussten seine Wellensittiche schon etwas zusammenrücken.
Zusätzlich zu der Zuchtwand wurden noch 6 Zuchtboxen auf der Seite der Innenflüge platziert. Wie auf einem der Bilder zu erkennen ist. Am Eingang auf der linken Seite ist eine Spüle mit Wasseranschluss angeordnet. Hier sind auch noch Schränke mit Stauraum vorhanden.
Auf den vorstehenden Fotos ist auch zu erkennen, dass sich für das Wohlbefinden der Wellensittiche eine andere Farbe der Leuchtstoffröhren anbieten würde. Der hier vorhandene Gelbton ist für ein Wachstum von Pflanzen gut geeignet. Doch Wellensittiche fühlen sich wohler bei Leuchtstoffröhren mit Tageslicht. Wegen der bei Ghalibs Zuchtanlage vorhandenen großen Fenster, kommt das allerdings nur an den dunklen Wintertagen zur Geltung. Ich bin überzeugt, dass bei einer Beleuchtung, die dem Tageslicht entspricht eine bessere Befruchtung erreicht werden kann.

Eine interessante Gegebenheit.

Ghalib hatte versucht von dem in dieser Zuchtbox untergebrachten Paar Junge zu erhalten.
In zwei Bruten waren alle gelegten Eier unbefruchtet. Durch Unterlegen von befruchteten Eiern eines anderen Paares und aufziehen einiger weniger Jungen wollte er das Paar beeinflussen ihre Eier auch zu befruchten. Nach dem das letzte Junge von den untergelegten Eiern fast selbständig war, entfernte er den Nistkasten mit dem Hahn und lies die Henne mit dem Jungen allein.
Kurz darauf legte die Henne ohne Hahn nochmals 5 Eier in den am Boden der Zuchtbox aufgestellten Schutzkasten. Wie auf einem der Bilder zu erkennen ist waren zwei der fünf Eier befruchtet wo von eins davon schon geschlüpft ist.
Vor Jahren habe ich eine Versuchsreihe gemacht, um festzustellen wie viele Eier nach dem entfernen eines Hahnes noch befruchtet waren. In allen Fällen waren es nicht mehr als zwei Stück. Der vom Hahn abgegebene Samen reichte nur für Befruchtungszeitraum für Zwei Eier. Was hier auch bestätigt wird. Deswegen ist es mir unverständlich, wie manche Autoren in ihren Berichten angeben, dass nach Entfernung des Hahnes von einem Zuchtpaar noch ein ganzes Gelege befruchtet war.

 

 

Schutzkasten für zu früh aus dem Nistkasten
gefallene Junge. Im Fordergrund liegt die Eischale
von dem geschlüpften Jungen

Die Henne bebrütet im Schutzkasten das von ihr dort abgelegte Gelege.
 

 

 

 Die Henne verlässt das Gelege.

 

Das ein Tag alte Junge mit den restlichen vier Eiern von denen nur noch ein Ei befruchtet ist. Was man an der Farbe erkennen kann.

Es ist sehr befriedigend, dass man in unserem schönen Hobby, der Beschäftigung mit Wellensittichen, immer wieder überrascht werden kann. Und besonders dann, wenn so eine Überraschung positiv ist. Aber auch negative Überraschungen versetzen uns in die Lage, Vorgänge in unserem Hobby besser zu verstehen.

Bilder von einigen Wellensittichen.
Nachfolgend einige Bilder von Wellensittichen aus dem Wellensittichzuchtstamm der Zuchtgemeinschaft Janice und Ghalib Al- Nasser. Wobei ich überwiegend Aufnahmen von Normalvögeln gemacht habe.

Die 1,0 Spitzhaube hellblau und der 1,0 Hellflügel dunkelgrün und ein 1,0 Hellflügel hellblau, wurden auf der vorher beschriebenen Schau Farbgruppensieger. Diese Siege sind für die Zuchtgemeinschaft Janice und Ghalib Al- Nasser nichts Besonderes. Das kann man immer wieder feststellen, wenn man die Schauergebnisse von in England durchgeführten Schauen vergleicht.

 

 

 

 Spitzhaube hellblau

 1,0 Hellflügel dunkelgrün

 1,0 Violett

 1,0 Graugrün von 2006

 

 

 

 

 1,0 Opalin hellgrün

 1,0 Spangle dunkelblau

 1,0 Opalin dunkelblau

 1,0 Opalin dunkelblau

 

 

 

 

 1,0 Hellgrün

 0,1 Dunkelblau

  1,0 Grau

0,1 Opalin graugrün von 2006

Die Dunkelblaue Henne hat ein enorm grobes und langes Gefieder. Sie stammt von den später bei Fred Wright beschriebenen Wellensittichen von der Zuchtgemeinschaft De Beer ab.
Die Opalin graugrüne Henne ist eine Tochter des abgebildeten Opalin hellgrün Hahnes.

Wie man aus vorstehend abgebildeten Fotos ersehen kann, hat die Zuchtgemeinschaft Janice und Ghalib Al- Nasser die erforderliche Voraussetzung auch Schausieger in Normal zu produzieren.

Besuch bei Fred Wright
Der Besuch bei Fred Wright war am Montag vor meiner Rückreise vorgesehen. Fred wohnt etwa eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto von Ghalib entfernt. Wie in England üblich beginnt jeder Besuch mit einer Tasse Tee oder Kaffee mit dem dazugehörigen Gebäck und natürlich mit einem Gespräch über Wellensittiche und im Hobby interessante Begebenheiten. Fred und ich kennen uns schon seit etwa 25 Jahren. Zuletzt hatte ich ihn vor 8 Jahren gesehen. Ich war gespannt wie er sich in dieser Zeit gehalten hatte. Ich hatte den Eindruck, dass er etwas an Gewicht verloren hatte. Ansonsten konnte ich äußerlich keinen Unterschied zu damals feststellen. Etwas befremdet war ich jedoch darüber, dass er auf meine Frage ob ich fotografieren dürfte, mir antwortete, dass ich alles bis auf seine Wellensittiche fotografieren könnte. Diese Antwort hatte ich nicht erwartet.

So machte ich nur das eine, nebenstehende Foto auf welchem er in seiner Zuchtanlage zu sehen ist. Fred hatte ursprünglich eine Zuchtanlage in welcher an der Rückwand die Zuchtboxen und daneben an den beiden Seitenwänden die Innenflüge postiert waren, woran anschließend je ein großer Außenflug angeordnet war. Schon vor 8 Jahren hatte er aus einem der beiden Außenflüge zwei Innenflüge gemacht. Er war auch zu der Erkenntnis gekommen, dass seine WS die Außenflüge nicht richtig nutzen würden. Den zweiten Außenflug wollte er später auch noch als Innenflug umbauen.
Auf dem Foto ist jetzt zum Teil zu sehen, was er in der Zwischenzeit in seinem Vogelhaus umgebaut hat. Beide Innenflüge im Zuchtraum wurden entfernt. An dessen Stelle wurden zusätzliche Zuchtboxen eingesetzt.


Den zweiten Außenflug hat er nicht wie ursprünglich geplant auch als Innenflug umgebaut. Er wurde in zwei Teile geteilt. In einem hält er Kanarien. In dem Anderen hatte eine Eule sein Zuhause gefunden.

Auf den beiden folgenden Bildern ist zu sehen, wie die Zuchtanlage bei meinem Besuch am 18.06.1990 vor dem Umbau ausgesehen hat.
 


Fred war einer der Leitragenden des vor etwa vor drei Jahren in England aufgetretenen Virus. Eingeschleppt wurde dieser Virus von einem Importier, welcher große Mengen Wellensittiche auch aus Asien einführt und auch im Innland alles was ihm angeboten wird Preiswert aufkauft.
Nahezu Freds ganzer Zuchtstamm, damals stark von Mannes abstammend, wurde innerhalb kurzer Zeit vernichtet. Er hat jetzt schon wieder eine größere Menge von Wellensittichen von ansprechender Qualität. Einige konnte ich im Schaukäfig bewundern. Hervorstechend war ein graugrüner Opalin Hahn, welcher nicht nur ein guter Wellensittich war. Er entsprach auch nahe zu der Musterbeschreibung für die Opaline. Dieser Wellensittich stammt aus der Zucht des bekannten englischen Züchter und WS- Standard- Modelbauers Rodney Harris.
Ungewohnt für mich waren auch einige besonders große und buffige Normale, mit besonders langem Schwanz. Dieser ist so lang, dass er bei normalen Sitz auf der Stange des Schaukastens noch einige Zentimeter auf der Bodenfläche umknickt. Die Ausgangswellensittiche von diesen WS hat Fred von Süd Afrika importiert. Sie stammen von der dort bekannten und erfolgreichen Zuchtgemeinschaft De Beer. Fred hält sich in den letzten Jahren sehr häufig in Süd Afrika auf. Für seine nächste Reise hat er schon die Flugkarten bestellt. Er findet dieses Land besonders reizvoll und würde dort gerne leben. Da ich frühzeitig zum Flughafen fahren musste um meinen Flug sicher zu ereichen, was bei den englischen Straßenverhältnissen nicht immer einfach ist, mussten wir uns von Fred verabschieden.
Auch dieser Besuch war interessant für mich und hat mein Verständnis für unser schönes Hobby bereichert.

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