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Halbseiter und Scheinzwitter
von G. A. SMITH MRCVS
Übersetzung von Hans-Jürgen H. Lenk DSV Nr.
749 (1999)
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Ein
HALBSEITER ist ein Vogel dessen linke Seite eine andere Körperfarbe
als seine Rechte hat. Diese Trennung, zwischen den zwei Farben,
verläuft im Normalfall genau durch die Längsachse eines Vogels. Die
Erscheinung ist bizarr, weil es so künstlich ausschaut.
Anmerkung:
Es gibt auch Wellensittiche
(Halbseiter) die im geringsten Fall auf einer Seite nur einen anderen
Farbfleck haben. 1970 habe ich bei einem Züchterbesuch in England
einen gaugrünen Wellensittich gesehen, der auf der einen Seite ein
Federduster und auf der anderen Seite ein Normaler war. Diese werden
auch als Halbseiter bezeichnet.
In dem neben stehendem Bild Nr.1 ist
ein so genannter Halbseiter, ein Opalin Wellensittich zu sehen.
Seine Farbe ist bis auf den Kopf auf der einen Seite hellblau und dem
übrigen Körper auf der anderen Seite hellgrün. Die Farbverteilung
verläuft fast durch die gesamte Körpermitte.
Ein Halbseiter ist eine Zufalls- Erscheinung in der Natur. Sie kann
nicht bewusst gezüchtet werden.
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Bild Nr.1 |
Es ist, als ob ein Vogel in zwei Hälften
sauber getrennt, mit einer anderen sauber getrennten Vogelhälfte
zusammengeführt und auf wunderbare Art und Weise zum Leben erweckt wurde.
(siehe Bild Nr. 2)
Bild Nr. 2
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Theoretische
Zeichnung von einem Halbseiter. In Wirklichkeit sind am Anfang einige
Abwanderungen von Zellen: folglich ist die Trennlinie keine Scharfe.
Um Halbseiter zu erklären, muss man zuerst wissen, dass (außer bei
einigen Mangelkrankheiten) alle Veränderungen von Federfarben, des
Wildtyps durch genetische Mutationen verursacht werden. Deshalb, wenn
eine Hälfte eine komplett andere Farbe als die andere Hälfte hat, muss
diese eine andere genetische Konstitution haben. Das gilt auch für
alle die Zellen, die eine Körperabweichung von einer einzelnen
befruchteten Eizelle bewirken. Jede Hälfte von einem Körper entwickelt
sich aus einer von den zwei Zellen, der Grundteilung der Eizelle.
Folglich muss die unterschiedliche
Farbe der beiden Vogelhälften bei der ersten Zellteilung entstehen.
(siehe Bild Nr. 3)
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Bild Nr. 3
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Schon haben wir ein Problem. Halbseiter sind immer
selten, obwohl öfter von ihnen berichtet wird. Ihr gesamtes Vorkommen
tritt auf bei einer zu mehreren tausend Zellteilungen. Warum entsteht
eine körperliche Mutation immer nur in dem angegebenen Verhältnis, in
der frühen Entwicklung des Embryos? Warum entsteht diese Mutation
nicht häufiger bei späteren Zellteilungen? Wie auch immer, einige
tausend Zellteilungen haben zu erfolgen, bis ein solches WS- Küken
(Halbseiter) erscheint.
Erste Zellteilung
Die erste
Zellteilung muss besonders anders als die Nachfolgenden verlaufen.
Andernfalls, warum sollten nicht viele, zum Beispiel grüne
Wellensittiche, nicht wenigstens einen kleinen Fleck mit blauen Federn
haben? Das ist eine vollkommen berechtigte Frage.
Eine Antwort mag sein, dass die
größere Zahl
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von
Zellteilungen im Embryo bei der normalen Bruttemperatur von 37,5 °C
erfolgen. Geringe Schwankungen unter 37,5 °C, haben keine anderen
Auswirkungen auf Zellteilungen, als eine langsamere Entwicklung des
Embryos oder die eines Stillstandes. Normale Bruttemperaturen schaden
einer schnellen Zellteilung nicht. Die Befruchtung der Eizelle erfolgt im
oberen Teil des Fortpflanzungskanals (Eileiters) der Henne. Die Eizelle,
hat sich auf der Oberfläche vom Eigelb niedergelassen für die Zeit, etwa
ein Tag, die erforderlich ist, die Eischale zu bilden. Die Zellteilung
erfolgt auf dem Weg durch den Eileiter.
Primäre Zellen
Infolgedessen, wenn das Ei gelegt ist,
enthält es sagen wir, ungefähr acht von den primären Zellen des Embryos.
Wie auch immer, die Temperatur bei der dieses frühe Bebrüten stattfindet
ist die ungünstige Körpertemperatur 40 °C der Henne. Wir wissen, von
allgemeinen Erfahrungen mit mechanischen Brutkästen, dass so hohe
Temperaturen das normale Wachstum durcheinander bringen und häufig den
Embryo abtöten. Auf der anderen Seite, je näher in der Zeit eine
unentwickelte Embryozelle zur Muttereizelle ist, je anfälliger ist
sie für einen mutatonalen Defekt. Sicher sind Viertelseiter viel seltener,
(sie entstehen, wenn die Eizelle eine zweite Zellteilung macht) als
Halbseiter. Ich habe weder gesehen, noch gehört, dass einer einen
Achtelseiter identifiziert hat. Nach dem Wellensittich, treten die
meisten Halbseiter bei dem domestizierten Geflügel auf. Die Erklärung für
das Vorherrschen dieser beiden Spezies, in den Veröffentlichungen, ist
sicherlich nicht, weil sie speziell für körperliche Mutationen besonders
anfällig sind, sondern weil sie sich sehr stark unter menschlicher
Beobachtung befinden. Die Chancen für das Auftauchen irgendeines seltenen
Genetikphänomenes steigen in einer Population, wenn mehrere Tausend
Spezies in einem Jahr gezüchtet werden. Wie auch immer, die Erklärung: ein
Halbseiter entsteht durch den Verlust von genetischem Material, ist
korrekt. Die größte Chance, dass ein Halbseiter entsteht ist dann, wenn
jedes Junge genetisch spalterbig für rezessive Farben ist. Und, wie jeder,
der moderne Wellensittiche gezüchtet hat, wissen wird, ein sehr hoher
Prozentsatz von ihnen ist spalterbig in der Farbe. Geflügel haben ebenso
viele Mutationsgene für Farbe und Gefieder. Das häufigste Beispiel von
einem Halbseiter beim Wellensittich, hat eine Hälfte grün (dominant) und
die andere blau (rezessiv). Nicht so häufig treten grau/graugrüne (der
Graue ist rezessiv und der Graugrüne ist dominant) auf. Ich habe einen
Wellensittich gesehen, der auf der einen Seite ein Lutino (rezessiv
/geschlechtsgebunden) und auf der anderen Seite ein Grüner (dominant)
war. Gehört habe ich von einem, der war auf der einen Seite ein Opalin
(rezessiv / geschlechtsgebunden) und auf der anderen Seite ein Grüner.
Anmerkung des Übersetzers:
In der englischen Budgerigar World, Januar
1986, ist eine zimthellgrüne Henne abgebildet, die bezogen auf die
Körperlängsachse, zu einer Seite ein Feather duster und zu der anderen
Seite ein Yellow- Vogel ist. Dieser Vogel wurde von Herrn Herbert
Mountfield, aus Cheshire in England, aus einem Zimtopalin hellgrünen Hahn
und einer hellgrünen Henne gezüchtet. Dieses Beispiel zeigt, dass sich ein
Halbseiter auch durch eine andere Federstruktur bemerkbar machen kann. Bei
DSV - Schauen wurde schon mehrmals ein Halbseiter ausgestellt, ein grüner
australischer Schecke, der auf der einen Seite ein Zimter und auf der
anderen Seite ein Normaler war.
Mit den letzten zwei Halbseitern werden wir
uns, weil sie zur Hälfte aus Teilen einer geschlechtsgebundene Mutation
zusammengefügt wurden, beschäftigen, wenn wir zu den Scheinzwittern
kommen. Wie entstehen Halbseiter? Es kann und wird manchmal passieren,
dass ein Vogel reinerbig für eine rezessive Farbe, sagen wir blau ist.
Eines von seinen zwei blauen Genen schlägt durch Mutation zurück zur
normalen, dominanten Grünform. Geschieht dies, überdeckt das neu
entstandene Grünen das Blaue und es werden grüne Federn produziert. Wenn
dies in einer von den ersten zwei unentwickelten Zellen passiert, ist das
Junge ein grün/blauer Halbseiter. Deswegen ist es wahrscheinlich, dass die
Mehrheit von Halbseitern aus Spalterbigen Vögeln entsteht. Bei der ersten
Zellteilung geht ein Teil, oder auch die ganze Chromosomenbeförderung zum
Beispiel für normale Grüne (dominant) verloren. So wird für das
Blau-Produktions-Gen (rezessiv) der Unterdrückungsbefehl, aufgehoben. Es
ist weit leichter vorstellbar, dass ein Teil von Chromosomen verloren geht
oder anderweitig nicht wirkt, als dass ein ganzes Chromosom verschwindet.
Und so lange nicht jemand das Erscheinen von den Chromosomen (karyotype)
auf beiden Seiten des Körpers von einem Halbseiter untersucht, muss das
unbestätigt bleiben. Trotzdem, ganze Chromosomen können verloren gehen,
aber die Zellen bleiben lebensfähig, wie wir jetzt sehen werden. Hennen
unterscheiden sich von Hähnen dadurch, dass ihre Zellen einen Mangel von
bestimmtem genetischem Material haben. Sie haben nur ein „X“-
Geschlechtschromosom, wogegen die Hähne zwei „X“- Geschlechtschromosome
(XX) haben. Dafür haben die Hennen ein „Y“- Geschlechtschromosom. Das „Y“-
Geschlechtschromosom, der Hennen ist erforderlich, um das fehlende „X“-
Geschlechtschromosom zu ersetzen. Infolgedessen, wenn eine Eizelle
beabsichtigt, männlich zu sein „XX“, so muss das bei seiner ersten
Zellteilung abgegebene „X“- Geschlechtschromosom durch ein neues ersetzt
werden, damit sie wieder zwei „XX“ Geschlechtschromosomen hat. Eine
Eizelle mit nur einem „X“- Chromosom ist weiblich. Das Endergebnis würde
ein Junges sein, das ein sexueller Halbseiter ist, oder ein Scheinzwitter.
Diese kleine Betrachtung sollte zeigen: der Scheinzwitter ist nicht das
gleiche wie der Zwitter. Zwitter, zum Beispiel bei Schnecken und
Würmern, sind sowohl männlich als auch weiblich. Der Scheinzwitter, so gut
bekannt bei Säugetieren, ist eine Embryonische Katastrophe, wo die normale
sexuelle Festlegung bei der die Vererbung für männlich oder weiblich durch
einen physiologischen Grund unterbrochen wurde. Somit erscheinen sie als
ein dazwischen liegendes Geschlecht. Offensichtlich können wir
Scheinzwitter nur erkennen, wenn das männliche Erscheinungsbild sich
deutlich von dem weiblichen unterscheidet. Scheinzwitter sind besser
bekannt bei Schmetterlingen und Nachtfaltern. Bei Insekten, wie auch bei
Vögeln ist es das Weibchen, dass ungleichartig ist, (es hat das „Y“
Geschlechtschromosom) bei den Säugetieren ist es das Männchen. Ich kenne
vier Vogel-Scheinzwitter. (Beim Geflügel ist es anders, dort sind mehrere
bekannt.) Der erste ist ein Edelpapagei (Eclectus roratus). Die männliche
Hälfte ist grün und die weibliche Hälfte ist rot, eine Aufteilung wie
normalerweise üblich bei Halbseitern. Eine geringe Ungleichheit der
zweiseitigen Symmetrie ist vorhanden. Ich habe diesen Edelpapagei
nur auf Fotografien gesehen. Der Zweite ist ein präparierter Vogelkörper,
zu sehen im britischen Museum für neuzeitliche Geschichte, in der
Abteilung für Vogelkunde, in Tring. Dieser Vogel, ein Boot-Schweif-Star?
(Quiscalus major) ist ein Mitglied der amerikanischen Familie „Orioles,
Icteridae“. Bei diesen Vögeln ist das Männchen oft größer und anders in
der Farbe als das Weibchen. Dieser Boot-Schweif-Star? ist obwohl er wie
ein Männchen aussieht, ein perfektes Beispiel für einen Vogelzwitter. Die
grobe Skizze deutet an, warum. (siehe Bild Nr. 4)
Bild Nr. 4
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Die weibliche linke Hälfte ist braun, und hat das
Bein, den Flügel und Schwanz kürzer als die schwarz gefärbte männliche
rechte Hälfte, was seine Bewegungen sehr beeinträchtigt haben muss.
Die größte offensichtliche Einwirkung erfolgt am Schnabel, der wegen
der Größenunterschiede der beiden Hälften, seitwärts zur linken Seite
gebogen ist. Die übrigen mir bekannten zwei Scheinzwitter sind die
Halbseiter Lutino/Grüne und Opaline/Grüne Wellensittiche, früher
erwähnt, die nicht grüne Hälfte vom Körper ist Geschlechtsgebunden. Es
ist interessant zu wissen, was
passiert, wenn man versucht, mit einem Halbseiter zu züchten. Hähne
haben zwei Hoden. Je einen in |
jeder Körperhälfte angeordnet. Wogegen Hennen
nur einen Eierstock in der linken Körperhälfte platziert haben. Wenn
Halbseiter das Ergebnis einer einfachen genetischen Mutation sind, wenn
also ein blaues Gen konveniert zu einem grünen Gen, wird der Vogel
ungeachtet von seinem Geschlecht, zeugungsfähig sein. Ein Hoden wird Samen
abgeben, der reinerbig für das Erscheinen von Blauen ist. Der Samen von
dem anderen Hoden wird, wie es bei Spalterbigen üblich ist, grüne
oder blaue Gene erscheinen lassen. Wenn der Halbseiter durch den Verlust
von genetischem Material, partiell oder der ganze Verlust von einem
Chromosom, entstanden ist, die Gonade auf der betroffenen Seite, würde
wahrscheinlich unfruchtbar sein. Infolgedessen, wenn eine Henne blau auf
der linken und grün auf der rechten Seite ist, würde man mit ihr
normalerweise züchten können. Bei einem Scheinzwitter wird die männliche
Hälfte wahrscheinlich Spermen abgeben, die weibliche Hälfte unfruchtbar
sein.
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