Artikel 5
Sind
Standard - Wellensittiche heute weniger fruchtbar als früher?
Hans
- Jürgen H. Lenk DSV 749 (2000)
Immer wieder hört man Klagen von
Zuchtfreunden und dies insbesondere von weniger Erfahrenen, dass sie mit
der Fruchtbarkeit bei ihren Standard - Wellensittichen nicht zufrieden
sind. Gemeint ist hier sicherlich die geringe Anzahl von Jungvögeln, die
man züchtet. In den meisten Fällen dürfte es sich um Haltungsfehler
handeln, die zu weniger Nachwuchs führen. Die Vögel sind teilweise
verfettet und nicht gesund für die Brut, durch falsche Unterbringung
(zugige oder schlecht belüftete Vogelhäuser) und Fütterung. (Vitaminmangel
oder Überdosierung, fehlende oder mindere Kalk, - und Gritzufuhr) Auch mit
einer zu einseitiger Fütterung, bei sonst guter Unterbringung der
Wellensittiche, wird die Brutlust zu wünschen übrig lassen. Bei richtig
vorbereiteten Wellensittichen sind auftretende Schwierigkeiten meist eine
Ausnahme, nicht die Regel.
Was kann man tun um die Voraussetzungen
zu verbessern?
Voraussetzung für
eine erfolgreich Zucht ist, dass man eine genaue Buchführung
macht, aus welcher die wichtigsten Ereignisse zu ersehen sind.
Weiter sollte erkennbar sein, wie die verwandtschaftlichen Verhältnisse
zu einander sind. Auch sollten spezifische Eigenschaften einzelner
Vögel notiert werden. Leute die sagen, das brauche ich nicht,
das habe ich alles im Kopf, werden sich wundern, was sie alles
vergessen haben, wenn sie Notiertes mit dem vergleichen was sie
aus der letzten Zuchtsaison noch wissen. Ganz wichtig ist, dass
man sich ein Programm erstellt. Mit welchem es möglich ist,
seine Wellensittiche jedes Jahr auf die gleiche Weise auf die
Brut vor zu bereiten. Das ist natürlich nur dann möglich,
wenn man alle Erfahrungen gesammelt und ausgewertet hat. Meine
Erfahrungen habe ich in dem nachfolgenden Diagramm, " Zuchtvorbereitung
und Zuchtablauf " dargestellt. Dieses Diagramm hat auch
den Zweck, sich jedes Jahr vor Augen zu halten, wann die Vorbereitungen
zu erfolgen haben damit die Zuchtsaison früh beendet werden
kann und Jungvögel für die ersten Schauen zur Verfügung
stehen.
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Die in meinem Diagramm dargestellten
Präventivkuren, wende ich nur dann an, wenn ich mit meinen
Wellensittichen auf Ausstellungen war. Aber auch bei Wellensittichen,
welche ich gekauft habe. Mir ist bewusst, dass die Wellensittiche
durch Kuren belastet werden. Ich bin davon überzeugt, dass
ich meinen Stamm durch mein System schützen kann. Ich habe
noch nie Verluste durch die von mir durchgeführten Präventivkuren
gehabt.
Darüber hinaus müssen
jedoch auch noch andere Sachverhalte bedacht werden.
Licht
Licht hat einen wesentlichen Einfluss auf die Brutlust. Licht
beeinflusst im Körper von Lebewesen Vitamine, welche als
Katalysatoren unersetzlich sind und eine Reihe andere Stoffwechselvorgänge
auslösen. Es ist hinreichend bewiesen, dass der Wechsel
von Tag zur Nacht, Sommer zum Winter notwendig ist, um Brutstimmung
zu erzeugen. Hält man Wellensittiche in geschlossenen Räumen
und will man eine Winterzucht betreiben, kann durch eine Lichtdauersteigerung
die Bereitschaft für die Brut positiv beeinflusst werden.
Für die Beleuchtung von Vogelhäusern sind Leuchtstoffröhren
am besten geeignet. Mein Vogelraum hat ein Fenster durch welches
Tageslicht gelangt. Zusätzlich ist der Raum mit einer Grundfläche
von 5 x 6 m durch 3 Leuchtstoffröhren beleuchtet. 2 x 40
KW, 1 x 20 KW. Sie sind in der Zuchtsaison von 8 - 13 und von
15 - 21 Uhr eingeschaltet. Die Pause zwischen 13 und 15 Uhr habe
ich einfügt, weil ich dem Nachbar, der über meinem
Vogelraum wohnt Gelegenheit geben wollte, die Mittagsruhe ohne
den Krach den die Wellensittiche machen, zu genießen. Im
Winter hat das einen unerwarteten Effekt ergeben. Dieser Effekt
trägt sicher zu der bei mir vorhandenen guten Fruchtbarkeit
bei. Beim Einschalten des Lichtes treten die Hähne die Hennen,
so als hätte ein neuer Tag angefangen. In der Nacht sind
bei mir 2 über Fotozelle geschaltete Nachtbeleuchtungen
in Betrieb. Diese sind sehr wichtig Sie garantieren unter anderem,
dass Hennen bei nächtlichen Störungen ihr Gelege wieder
finden.
Temperatur
Bei Winterzucht ist die Temperatur im Zuchtraum wichtig. Dr.
Glen Baggott vom Birkbeck College, London stellte fest, dass
weil Wellensittiche aus einer halb tropischen Zone kommen sie
schneller größere Mengen von Spermen erzeugen, wenn
sie in warmen Vogelhäusern gehalten werden. Es wird eine
minimale, nach Möglichkeit konstante Temperatur von 10°
C empfohlen.
Luftfeuchtigkeit
Luftfeuchtigkeit ist auch ein Faktor den man beachten sollte.
Im Nistkasten ergibt sich ein eigenes Klima. Dieses ist abhängig
von dem Material aus welchem er hergestellt wurde. Beeinflussen
kann man es durch die Art der Belüftung des Kastens und
die Anzahl der Lüftungslöcher. Zu hoher Luftfeuchtigkeit
(über 80%) verhindert den erforderlichen Luftaustausch im
Ei.
Präparation am Wellensittich
Unsere Wellensittiche haben sich im Gefieder so verändert,
dass wir für eine erfolgreiche Begattung auch hier Vorkehrungen
treffen müssen. Besonders Wellensittiche mit Doppeldaunen
haben so ein dichtes Aftergefieder, dass es nach meinen Erfahrungen
erforderlich ist, zu mindestens die Hähne vor dem Einsatz
in die Zucht, am After zu beschneiden. Wegschneiden sollte man
den Bereich um die Kloake und die seitlichen Federn, die bei
einer Begattung die Kloake verdecken können.
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Tretakte von
Wellensittichen sind in einer
Zuchtbox wegen der dort vorhandenen
Platz- und Lichtverhältnissen schlecht zu
fotografieren.
Ein
Wellensittichpaar, aufgenommen in
einer Freiflugvoliere, bei der Begattung.
Gut zu erkennen ist,
wie der Hahn seine
Kloake an die der Henne drückt und seinen
ausgebreiteten Flügel für einen besseren
Halt um die Henne legt. |
Beurteilung der Zuchtvögel
Bekannt ist, dass die ersten Bruten nicht immer voll befruchtete
Gelege haben. Hier kann das sehr zeitige Zusammenbringen der
Wellensittiche bei noch nicht richtiger Brutlust der Hähne,
Hennen veranlassen, ihre Gelege zu früh ab zu legen und
unbefruchtete Eier sind die Folge. Brutkondition ist das A und
O in der Wellensittichzucht. Hennen sind in guter Brutkondition,
wenn sie eine weiße bis braune Nasenhaut haben, Holz benagen
und munter hin und her fliegen. Doch werden die meisten Hennen
nie die tief braune Nasenhaut erhalten, die von vielen Autoren
als Voraussetzung für eine gute Zuchtkondition angegeben
wird. Sollten sie tatsächlich eine tiefbraune Nasenhautfarbe
haben, ist der Höhepunkt der Kondition schon überschritten.
Sie ist auch gar nicht erforderlich. Hennen mit bläulichen
Nasenhäuten sollten auf keinen Fall eingesetzt werden. Die
sind mit Sicherheit nicht brutbereit. Wenn man an dieser Stelle
nicht konsequent ist, kann man die Zuchtsession, was das Ergebnis
anbelangt, vergessen. Hähne haben eine leuchtende blaue
Nasenhaut, balzen und klopfen mit ihren Schnäbeln gegen
Sitzstangen, und Wände, fliegen aufgeregt hin und her wenn
sie in Brutkondition sind. Hähne mit einer braunen Nasenhautfarbe,
haben sich von der Zucht verabschiedet. Es ist bei beiden Geschlechtern
nicht erforderlich, dass sie komplett durch gemausert sind. Im
Kleingefieder können noch Lücken vorhanden, das Großgefieder
muss aber komplett sein. Es wird immer wieder vorkommen, dass
auch bei guter Brutkondition in der ersten Brut einige Eier nicht
befruchtet sind. Wenn aber in der zweiten Brutrunde wieder unbefruchtete
Eier im Gelege sind, wird man gut daran tun, nach Gründen
zu suchen. Allererste Voraussetzung ist, dass die zur Brut angesetzten
Wellensittiche in jeder Beziehung einwandfrei waren. Das heißt,
dass sie richtig vorbereitet wurden, nahezu durch gemausert haben,
gut und richtig ernährt sind und einen lebhaften Eindruck
machen. Müde herumsitzende Wellensittiche zur Zucht einzusetzen,
ist immer falsch und vertane Zeit.
Vorbereitung der Zuchtvögel
Wellensittiche entwickeln sich unterschiedlich schnell, daher
kann man kein genaues Mindestalter für die Zuchtfähigkeit
angeben. In der heutigen Zeit sind manche Hennen schon mit etwa
7 Monaten soweit, andere Brauchen 9 - 12 Monate. Bei Hennen in
Brutkondition verändert sich die Nasenhautfarbe und es vergrößern sich die Follikeln um ein
Vielfaches. Der englische Wissenschaftler Professor Dr. Baker hat die Follikeln bei mehreren in Zuchtkondition
befindlichen Hennen gezählt und festgestellt, dass Hennen zwischen 400
bis 600 Eier in ihrem Leben legen können. Allgemein sind die Hähne schneller als die Hennen Zuchtreif.
Bei Hähnen die in Brutkondition sind, verändert sich auch die
Nasenhautfarbe und es vergrößern sich die Hoden von etwa 2 mm auf etwa 13
mm. Fette Wellensittiche sind keine guten Zuchtvögel. Es ist in den Wochen
vor dem Einsatz zur Brut darauf zu achten, dass die Wellensittiche nicht
verfetten. Zur Behebung dieses Problems eignen sich auch Ausstellungen,
durch welche die meisten Wellensittiche abnehmen. Das trifft besonders für
Hennen zu. Aber auch durch die Fütterung kann eine Überfettung beeinflusst
werden. Gesunde Hähne an gesunde Hennen gepaart werden schon nach kurzer
Zeit die Hennen treiben und sie mit feurigen Attacken um schwärmen. Erst
wenn sie sich gefunden haben, dass ist im Normalfall nach etwa 3 Tagen,
sollte der Nistkasten frei gegeben werden. Da sonst oft sehr brutlustige
Hennen gleich den Nistkasten aufsuchen und nicht mehr herauskommen, so
dass sie der Hahn nicht treten kann.
Erkenntnisse aus der
Nasenhautfarbe bei Wellensittichen.
(01.2010)
Die Nasenhautfarbe soll
nach dem Standard für die meisten Wellensittichmutationen bei den Hähnen
blau und bei den Hennen braun sein. Das trifft jedoch nur bei bestimmten
Konditionsfasen zu, wie man aus den folgenden Bildern (Nr.1 bis 4 Hennen,
Nr. 5 bis 8 Hähne) erkennen kann. Die
Nasenhautfarbe ist ein wichtiges Indiz für den Zuchteinsatz. Spezialisten
können aus dem Bereich der Nasenhaut und deren näheren Umgebung auch erkennen,
in welchem gesundheitlichen Zustand sich ein Wellensittich befindet. In
der Zuchtpraxis kommt es auch vor, das man auch mit Hennen und Hähnen
welche nicht die die im Normalfall
angestrebte Nasenhautfarbe zeigen Zuchterfolge erreichen kann.
Erscheint bei
Wellensittich Hähnen eine ins Braune führende Nasenhautfarbe und bei
Wellensittich Hennen eine stark ins Blaue fallende Nasenhautfarbe ist
davon auszugehen das bei diesen Wellensittichen die Vermehrungsfähigkeit
auf gehört hat.
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Bild Nr.1 |
Bild Nr.2 |
Bild Nr.3 |
Bild Nr.4 |
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nicht in
Zuchtkondition
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beginnende
Zuchtkondition
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beste
Zuchtkondition
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abklingende Zuchtkondition
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Bild Nr.5 |
Bild Nr.6 |
Bild Nr.7 |
Bild Nr.8 |
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nicht
in Zuchtkondition |
beginnende Zuchtkondition |
beste Zuchtkondition |
abklingende Zuchtkondition |
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Die Nasenhautfarbe von Inos-, Falben-, Rezessiven Schecken- und
Schwarzaugen- Hähne soll nach dem Standard im Gegensatz zu den
übrigen Wellensittichmutationen
(fleischfarbig rosa) sein. Deswegen ist die Zuchtkondition bei diesen
Mutationen an der Nasenhaut nicht eindeutig zu erkennen. Die Nasenhaut der Hennen soll wie bei
allen Wellensittichmutationen braun sein.
Bild Nr.9
Beispiel:
Nasenhautfarbe
eines Lutino Hahnes |
Wie kann man das Geschlecht bei jungen
Wellensittichen erkennen?
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Bei jungen
Wellensittichen ist das Geschlecht vor der ersten Mauser oft schwierig
zu bestimmen.
Das
trifft besonders bei Inos, Falben, Rezessiven Schecken und
Schwarzaugen zu. Aber auch bei den anderen Mutationen ist es nicht
einfach. Ihre richtige Nasenhautfarbe bekommen sie frühestens nach der
ersten Mauser. Die Bilder Nr.10 und Nr.11 können für eine
Geschlechtsbestimmung Hilfestellung geben.
Bild Nr.10
Nasenhaut eines jungen Hahnes
Bild Nr.11
Nasenhaut einer jungen Henne
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Bild Nr.10 |

Bild Nr.11 |
Besondere Vorkehrungen
Nehmen die Wellensittiche eines Paares keine Notiz von einander,
oder streiten sich, ist das oft darauf zurück zu führen,
dass sie noch nicht die richtige Zuchtkondition erreicht haben.
Dieses Paar sollte in die Voliere zurückgesetzt werden.
Sich stark beißende Partner trennt man am besten. Ist es
jedoch eine besonders wichtige Verpaarung, setzt man beide Wellensittiche
für etwa zwei Wochen separat und versucht es dann noch einmal.
Bei Hennen, die bei Freigabe des Nistkastens, sofort darin verschwinden
und nur zum Koten herauskommen, also bei besonders hartnäckigen
Fällen besteht eine Möglichkeit sie zu beeinflussen,
darin, dass der Nistkasten voll Sägespäne gefüllt
wird und man es den Hennen überlässt, den Nistkasten
wieder leer zu räumen. Eine andere besteht darin, dass man
das Einflugloch mit einer Pappscheibe mit einem kleinen Loch
in der Mitte verschließt und es der Henne überlässt
diese Scheibe weg zu knabbern. Das Einflugloch sollte nicht zu
groß sein. Hennen zwängen sich gerne durch kleinere
Löcher in die Kästen hinein. Diese Methoden bringen
auch besonders schwierige Hennen in Brutkondition und geben dem
Paar die Möglichkeit sich besser kennen zu lernen und dem
Hahn Gelegenheit die Henne zu treten. Muss der Hahn die Henne
im Nistkasten treten, werden nur wenige Eier befruchtet sein,
weil die Henne schon nach dem ersten Ei fest sitzen bleibt. Eier
fressende Hennen oder Hähne sollten aus der Zucht entfernt
werden. An ältere Hennen (3 - 5 Jahre) paart man gerne junge
Hähne und um gekehrt. Der Erfolg, befruchtete Eier zu bekommen,
ist, wie die Praxis zeigt hier größer, als wenn, junge
Hähne an junge Hennen gepaart werden oder ältere Hennen
auch noch ältere Hähne bekommen. Ausnahmen gibt es
natürlich auch hier. Hat sich ein Paar durch besonders gute
Nachzucht ausgezeichnet, dann sollte man es auch für die
nächsten Bruten zusammen lassen. Man sollte auch mehr als
die üblicherweise vorgeschlagenen zwei Bruten machen und
ein Teil der Eier von Ammenpaaren ausbrüten lassen. Hennen,
die Wochen lang (3 - 5 Wochen) im Nistkasten sitzen, ohne ein
Ei zu legen, sollten für mindestens zwei Wochen wieder in
die Flugvoliere gesetzt werden und dann mit einem anderen Hahn
gepaart werden. Vielleicht liegt es auch daran, dass dem Hahn
oder der Henne die Farbe des Partners nicht gefällt. Das
sollte man auch ausprobieren, wenn die anderen Möglichkeiten
nicht zutreffen. Kommt es dann auch nicht zur Eiablage, obwohl
die Hennen sich treten lassen, sind die sie aus der Brut zu entfernen.
Immer vorausgesetzt, das die Hennen gesund und ausgeruht waren.
Ausrangierte Hennen sollten nicht verkauft werden, diese kann
man bestenfalls einem Zuchtkollegen zum probieren überlassen.
Einer, der solche Hennen wissentlich verkauft, handelt kriminell
und verliert gerechter weise das Vertrauen seiner Zuchtfreunde.
Betrügereien sprechen sich schnell herum. In ganz seltenen
Fällen kommt es auch vor, dass ein Hahn unfruchtbar ist.
Deshalb sollte bei unbefruchteten Eiern auch der Hahn mit einer
erprobten Henne ausprobiert werden.
Fütterung
Das wir unsere Wellensittiche auch in der Ruhezeit gut und richtig
gefüttert haben, ist wohl selbstverständlich. Sie müssen
sich von der vergangenen Brutsession erholen und neue Kraft für
die Nächste aufbauen. Wir dürfen also an dem Futter
nicht sparen. Haben einige von unseren Zuchtwellensittichen Fett
angesetzt, empfiehlt es sich, sie vor dem Brutansatz mit Keimfutter
zu füttern und bei schwierigen Fällen die Rationen
zu begrenzen, damit sie abnehmen. Züchter, die glauben,
das Wellensittiche, die mit Keimfutter gefüttert werden,
fett werden, kennen die Vorgänge nicht, die beim Keimen
von Körnern sich ereignen. In fast jedem Fall, werden besonders
die Hähne, bei denen man was das Gewicht anbelangt schon
mal ein Auge zudrücken kann, den Fettansatz durch den Brutbetrieb
verlieren. Keim, - und Aufzuchtfutter (gekauftes oder selbst
erstelltes) ist für ein gutes Wachstum der jungen Wellensittiche
erforderlich. Die Altvögel müssen vor Brutbeginn an
das Futter das man in der Brutsession füttern will, gewöhnt
sein. Es ist nicht ratsam, wehrend der Brutzeit das Futter zu
wechseln. Kalk und Grit sind wichtige Bestandteile einer korrekten
Ernährung. Auch sind Gaben von Vitaminpräparaten erforderlich,
wenn auf Grünfutter wegen örtlicher Verhältnisse
verzichtet werden muss.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Es ist für uns von großem Vorteil, wenn es Leute gibt,
welche verschiedene Vorgänge auch wissenschaftlich untersuchen.
Das gibt uns Gelegenheit die Erkenntnisse bei unseren Zuchtplanungen
zu berücksichtigen. An dieser Stelle möchte ich ein
fügen, dass Hähne in Zyklen, Spermen produzieren. Um
diesen Vorgang verständlich zu machen, füge ich einen
Bericht ein, welcher in der Budgerigar World im März 1988
veröffentlicht und als Übersetzung von mir danach im
DSV - Heft gebracht wurde.
"Jährlicher Spermenproduktionzyklus
von in Volieren gehaltenen Wellensittichen."
1987 gab die zoologische Gesellschaft von London ein Papier,
geschrieben von den Herren J. H. Samour, H. D. M. Moore, I. T.
Bailey und P. F. Watson, über den Spermenproduktionszyklus
von in Volieren gehaltenen Wellensittichen heraus. In diesem
Papier werden die Mauser und die Nasenhautfarbe in Verbindung
mit dem Spermenproduktionszyklus gebracht. Die Spermen wurden
montags und freitags nach einer erprobten Art entnommen. Die
Unterbringung der Wellensittiche, Fütterung usw. wurde von
der Budgerigar World überprüft und zur Verfügung
gestellt. Das Experiment wurde in dem Zeitraum März 1985
bis Mai 1986 durchgeführt. Die Haltungsbedingungen waren
in diesem Zeitraum konstant.
Züchter täten gut daran sich die nachfolgenden Diagramme
anzusehen, welche genau das relative Körpergewicht von 11
Wellensittichhähnen über eine Periode von einem Jahr
in Relation zu dem Spermenvolumen und den Spermenkonzentrationsperioden
setzt.
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Diagramm (a)
- Durchschnittliche Körpergewichtsänderung
.(in Gramm), bezogen
auf 11
Wellensittiche (die Striche stellen
die
Standardabweichungen für Fehler dar)
innerhalb
eines Jahreszyklusses.
Diagramm (b)
- Durchschnittliche Spermenkonzentration
von 11 Wellensittichen
innerhalb eines
Jahreszyklusses.
Diagramm (c)
- Durchschnittliche Spermenproduktion
.(µ Ltr. = Mikro Liter,
1 µ Ltr. = .0,000001
tr. = 1 Kubikmillimeter) von 11
Wellensittichen innerhalb eines Jahres.
Diagramm (d)
- Bedeutet: Summe der .Abgabe von
.Spermen innerhalb
eines Jahres.
- Graphische Methode für normale.
Häufigkeitsaufteilung, dargestellt,
in
kumulativen Prozenten.
Die schräge Linie
entspricht
der Länge eines Zyklusses. Die
durchgezogene vertikale Linie ist
die
Mittellinie für .(Y)
und die gestrichelte
vertikale Linie ist die
Standardabweichung. zwischen (Y / S) |
Wie zu ersehen, sind 4 definierte Zyklen innerhalb eines Jahres
mit deutlichen nahezu unfruchtbaren Spermenproduktionsperioden
dazwischen, vorhanden. Diese haben einen entscheidenden Einfluss
unter Berücksichtigung der Schausaison für das Anpaaren
unserer Wellensittiche. Dies bezieht sich natürlich nur
auf den nördlichen Bereich von England. (Anmerkung: ähnliche
Verhältnisse wie in Nordrhein - Westfalen)
Die Spermenproduktionsperioden sind wie folgt:
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Anfang März bis Ende April
Anfang Juni bis Mitte September
Anfang Oktober bis Anfang November
Mitte Dezember bis Anfang Februar |
Innerhalb der genannten Bereiche
war die Nasenhaut der Wellensittichhähne Tief blau. Die
Mauser war bedeutungslos gering. In der unfruchtbaren Zeit wurde
bemerkt, dass die Nasenhaut blassblau und die Mauser stark sichtbar
war. Die Hähne wurden für das Experiment separat mit
Hörkontakt zu anderen Wellensittichen, auch Hennen, gehalten.
Schlussfolgerungen:
Aus dem Testergebnis können wir erkenne, dass wenn wir den
richtigen Zeitpunkt wählen, wir die Chancen, Nachzucht zu
erhalten stark verbessern. Es gilt jedoch zusätzlich immer,
wenn die Wellensittiche gesund, in der richtigen Kondition sind,
ausreichend und vielseitig gefüttert und auf die Brut vorbereitet
wurden, werden sie jeden Züchter mit guter und zahlreicher
Nachzucht erfreuen. Wer nicht die gewünschten Ergebnisse
erreicht, hat in seiner Zucht zu wenig Wert auf Fruchtbarkeit
und Kondition gelegt. Wie wir gesehen haben, spielt auch der
Zeitpunkt zu dem wir unsere Wellensittiche Anpaaren eine bedeutende
Rolle. Wir wollen ja nicht 8 - 10 Eier pro Paar, aus welchen
dann auch noch alle Junge schlüpfen die von den Alten kaum
ernährt werden können. ( Obwohl das bei manchen Stämmen
keine Seltenheit ist.) Mit 3 - 5 Jungtieren pro Brut bei unseren
Standardwellensittichen können wir zu frieden sein. Die
minimale Zahl von 3 Jungtieren pro Brut sollte bei der Zuchtauslese
aber auch eine Rolle spielen. Unsere Zuchtvorbilder, erfolgreiche
Engländer in dieser Zeit auch einige Deutsche, legen Wert
auf 3 - 4 Junge pro Brut und machen im Normalfall nur zwei Bruten.
Auch in der Zuchtauswahl müssen wir das richtige Maß
halten, nicht immer bringt von Außen erkennbares Gutes
mit Gutem verpaart das erwünschte Ergebnis. Das beste Konzept
für eine erfolgreiche Zucht, ist immer noch die kompensierte
Linienzucht. Das trifft besonders auf die gewünschte Qualität
zu und man kann die Fruchtbarkeit in seinem Stamm gezielt einbringen.
Sie konnten erkennen wie wichtig die Brutkondition bei unseren
Wellensittichen ist und das sie viele Möglichkeiten haben,
diese zu beeinflussen. Hat ein wirklich gutes Zuchtpaar uns mit
einer größeren Anzahl von Eiern überrascht, dann
sollten man versuchen einen Teil davon, von weniger guten Paaren
ausbrüten zu lassen. Wichtig bleibt, dass jedes Paar auch
Junge aufzieht, damit der Bruttrieb bei unseren Wellensittichen
erhalten bleibt. Bezogen auf die Frage in der Überschrift
dieses Artikels, muss ich feststellen, dass die heutigen Wellensittiche
genau so fruchtbar sind wie früher, wenn man sie dazu in
die Lage versetzt. Es liegt in den meisten Fällen an dem
Züchter, wenn er nicht die Nachzucht bekommt, die zu erwarten
ist. Das kann man aus den aufgeführten Gegebenheiten deutlich
ableiten. Also, erst versuchen herauszufinden, was man möglicherweise
selbst falsch gemacht hat und sich auf die Erfordernisse seiner
Wellensittiche einstellen, bevor man sie für schlechte Zuchtergebnisse
verantwortlich macht.
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