Artikel 42
Praktische Hinweise für eine künstliche
Befruchtung bei Wellensittichen.
Hans - Jürgen H. Lenk DSV 749 (06.2008)
Dieser Artikel ist eine Ergänzung
zum
Artikel 30, Künstliche
Befruchtung bei Wellensittichen
Alle
theoretischen Voraussetzungen für eine künstliche Befruchtung bei
Wellensittichen habe ich in meinem Artikel
30, Künstliche Befruchtung bei
Wellensittichen bereits aufgeführt. Dieser Artikel sollte deshalb
unbedingt durchgelesen werden, bevor man sich in das Vergnügen b.z.w.
Abenteuer mit den folgenden praktischen Zusatzinformationen in die
Durchführung einer künstliche Befruchtung stürzt.
Neu sind hier die detaillierten,
praktischen Hinweise.
Eine große Hilfe für meine Versuche habe ich
aus dem Videofilm über den von Dr. Bob Cave, vor Mitgliedern des „
American Budgerigar Society. Inc“, gehalten Vortrag (Künstliche
Befruchtung) erhalten. Dieser
Videofilm wird von der „ American Budgerigar Society. Inc “
vertrieben. Mein Exemplar ist leider, was die Bild - Qualität und
Aufnahmetechnik anbelangte, sehr schlecht. Der Textinhalt ist in
englischer Sprache und einigermaßen deutlich zu verstehen.
Glücklich war ich darüber, dass der Bereich
über einen Befruchtungsvorgang mehrmals auch bildlich aufgenommen wurde.
So konnte ich zwar mit großer Mühe, aus einigen der in diesem Videofilm
zusehende Bildabläufen, 7 Einzelbilder separieren. Diese Bilder sind hier
in der Folge dargestellt. Sie sind sehr gut geeignet, den Ablauf für eine
künstliche Befruchtung verständlich zu machen.
Bilder sagen eben mehr aus, als ein noch so detailliert
geschilderter Text.
Eine künstliche Befruchtung bei
Wellensittichen ist, wenn man nach einigen Übungen weiß wie es geht und
sich dabei nicht gerade ungeschickt anstellt, relativ einfach durch zu
führen. Sie wird aber mit Sicherheit keine normale Praxis in den
Zuchträumen von Hobbyzüchtern werden, weil man zu einem erhöhten
Zeitaufwand auch ein gehöriges Maß an Einfühlungsvermögen, Geduld und
Organisationsfähigkeit braucht. Diese Voraussetzungen sind sicher nur bei
ganz wenigen Züchtern vorhanden.
Meinen Versuch eine künstliche Befruchtung
durch zu führen habe ich in der Zuchtsaison 2006 durchgeführt. Zunächst
habe ich aus Übungsgründen bei mehreren Hähnen versucht Sperma zu
selektieren. Das hört sich einfacher an als es in der Praxis möglich ist.
Man muss dabei ganz vorsichtig vorgehen. Wichtig ist, dass die richtige
Stelle für die Spermaabnahme gefunden wird und man ein Gefühl für den
erforderlichen Druck für die Entnahme des Spermas bekommt. Die ersten
Versuche sollte man mit Hähnen durchführen, die nicht unbedingt für die
Zucht erforderlich sind.
Von englischen Zuchtfreunden habe ich gehört,
dass bei Vorführungen an Vereinsabenden schon mal ein Wellensittich Hahn
gestorben ist. Das vielleicht nicht nur wegen der Spermaabnahme, sondern
weil er ein sehr schwaches Nervenkostüm hatte. Auch kann bei unsachgemäßer
Handhabung ein Hahn für einen weiteren Zuchteinsatz unbrauchbar gemacht
werden.
Also nochmals:
Höchste Vorsicht ist geboten.
Voraussetzungen für eine künstliche
Befruchtung sind:
Die eingesetzten Wellensittiche müssen Gesund und in Brutkondition
sein.
Die Hennen sollten schon einen Nistkasten belegt haben und kurz vor der
Eiablage sein.
Die zum Einsatz kommende Henne muss vor der
Aufnahme des Spermas abgekotet haben.
Eine Überprüfung darüber kann wie folgt geschehen:
Nachdem eine Henne aus ihrem Nistkasten genommen wurde, ist sie so lange
in einen mit Papier ausgelegten Kasten zu setzen bis zu erkennen ist, dass
sie sich entleert hat. (Kot abgesetzt hat, üblicher weise koten die Hennen
sehr schnell, Manchmal schon, wenn man sie noch in der Hand hat.)
Nur dann kann davon ausgegangen werden, dass das eingeführte Sperma die
Stelle erreicht, wo die Befruchtung erfolgt. Alle weiteren nötigen Manipulationen werden
im Folgenden aufgeführt.
Paarkombinationsmöglichkeiten für eine
künstliche Befruchtung
1. Es werden ein oder mehrere Hähne
ausgesucht, deren Sperma genutzt werden soll. Diese können aus dem Flug
oder auch von in der Zucht befindlichen Paaren genommen
werden. (dafür müssen natürlich auch genügend Hennen zur
Verfügung stehen.)
2. Mann wählt ein Paar aus, bei dem
festgestellt wurde, dass die ersten zwei Eier nicht befruchtet sind und
befruchtet
jeden zweiten Tag die Henne mit dem Sperma des fremden
Hahnes.
Hinweis:
Nach meinen Erfahrungen reicht ein Spermavorrat für
etwa 4 Tage. Es können also 2 Eier damit befruchtet werden.
3. Mann setzt speziell ein oder mehrere Paare
deren Hennen für eine künstliche Befruchtung genutzt werden sollen und
wo man davon ausgehen kann, dass die Hähne nicht
befruchten in Zuchtkäfige.
4. Es werden eine oder mehrere Hennen in
Zuchtboxen eingesetzt, die je von einem Hahn befruchtet werden
sollen. (Oder
mehrere von einem Hahn) Die Hennen brüten ihre Eier bis
zu einer Stückzahl von 3 ohne Hahn aus und ziehen die
daraus fallenden jungen auch selber auf. Die restlichen Eier müssen
Ammenpaare ausbrüten, welche auch die
schlüpfenden Jungen aufziehen.
5. Es müssen je nach Bedarf Ammenpaare
eingesetzt werden
6. Eine andere Möglichkeit besteht darin, den
Hahn der als Spermaspender für mehrere Hennen genutzt werden soll, ihn
mit der letzten Henne normal eine Brut durchführen zu
lassen. Das ist hilfreich für sein weiter zu nutzendes
Brutverhalten.
7. Mann kann auch grundsätzlich alle fremd
befruchteten Eier von Ammenpaaren ausbrüten und die Jungen aufziehen
lassen.
Der künstliche Befruchtungsvorgang
entspricht in der Chronologie dem, der folgenden Bilderanordnung.
Nr. 1 Nr. bis Nr.7
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Auf Bild Nr.1
ist zu sehen, wie man einen Wellensittich halten sollte um
Manipulationen für eine künstliche Befruchtung durchführen zu können.
Demnach soll der Wellensittichkopf zwischen den
kleinen Finger und dem Ringfinger gesteckt werden. Dann platziert man
den hinteren Teil, (Schwanz mit beiden Schwingen) Bauch nach unten
zeigend, zwischen den vorletzten und letzten Finger vor dem Daumen.
Dadurch wird der Rücken durchgebogen und die Aftergegend wird etwas
herausgedrückt und sichtbar. Jetzt
ist ein Wellensittich so fixiert, das sowohl bei einem Hahn als auch
bei einer Henne alle Manipulationen für eine künstliche Befruchtung
durchgeführt werden können. |
Diese Haltung eignet sich auch sehr gut für
Federbescheidungen des Aftergefieders um eine bessere Befruchtung zu
erreichen.
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Auf Bild Nr.2
ist der Kloakenbereich eines Wellensittichhahnes zu sehen.
Für die Entnahme vom Sperma müssen die Federn in diesem
Bereich soweit entfernt werden, dass die Kloake freigelegt ist und
deutlich sichtbar wird. Das ist hier bereits geschehen.
Dann kann später das Sperma auch deutlich erkannt und aufgefangen
werden.
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Auf Bild Nr.3
kann man den etwaigen Eingriffspunkt erkennen,
an welchem durch leichtes Drücken Sperma entnommen werden kann.
Erst nach mehreren Übungen bekommt man ein Gefühl
dafür, wo mit dem Zeigefinger und Daumen angesetzt werden muss und wie
stark der Druck sein darf.
Bei meinen Versuchen ist es mir nicht immer gelungen bei den
dafür vorgesehenen Hähnen, Sperma zu entnehmen. Es ist nicht unbedingt
sicher, dass diese Hähne unfruchtbar sind.
Denn erstaunlicher Weise hatten
einige mit ihren eingesetzten Hennen überwiegend befruchtete |
Eier. Bei genauer Betrachtung von Bild
Nr. 3, erkennt man in der rechten unterem Bildhälfte auch ein Glasröhrchen
(Mikro - Haematokritröhren Nr. 563).Mit diesem Glasröhrchen wird das
Sperma aufgefangen. Man hält es mit der Glasöffnung in das Sperma. Dann
erledigt sich das Einsaugen von selbst. Diesen Vorgang kann man alleine,
wie im Bild zu sehen, jedoch besser und sicherer zu Zweit durchführen. Ich
habe bei meinen Versuchen alles selber machen müssen.
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Auf Bild Nr.4
ist ein heller Punkt zwischen Zeigefinger und
Daumen zu sehen.
Das ist der Beginn des Spermaausflusses. Die komplette Menge ist im
Normalfall etwa dreimal so groß. Sie ist jedoch wesentlich geringer
als ich es mir vor dem Versuch vorgestellt hatte.
So reicht sie auch aus praktischen Gründen (man kann die Masse im
Röhrchen nicht auf einfache Weise teilen) nur für
einen Befruchtungsvorgang. Um einen Hahn in
seiner Zeugungsfähigkeit nicht übermäßig zu belasten und dadurch zu
gefährden, sollte eine Spermaabnahme nur jeden zweiten Tag erfolgen. |
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Auf Bild Nr.5
kann man deutlich das mit dem Glasröhrchen
aufgesogene Sperma erkennen.
Eine Spermaabnahme kann in diesem Röhrchen eine Volumen/Länge von etwa
5 bis 10 mm betragen. Das Sperma hat in gesundem Zustand immer eine
weis/gelbliche Farbe.
Wie vorher schon festgestellt ist es praktisch kaum
möglich diese Menge für mehrere Befruchtungen zu unterteilen was
theoretisch ja möglich währe und sie dann ein zu setzen. |
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Auf Bild Nr.6
ist zu sehen, wie eine Wellensittichhenne
gehalten werden muss, um bei ihr eine künstliche Befruchtung
durchführen zu können.
Bei einer sich in Brutkondition befindlichen Henne,
die sich kurz vor einem Legezyklus befindet, ist normaler weise ein
Entfernen des Aftergefieders an dieser Stelle nicht nötig. Dieser
Bereich schwillt so an, dass auch ohne Entfernung von Federn die
Kloake deutlich sichtbar ist. Durch den zurück gebogenen Schwanz
öffnet sich die Kloake der Henne. |
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Auf Bild Nr.7
ist die geöffnete Kloake der Henne leider etwas
durch umstehende Federn verdeckt, aber dennoch zu sehen.
Wenn man das Röhrchen mit dem Sperma in den Mund nimmt, kann es jetzt
in diese geöffnete Kloake gepustet werden. (das Röhrchen mit dem
Sperma ist im oberen Bildrand in der Bildmitte zu sehen) Das Sperma
wird, wenn der Schwanz in seine Normallage kommt, selbständig
eingesogen. Damit ist der Hauptteil für eine künstliche Befruchtung
erledigt. Jetzt muss das Sperma nur noch den
Legekanal bis zu der Stelle durchwandern in welcher eine Befruchtung
erfolgen kann. Ich möchte nicht verschweigen, dass es noch
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eine ganze Menge von Möglichkeiten gibt, die
den vorher geschilderten Befruchtungsvorgang verhindern. Die Wichtigste
davon habe ich nachfolgend aufgeführt.
„ Wenn das Röhrchen mit dem Sperma in den
Mund genommen wird, ist unbedingt darauf zu achten, dass keine Zug-, oder
Druckluftbewegung in das Röhrchen gelangt. Zum Beispiel ein Ein- oder
Ausatmen. Beides würde das Sperma aus dem Röhrchen entfernen und somit
würde es für einen Befruchtungsvorgang nicht mehr zu Verfügung stehen.“
Ich hatte für meinen Versuch die
Paarkombinationsmöglichkeit Nr.4 eine Henne, einen Hahn der mit einer
anderen Henne eine Brut durchführte und ein Ammenpaar gewählt.
Die Henne legte 8 Eier. Bei den letzten 6
Eiern war die künstliche Befruchtung erfolgreich verlaufen.
Als Grundsätzliches habe ich
herausgefunden, dass man Eier entweder sofort nachdem sie gelegt wurden
oder erst kurz vor dem Schlupf umlegen sollte, da sonst die Eier
absterben. Nach meiner Meinung liegt das an dem unterschiedlichen
Brutverhalten der einzelnen Hennen.
Die ersten 3 Eier lies ich bei der Henne (2
unbefruchtete und 1 Befruchtetes) das befruchtete Ei starb leider während
der Brut ab.
Die restlichen 5 befruchteten Eier legte ich
dem Ammenpaar unter. Alle schlüpften, doch wurden die ersten 3 Jungen
nicht gefüttert. Das war Pech. Zum Schluss blieben aber doch noch 2 Junge
übrig denen man jedoch nicht ansah wie sie befruchtet wurden.
Wichtig ist,
dass man alle Versuche in einem vorher festgelegten Protokollformular
dokumentiert. Das erfordert schon einen zusätzlichen Zeitaufwand.
Als Ergebnis
kann festgestellt werden, das eine künstliche Befruchtung praktisch
möglich ist. Wobei das Ergebnis sicher besser ausfallen kann als bei
meinem ersten Versuch.
Ich werde bei Gelegenheit, wenn ich sicher
bin, dass mir die erforderliche zusätzlich Zeit auch zur Verfügung steht,
einen weiteren Versuch starten. Wobei ich dann bemüht sein werde das
Erbgut von meinem besten Wellensittichen in meinem Zuchtstamm auf eine
größere Basis zu bringen.
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